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Die Regierung von Ministerpräsident Narendra Modi wies die Vorwürfe zurück und verteidigte ihre Berechnungsmethoden. Im Kern der Kritik stehen eine geänderte Berechnungsgrundlage und der verwendete Inflationsfaktor. Der frühere Staatssekretär im Finanzministerium, Subhash Chandra Garg, warf der Regierung vor, das Wachstum künstlich hochzurechnen, da die Vergleichsbasis aus dem Vorjahr nachträglich abgesenkt worden sei. Der ehemalige Notenbankchef Raghuram Rajan fragte, warum sich das starke Wachstum nicht in mehr Arbeitsplätzen oder Investitionen niederschlage. Einige Ökonomen stellten zudem den sogenannten Deflator infrage, mit dem die Inflation aus dem nominalen Wachstum herausgerechnet wird. Dieser sei im Vergleich zu anderen Preisindikatoren zu niedrig angesetzt.
Das Statistikministerium erklärte, die Berechnungsmethodik sei im Februar umgestellt worden. Dadurch sei der nominale Wert des Bruttoinlandsprodukts für das Vergleichsquartal 2025 von 86,05 Billionen auf 80 Billionen Rupien (729,26 Mrd. Euro) herabgesetzt worden. Nach der alten Berechnungsgrundlage hätte das nominale, also nicht inflationsbereinigte Wachstum im vergangenen Quartal lediglich 2,6 Prozent betragen statt der von der Regierung gemeldeten 10,3 Prozent. Doch dann würde man Äpfel mit Birnen vergleichen, so die Regierung.
Die oppositionelle Kongresspartei bezeichnete die Wachstumszahl als "statistische Gymnastik". Die Debatte fällt in eine für die Regierung politisch angespannte Zeit. Im Juli war der Bildungsminister nach Protesten von Jugendlichen wegen fehlender beruflicher Perspektiven und Korruption zurückgetreten.
Aktuelle Wirtschaftsdaten zeichnen ein gemischtes Bild. So legten die Autoverkäufe im August um 21 Prozent zu, während die Kreditvergabe der Banken ein Zehn-Jahres-Hoch erreichte. Dagegen schwächte sich der Einkaufsmanagerindex, ein auf Umfragen unter Unternehmen basierender Frühindikator, auf ein Mehrjahrestief ab.
Indien ist das bevölkerungsreichste Land und nach den USA, China, Deutschland und Japan die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Mittelfristig könnte Indien auf den dritten Platz vorrücken. "Indien könnte Deutschland am Ende des Jahrzehnts überholen", erwartet der Konjunkturchef des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Grömling. "Das erklärt sich schon aus der schieren Größe der Volkswirtschaft." Indien zählt rund 1,5 Milliarden Einwohner, Deutschland kommt dagegen nur auf 83,5 Millionen.
NEU-DELHI - INDIEN: FOTO: APA/APA/BKA/FLORIAN SCHRÖTTER
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