Zweifel an Bewertung von Shein vor Börsendebüt am 28. August

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++ ARCHIVBILD ++ Der Börsengang des Internetgigangen lässt die IT-Branche rumoren
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Vor dem für Ende August geplanten Börsendebüt von Shein wachsen bei Investoren die Zweifel an der Bewertung des chinesischen Billig-Modehändlers. Die Aktie des 2012 gegründeten Online-Unternehmens, das inzwischen in Singapur sitzt, solle schon am 28. August erstmals an der Börse in Hongkong gehandelt werden, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Der offizielle Startschuss ist für Mittwoch, 19. August geplant.

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Das Unternehmen erwartet bei dem Börsengang eine Bewertung von umgerechnet 30 bis 40 Milliarden Dollar (25,99 bis 34,65 Mrd. Euro). Obwohl das deutlich weniger ist als 100 Milliarden Dollar, die die Grundlage einer Finanzierungsrunde im Jahr 2022 waren, ist die Bewertung nach Ansicht mehrerer Investoren angesichts eines verlangsamten Wachstums noch immer viel zu hoch angesetzt.

Die Investmentbank Morgan Stanley, die den Börsengang von Shein zusammen mit Goldman Sachs und JPMorgan organisiert, sieht den "fairen Wert" des Unternehmens in einer Reuters vorliegenden Studie für potenzielle Aktienkäufer sogar zwischen 39 und 52 Milliarden Dollar. Das wäre das 18- bis 24-fache des für 2027 erwarteten operativen Gewinns - womit Shein in einer Liga mit den europäischen Konkurrenten Inditex (Zara) und H&M spielen würde. Ein Investor sagte Reuters aber, der Maßstab für Shein müsse eher die Online-Versandplattform Temu und deren börsennotierte Muttergesellschaft PDD sein. Das würde bedeuten, dass der Unternehmenswert bei weniger als dem Zehnfachen des erwarteten operativen Gewinns läge.

Für Stirnrunzeln sorgt bei den professionellen Anlegern vor allem, dass Shein bei Weitem nicht mehr so stark wächst wie in den vergangenen Jahren. Reuters sprach mit fünf Investoren, die an Präsentationen von Shein vor dem Börsengang teilnahmen oder die jüngsten Bilanzen unter die Lupe genommen haben. 2023 wuchs das Unternehmen noch mit 41 Prozent, 2024 mit 20 Prozent. Für 2026 rechnen die Analysten von Coresight dagegen nur noch mit einem Zuwachs von zwei Prozent.

Zu schaffen machen Shein vor allem die neuen Hürden, die die USA und Europa aufgezogen haben, um das Geschäftsmodell der Billigversender aus Asien zu bremsen. Die Europäische Union erhebt seit 1. Juli Zölle von drei Euro je Warengruppe für E-Commerce-Sendungen aus dem Ausland. Die USA hatten bereits im vergangenen Jahr die Zollfreiheit für billige Warensendungen gekippt - was Shein zu aufwendiger Lagerhaltung in den USA zwingt.

Der Vorstand habe in den Präsentationen vor dem Börsengang versucht, die Anleger zu überzeugen, dass das nur zu einer Wachstumsdelle führe, und auf neue Chancen mit Eigenmarken hingewiesen, sagte einer der Investoren - doch er zweifelt, ob dies das Wachstum wieder ankurbeln kann. Coresight-Chefanalyst John Mercer sagte, Shein werde versuchen, stattdessen den Rest der Welt zu erschließen, und darauf verzichten, die Zollgebühren auf die Kunden in der EU abzuwälzen.

Die Werbemaschinerie von Shein habe offenbar Grenzen, warnen Investoren und Analysten. Zwar stieg die Zahl der aktiven Kunden 2025 von 230 Millionen auf 273 Millionen. Doch die Zahl der Bestellungen trat mit vier pro Jahr auf der Stelle. "Sie haben App-Installationen bekommen, sie haben Nutzer bekommen, aber das war nicht nachhaltig", kritisiert Mike Ryan, E-Commerce-Experte von Smarter Ecommerce. Im ersten Quartal dieses Jahres hat Shein die Marketingausgaben auf 1,43 Milliarden Dollar erhöht. Ein Jahr zuvor waren es nur 1,09 Milliarden.

Einen Rückschlag erlitt Shein auch vor Gericht. In London scheiterte das Unternehmen am Donnerstag mit einer Urheberrechtsklage gegen Temu. Shein hatte dem Konkurrenten vorgeworfen, Fotos von Shein-Eigenmarken veröffentlicht zu haben, die Händler auf der Plattform nutzten, um Kopien der Kleidungsstücke zu verkaufen. Temu hatte Shein im Gegenzug vorgeworfen, mit der Klage nur den Wettbewerb verhindern zu wollen. Im Gegenzug klagte Temu selbst auf Schadenersatz, weil man Angebote nach einer einstweiligen Verfügung habe zurückziehen müssen, obwohl Shein für die dort verwendeten Fotos nicht die Urheberrechte besaß. Richterin Kelyn Bacon verwarf die Urbeherrechtsklage von Shein. Temu sei nicht verantwortlich für Taten der Händler auf seiner Plattform. Ein Sprecher von Shein erklärte, man sei überrascht über die Entscheidung.

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