Wiener Börse am Nachmittag weiterhin tiefer

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Wiener Börse zeigte sich weiterhin tiefrot
 © APA/APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER
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Die Wiener Börse hat sich am Montagnachmittag nach der Eskalation im Nahen Osten weiterhin tiefer gezeigt. Der ATX gab gegen 14.30 Uhr um 1,67 Prozent auf 5.606,31 Punkten nach. Der ATX Prime fiel um 1,84 Prozent auf 2.787,97 Zähler. Damit folgte die Wiener Börse dem Trend der europäischen Börsen, die ebenfalls mit Abgaben zu kämpfen hatten.

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Am Wochenende griffen Israel und die USA den Iran an und töteten dabei unter anderem das Staatsoberhaupt und den Religionsführer des Landes, Ayatollah Ali Khamenei. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen und schränkte außerdem den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz, eine der wichtigsten Passagen des weltweiten Energiehandels, ein. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge. Jede Störung lässt die Energiepreise steigen und die internationalen Märkte werden verunsichert.

Der Iran-Krieg könnte auch die Inflation in Österreich wieder über die Marke von zwei Prozent heben. Die Auswirkungen des Nahost-Krieges auf die Weltwirtschaft hängen nicht zuletzt von der Dauer des Konfliktes ab, sind sich die Ökonomen des Wirtschaftsförderungsinstituts (Wifo) und des Instituts für Höhere Studien (IHS) einig. Sollte es zu einem geregelten Machtwechsel in dem Land mit rund 93 Millionen Einwohnern kommen, würden die EU und vor allem Österreich wirtschaftlich profitieren, so das Ergebnis einer Studie von Ökonomen des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) rund um den Iran-Experten Mahdi Ghodsi und Wifo-Direktor Gabriel Felbermayer.

Neben der Lage im Nahen Osten rückten die heimischen Arbeitslosenzahlen etwas in den Hintergrund. Ihr Anstieg fiel im Februar etwas geringer als zuletzt aus. Ende des Monats waren 436.160 Personen arbeitslos oder befanden sich in Schulung, um 1,4 Prozent bzw. 6.220 Personen mehr als im Vorjahresmonat, teilte das Arbeitsmarktservice (AMS) am Vormittag mit. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich im Februar um 0,2 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent. In mehreren Bundesländern sind die Zahlen bereits rückläufig, AMS-Chef Johannes Kopf ortet Signale der Entspannung.

Unternehmensseitig standen in der Früh die Zahlen des Flughafen Wiens im Fokus. Der Vorstand der Flughafen Wien AG rüttelt trotz eines Gewinnrückgangs um mehr als zehn Prozent nicht an der Dividendenhöhe von 1,65 Euro je Aktie. Wegen Abschreibungen durch den Stopp für den Bau einer dritten Start- und Landebahn sank der Gewinn auf 210 Mio. Euro, nach 240 Mio. Euro 2024. Der Flughafen hofft, dass der Iran-Krieg bald endet. Pro Tag, an dem die Lufträume in der Region gesperrt sind, kommen 5.000 Passagiere aus Wien hinzu, die festsitzen. Jenen, die wegen der Bombardements nicht nach Österreich zurückfliegen können, will der Flughafen keine zusätzlichen Parkgebühren verrechnen. "Diese Zusatztage werden wir kompensieren", sagte Vorstand Günther Ofner. Die Aktien notierten am Nachmittag bei einem Minus von 0,74 Prozent.

Der Feuerfestkonzern RHI Magnesita schrieb 2025 inmitten eines schwierigen Marktumfelds weniger Umsatz und Gewinn. Die Erlöse sanken um 3 Prozent bzw. währungsbereinigt um 1 Prozent auf rund 3,4 Mrd. Euro, der Gewinn verringerte sich von 154 Mio. um mehr als ein Drittel auf 94 Mio. Euro. Das Unternehmen betonte, damit innerhalb der Prognosen zu liegen. Zu kämpfen hatte der Konzern nach eigenen Angaben vor allem mit einer schwachen Industrienachfrage, einem Anstieg chinesischer Exporte und einem schwachen Preisumfeld. Die Werte gaben im prime market um satte 13,61 Prozent nach.

Mit deutlichen Abschlägen reagierten auch die Werte von Do&Co auf die Eskalation im Nahen Osten. Der Kurs des Caterers fiel um 11,46 Prozent. Auch Bankenwerte wurden abgegeben. So verlor RBI 5,4 Prozent, BAWAG 2,58 Prozent. Deutliche Verluste von über sechs bis neun Prozent verzeichneten die Papiere von FACC und Austriacard.

Gestützt wurde der ATX von Verbund (plus 6,8 Prozent), OMV (plus 3,1 Prozent) und dem niederösterreichischen Ölfeldausrüster SBO (plus 1,69 Prozent). Die OMV sieht die Versorgung seiner Kunden mit Öl und Gas derzeit als gesichert an. Für den Fall einer länger andauernden Einschränkung der Schifffahrtsroute bereite man jedoch alternative Szenarien vor, so das Unternehmen. Auch auf die Gasversorgung habe die Situation in der Straße von Hormuz derzeit keinen Einfluss.

Der oberösterreichische Motorenbauer Steyr Motors wird dem deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS 500 Motor-Generator-Einheiten zuliefern. Ein entsprechender Rahmenvertrag wurde unterzeichnet, dieser läuft bis 2034. Bei den bestellten Produkten handelt es sich um 2-Zylinder-Dieselmotoren, die insbesondere für den Kampfpanzer Leopard 2, aber auch für das Brückenlegesystem Leguan gedacht sind. Die Aktien stiegen um 2,68 Prozent.

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