VW-CEO sucht "belastbare Perspektiven" für alle Standorte

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Werksschließungen für Blume "die letzte und teuerste Lösung"
 © DPA, Julian Stratenschulte, Apa
©DPA, Julian Stratenschulte, Apa
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
In der Wolfsburger VW-Zentrale hat die Serie von Betriebsversammlungen beim kriselnden Autobauer begonnen. Der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume soll der Belegschaft Antworten zu angekündigten Sparmaßnahmen liefern. Die Mitarbeiter kritisierten jüngst eine aus ihrer Sicht desaströse Kommunikation und lediglich oberflächliche Infos aus der Chefetage. Zehntausende Stellen und vier Werke sollen in Gefahr sein.

von

Vorstandschef Blume beschrieb den Konzern vor den Versammlungen intern als "überdimensioniert". "Das macht uns oft zu langsam und zu kompliziert", sagte er in einem Interview. Er hatte angekündigt, an einem neuen "Zielbild 2030" zu arbeiten und den Sparkurs verschärfen zu wollen. Seitdem wird an einigen deutschen Standorten um die Zukunft und in der VW-Welt insgesamt um bis zu 50.000 zusätzliche Stellen gebangt.

Mit Blick auf mögliche Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sprach Blume von einer letzten Option, die er gern vermeiden wolle. "Unser Ziel ist es, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen", sagte Blume. Für die vier Werke gebe es aber derzeit noch keine "wettbewerbsfähige Belegung" für die 2030er-Jahre.

Die Kosten außerhalb der Fahrzeugproduktion müssten sinken. Dabei sei die von ihm früher genannte Zahl von 50.000 Stellen keine Zielgröße, sondern eine theoretische Rechengröße. "Aus heutiger Sicht entfällt etwa die Hälfte des Anpassungsbedarfs auf Deutschland, die andere international - in insgesamt rund 170 Gesellschaften", ergänzte Blume einer Mitteilung zufolge. Details seiner Sparpläne, die der Betriebsrat gefordert hatte, blieb der Konzernchef weiter schuldig. Es solle auch künftig "so weit wie möglich" auf freiwilliges Ausscheiden über Renteneintritte und einvernehmliche Vereinbarungen gesetzt werden, versicherte Blume.

Mehr als 10.000 Mitarbeitende in und vor der Halle quittierten seine Rede Teilnehmern zufolge mit Pfiffen und bekundeten ihren Protest mit Schildern und Transparenten. Parolen wie "Tarifbruch stoppen!" und "Unsere Jobs sind nicht Eure Bilanzkorrektur!" hielten Vertrauensleute der IG Metall dem Management auf der Bühne entgegen.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo verurteilte die kürzlich von Blume genannte Zahl von weiteren 50.000 abzubauenden Stellen, die theoretisch hergeleitet worden sei, um an der Börse gut anzukommen. "Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten!", kritisierte sie in ihrer von frenetischem Applaus begleiteten Rede, dass bisher kein genauer Plan vorliege. "Unser Vertrauen in diesen Konzernvorstand, insbesondere auch in dessen Vorsitzenden Oliver Blume, ist beschädigt. Noch nicht irreparabel. Aber beschädigt."

Nach Wolfsburg sind in den nächsten Tagen acht weitere Betriebsversammlungen in Braunschweig, Emden, Zwickau, Chemnitz, Dresden, Kassel-Baunatal, Salzgitter und Hannover geplant.

Bereits vor der Betriebsversammlung merkte der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) an, dass Werksschließungen keine Zukunftslösung seien und die Größe des Konzerns eine Chance sei. Niedersachsen ist wesentlich an VW beteiligt.

WOLFSBURG - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/Julian Stratenschulte

Über die Autoren

Logo
trend. Newsletter

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages