US-Börsen verlieren nach Zoll-Drohungen deutlich

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US-Dollar und -Anleihen ebenfalls unter Druck
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Die Androhung von US-Strafzöllen gegen europäische Staaten im Streit um Grönland hat nach einem feiertagsbedingt langen Wochenende am Dienstag auch die Börsen in New York unter Druck gebracht. Zum Sitzungsende notierte der Dow Jones Industrial 1,76 Prozent leichter bei 48.488,59 Punkten.

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Der marktbreite S&P-500 verlor 2,06 Prozent auf 6.796,86 Zähler, während der technologielastige Nasdaq Composite um 2,39 Prozent auf 22.954,32 Einheiten nachgab. Beide Indizes gaben damit ihre Gewinne aus den ersten beiden Wochen des Jahres wieder ab und sackten außerdem auch unter die 50-Tage-Linie für den mittelfristigen Trend.

Unter Druck gerieten zudem der US-Dollar und US-Staatsanleihen, weshalb Marktbeobachter auch von "Sell-America"-Trades sprachen. Am Rentenmarkt sorgte zusätzlich ein Ausverkauf japanischer Staatspapiere für Belastung, nachdem die Renditen dort infolge fiskalischer Sorgen deutlich anzogen.

Charttechnisch wichtige kurz- und mittelfristige Trendsignale zeichnen ein düsteres Bild für die weitere Börsenentwicklung. Der Volatilitätsindex (VIX), der die kurzfristig erwarteten Schwankungen im S&P-500 misst, stieg über 20 Punkte auf den höchsten Stand seit November. Anleger flüchteten in Edelmetalle wie Gold als sicheren Hafen.

Zwischen Washington und Europa war es am Wochenende zur Eskalation gekommen. US-Präsident Donald Trump drohte im Streit um die zu Dänemark gehörende Insel Grönland vom 1. Februar an Strafzölle gegen einige europäische Länder an, die im Juni weiter steigen sollen, sofern kein Abkommen über den Kauf Grönlands durch die USA erzielt wird. Europäische Staats- und Regierungschefs reagierten empört und erwägen Gegenmaßnahmen.

"Der Grönland-Streit zeigt: Handelsstreitigkeiten sind bei weitem noch nicht beigelegt", sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Und sie dürften unter einer Trump-Administration wohl auch ein "Dauer-Störfeuer" bleiben.

Die Aktie des KI-Chipherstellers Nvidia büßte als schwächste unter den sogenannten "glorreichen Sieben" 4,4 Prozent ein. Doch auch die anderen sechs - Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft und Tesla - die zu den weltweit größten und wichtigsten Technologieunternehmen zählen, gaben nach. Sie verloren zwischen 1,2 und 4,2 Prozent.

Intel sprangen dagegen um 3,4 Prozent hoch und profitierten von positiven Analystenkommentaren von HSBC und Seaport Global Securities. Eine Erholung des lange Zeit vor allem im Vergleich zur bärenstarken Konkurrenz schwächelnden Chipherstellers nahm damit weiter Form an. Am Aktienmarkt setzen Anleger schon länger auf eine Geschäftsbelebung.

Die Aktie des Streaming-Anbieters Netflix gab nach anfänglichen Gewinnen um 1,1 Prozent nach. Im Bieterkampf um das Hollywood-Urgestein Warner Brothers legte Netflix nach. Das bisherige Gebot von knapp 83 Milliarden US-Dollar inklusive Schulden für das Studio- und Streaming-Geschäft von Warner wird zu einem kompletten Barangebot. Konkurrent Paramount bietet gut 108 Milliarden Dollar für den gesamten Konzern. Dessen Aktie verlor 2,1 Prozent, während Warner Bros. 1,2 Prozent abgaben.

Im Dow waren 3M das Schlusslicht mit minus 7,0 Prozent. Der Mischkonzern enttäuschte zur Vorlage seiner Quartalszahlen Analysten zufolge mit seinem bereinigten operativen Ergebnis und blieb zudem mit seinem Margenausblick für 2026 etwas hinter den Erwartungen zurück.

Die Anteilsscheine der Edelmetall-Produzenten Newmont und Agnico Eagle Mines verteuerten sich um bis zu 5,9 Prozent. Sie profitierten von neuen Rekordhochs bei den Gold- und Silberpreisen. Die Edelmetalle sind angesichts der vielen geopolitischen Krisenherde wie der Lage im Iran und Trumps Zoll-Drohungen als "sichere Häfen" derzeit stark gefragt.

Die Aktien von Rapt Therapeutics wurden um 64 Prozent auf 57,57 US-Dollar nach oben katapultiert, nachdem der britische Pharmakonzern GSK die Übernahme des US-Biotech-Unternehmens angekündigt hatte. GSK bietet den Rapt-Aktionären 58 Dollar je Aktie, was einem Firmenwert von 2,2 Milliarden Dollar entspricht.

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