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Konkret bietet die UniCredit den Commerzbank-Aktionären rund 0,485 eigene Aktien je Anteilsschein. Das entspricht einem Wert von 30,80 Euro je Aktie und einem Aufschlag von 4 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag. UniCredit hält nach eigenen Angaben bereits rund 26 Prozent direkt sowie weitere knapp 4 Prozent über Finanzderivate an der Commerzbank. Weil das deutsche Geldhaus derzeit eigene Aktien zurückkauft, muss UniCredit ihre Beteiligung anpassen, um die 30-Prozent-Schwelle nicht unabsichtlich zu überschreiten. Mit dem nun vorgelegten freiwilligen Offert in Aktien vermeidet die italienische Bank ein gesetzliches Pflichtangebot, das in bar bezahlt werden müsste.
Die Übernahmepläne stoßen in Deutschland auf breiten Widerstand. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnte das nicht abgesprochene Offert ab und betonte, das Institut setze weiterhin auf Eigenständigkeit und profitables Wachstum. Zudem biete das Umtauschverhältnis faktisch keine Prämie für die eigenen Aktionäre. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet im Falle einer Fusion zudem einen Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen.
Auch die deutsche Regierung, die seit der Finanzkrise 2008 noch rund 12 Prozent der Anteile an der Frankfurter Bank hält, lehnt einen Verkauf ab. Ein Sprecher des Finanzministeriums bezeichnete den Vorstoß als feindliche Übernahme, die bei einer systemrelevanten Bank nicht akzeptabel sei. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte bei einem Treffen mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten im Kanzleramt in Berlin, das Angebot sei Sache der beteiligten Banken. "Die politische Meinung der Bundesregierung dazu ist klar: Wir wollen die Eigenständigkeit der Commerzbank erhalten. Aber zunächst einmal muss jetzt die Commerzbank, der Aufsichtsrat, der Vorstand auf das Übernahmeangebot der Unicredit eine Antwort geben, und alles Weitere wird sich dann im Laufe der nächsten Wochen und Monate zeigen."
UniCredit-Chef Orcel verteidigte das Angebot bei einer Telefonkonferenz und betonte, ein anhaltendes Abwarten sei für beide Seiten suboptimal. Das Angebot diene dazu, die Hürde im deutschen Übernahmerecht zu überwinden und einen konstruktiven Dialog zu fördern, wobei derzeit keine vollständige Kontrolle angestrebt werde. Die Angebotsunterlagen sollen voraussichtlich Anfang Mai veröffentlicht werden, sofern die Aktionäre von UniCredit auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai zustimmen. Die Annahmefrist beträgt danach vier Wochen. Zudem prüfen die Europäische Zentralbank und das deutsche Bundeskartellamt die Pläne.