Doppelmörder tötet "aus Behördenfrust" Mithäftling

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Im FTZ Garsten kam es zur Tat
 © WERNER KERSCHBAUMMAYR, FOTOKERSCHI, WERNER KERSCHBAUMMAY, Apa
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Ein rechtskräftig verurteilter Doppelmörder hat am Montagnachmittag im forensisch-therapeutischen Zentrum (FTZ) Garsten einen 40-jährigen Mitinsassen mit einem manipulierten Buttermesser getötet. Als Motiv gab der 63-Jährige laut Staatsanwaltschaft Steyr "Frust gegen Behörden und Ämter" an, wobei das Opfer damit nichts zu tun gehabt habe. Die Tat ist auf einem Überwachungsvideo zu sehen, es wird wegen Mordes ermittelt.

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Auf dem - tonlosen - Video sei zu sehen, wie Täter und Opfer zuerst in den Haftraum des Täters gehen, dann wieder heraus auf den Gang kommen und dort offenbar einen Disput haben, so Andreas Pechatschek von der Staatsanwaltschaft Steyr. In der Folge sei der 63-Jährige mit einem messerartigen Gegenstand auf den Jüngeren losgegangen. Ebenfalls zu sehen sei, dass sofort Justizwachebeamte dem 40-Jährigen zu Hilfe eilen, das Opfer war aber nicht mehr zu retten. Die Obduktion ergab mehrere Stiche in den Brustkorb, wobei ein Stich in die Lunge tödlich gewesen sei.

Als Motiv gab der Verdächtige in einer ersten Einvernahme an, wütend auf Behörden und Ämter gewesen zu sein. Diese Wut habe sich jedoch nicht direkt gegen das Opfer gerichtet, mit diesem habe es keine Streitigkeiten gegeben, so Pechatschek. Bei der Tatwaffe handle es sich um ein Buttermesser, das manipuliert war, "um besser zustechen zu können". Daraus schließen die Ermittler, dass es sich um eine geplante Tat gehandelt hat. Es wird daher wegen Mordes ermittelt.

Bei dem 63-jährigen Verdächtigen handelt es sich um einen rechtskräftig verurteilten Doppelmörder, der 2017 in Linz ein betagtes Ehepaar getötet und in dessen Haus Feuer gelegt hat, wurde der APA aus gut informierten Kreisen bestätigt. Der Tunesier hatte sich seinerzeit kurz nach der Tat gestellt und gab als Motiv an, er habe ein Exempel an der Gesellschaft und der FPÖ, durch die er sich als Ausländer und Muslim diskriminiert fühlte, statuieren wollen. Ein Sohn des getöteten Paares arbeitete in einer einem FPÖ-Politiker unterstellten Abteilung des Landes Oberösterreich, allerdings hatte die Familie kein Naheverhältnis zu den Freiheitlichen.

2018 wurde er in Linz zu lebenslanger Haft verurteilt. Zudem wurde er in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher - heute forensisch-therapeutisches Zentrum - eingewiesen. Die psychiatrische Sachverständige Adelheid Kastner hatte ihm eine "querulatorische Persönlichkeitsstruktur" attestiert und vor der von ihm ausgehenden Gefährlichkeit gewarnt. Kurz vor der Bluttat hatte der Mann dem damaligen IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Treue geschworen. Dass er nicht wegen terroristischer Vereinigung verurteilt wurde, dürfte der Einschätzung der Sachverständigen geschuldet gewesen sein, dass er sich aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur in keiner Organisation einordnen könne, "egal ob eine Terror-Organisation oder ein Fußballverein", hatte die Gutachterin damals gesagt.

Der Getötete befand sich nach APA-Informationen seit 2003 in Haft. Zunächst wurde der Wiener als Jugendlicher wegen Raubes und Einbruchsdiebstahls verurteilt. 2006 folgte eine Verurteilung zu einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe, nachdem er während eines Freigangs eine junge Frau vergewaltigt hatte. Zusätzlich wurde die Unterbringung im Maßnahmenvollzug verfügt, weil er von einem Psychiater als gefährlicher Rückfalltäter eingestuft wurde. Nach Verbüßung seiner zwölfjährigen Haft wurde der Mann weiter im FTZ Garsten angehalten und behandelt. Sachverständige sprachen sich in regelmäßig eingeholten psychiatrischen Gutachten gegen seine bedingte Entlassung aus, weil sie die von ihm ausgehende, mit einer schwerwiegenden und nachhaltigen psychischen Störung einhergehende Gefährlichkeit nicht gebannt sahen.

Der mutmaßliche Täter dürfte vorerst im FTZ in Garsten bleiben. Kastner wurde bereits mit einem neuerlichen psychiatrischen Gutachten beauftragt.

Die für den Strafvollzug zuständige Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP) nannte die medizinische Situation im FTZ Garsten zuletzt "defizitär". Freitag bis Sonntag und in der Nacht sei kein psychiatrisches Fachpersonal vor Ort. Lediglich zwei Mal pro Woche ist ein Allgemeinmediziner anwesend", berichtete Schwarz der APA.

Dazu stellte das Justizministerium am Dienstag klar, man habe in Garsten mittlerweile "wesentliche Verbesserungen umgesetzt". Seit der letzten Überprüfung durch die Volksanwaltschaft im Jahr 2025 sei der Besetzungsgrad der Fachdienste auf 92 Prozent gesteigert worden. Der Pflegebereich sei sogar vollbesetzt.

"Parallel dazu sichern wir die medizinische und psychiatrische Versorgung auch an Wochenenden und Feiertagen lückenlos ab, indem das ärztliche Fachpersonal bis zur Etablierung eines regulären Bereitschaftsdienstes durchgehend telefonisch erreichbar ist", teilte das Ministerium in einer Stellungnahme mit. Zudem werde gezielt in die Handlungssicherheit der Bediensteten vor Ort investiert: "Über regelmäßige, spezifische Schulungen wird das Personal kontinuierlich für den sensiblen und professionellen Umgang mit psychisch auffälligen Insassen weitergebildet."

ZU APA0099 VOM 15.9.2026 - Außenansicht des Forensisch-Therapeutischen Zentrum (FTZ) Garsten, aufgenommen am Dienstag, 15. September 2026 in Garsten. Nachdem am Montagnachmittag im Forensisch-Therapeutischen Zentrum (FTZ) Garsten ein 40-jähriger Häftling tot aufgefunden worden war, ermittelt die Staatsanwaltschaft Steyr wegen Mordverdachts.

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