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In dem Offenen Brief "an alle Mitglieder der SPÖ" vermutet Zeiler, dass die "Genossinnen und Genossen" wahrscheinlich über seine Ankündigung "überrascht" gewesen seien. "Deswegen möchte ich mich jetzt direkt an Euch wenden. Ich habe in den vergangenen Wochen viele Gespräche in der SPÖ geführt. Und diese Gespräche haben mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass es absolut möglich ist, den Siegeszug der Rechten aufzuhalten." Dies aber nur, meint Zeiler, "wenn wir - die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Österreich - uns ändern, eine Neuausrichtung der Partei vornehmen und sie in die Mitte führen". Das sei der "Grund, warum ich Parteivorsitzender werden möchte". Den aktuellen Parteichef, Vizekanzler Andreas Babler, erwähnt Zeiler in dem Schreiben, das auf der neuen Homepage www.gerhardzeiler.info veröffentlicht werden soll, nicht.
"Ich hoffe, Ihr seid nicht ungehalten, wenn ich die Lage der Partei nüchtern, ungeschminkt und in klaren Worten beschreibe: Die SPÖ ist auf dem Weg, bundespolitisch irrelevant zu werden", verweist Zeiler auf Umfragen, die die SPÖ bei rund 15 Prozent sehen. "Dazu in vielen Bundesländern - vor den Landtagswahlen in Oberösterreich, Tirol, Kärnten, Salzburg und Niederösterreich, die allesamt in den nächsten zwei Jahren stattfinden werden - eine Situation, in der wir in Gefahr sind, ohne Rückenwind aus dem Bund zwischen Schwarz und Blau zerrieben zu werden. Aber diesen Rückenwind gibt es nicht. Im Gegenteil." Wenn man nicht jetzt eine Veränderung herbeiführe, werde der Vorsprung der anderen nicht mehr aufzuholen sein.
Es sei ihm bewusst, "dass Ihr die ständigen Führungsdiskussionen in der Partei und den Streit zwischen manchen Spitzenfunktionären leid seid", schreibt Zeiler. "Und ich hoffe wie Ihr auch, dass es eine rasche Entscheidung über Führung und Richtung der SPÖ geben wird." Aber diese Diskussion und Entscheidung müssten jetzt stattfinden, denn so weiterzumachen würde bedeuten, "dass wir wirklich zur Kleinstpartei verkommen", meinte Zeiler. "Bitte unterstützt meinen Weg der Erneuerung unserer Partei, egal ob dieser Weg über einen Parteitag oder eine Abstimmung der Mitglieder geht." Er verspreche, dass er dann als erstes alles daran setzen werde, "die Einigkeit und Geschlossenheit aller Teile der SPÖ wiederherzustellen".
Österreich sei ein wunderbares Land, "Leistung, Aufstieg, Sicherheit - der Kurs Bruno Kreiskys - haben uns zu einem weltweiten Vorbild gemacht". Ohne starke SPÖ werde man erleben, "was das Vorbild von (FPÖ-Chef) Herbert Kickl - Viktor Orbán - in 16 Jahren aus Ungarn gemacht hat: ein ärmeres, ungerechtes und korruptes Land", gab sich Zeiler überzeugt. Der erfolgreiche Medienmanager betont in dem Brief auch seine sozialdemokratische Herkunft "aus einer ur-sozialdemokratischen Familie" - "geboren in Wien-Ottakring, aufgewachsen mit meinem Zwillingsbruder bei meinen Großeltern in einer Zimmer-Küche-Kabinett-Gemeindebauwohnung ohne Bad".
Die SPÖ müsse "in die Mitte rücken, muss wieder die Positionierung einnehmen, in der sie erfolgreich war und wieder sein kann", erklärte Zeiler. "Ich möchte, dass die SPÖ wieder die Partei des sozialen Aufstiegs wird." Thematisch streifte Zeiler einmal mehr Wirtschaft, Bildung und Gesundheit: Man brauche "eine starke Wirtschaft", müsse Betriebe entlasten und sie von einer überbordenden Bürokratie befreien, ihnen Anreize für Investitionen geben und damit Arbeitsplätze schaffen. Öffentliche Schulen und die öffentliche Gesundheitsversorgung müssten "ordentlich funktionieren", ohne dass die Menschen zusätzlich dafür Geld ausgeben müssen.
Er wolle "ein Österreich, das Leistung belohnt, das jene unterstützt, die unverschuldet in Not geraten sind und die nicht arbeiten können. Aber eben nicht jene, die nicht arbeiten wollen", erklärte Zeiler. "Das können wir uns und das dürfen wir uns nicht mehr leisten." Viel zu tun gebe auch bei der Gleichberechtigung von Mann und Frau und im Sicherheitsbereich, damit "Frauen sich nicht fürchten müssen, in der Nacht auf die Straße zu gehen". Außerdem solle man nicht dulden, "dass Menschen - egal ob österreichische Staatsbürger oder nicht - sich über unsere Gesetze hinwegsetzen", es müsse stattdessen harte Konsequenzen geben.
Einen Eindruck, wie es in der SPÖ weitergeht, sollte man nach dem Wochenende haben. Am Sonntag lädt Babler die Landesparteichefs zu einem Gespräch. Der burgenländische SPÖ-Landesparteichef Hans Peter Doskozil ging am Freitag nicht davon aus, dass es bei dem Treffen eine personelle Lösung für die SPÖ-Spitze geben wird. "Ich glaube nicht, dass personelle Entscheidungen fallen werden." Beim Treffen der Landesparteichefs davor gehe es darum, sich abzustimmen, dies sei ein normaler Vorgang, stellte er am Rande einer Pressekonferenz am Freitag in Oberwart fest.
Dass Finanzminister Markus Marterbauer Babler ablösen könnte, sei eine "medial kolportierte Vermutung", so Doskozil. Marterbauer habe sich bereits selbst geäußert und dazu wolle er nichts sagen. Ihm geht es auch nicht nur um Personen, sondern um Inhalte und Positionierungen.