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Es war sein erstes Live-Interview, seit er am Freitag per "Krone" seinen Hut in den Ring geworfen hat. "Ich stehe für einen wirtschaftsfreundlichen Kurs", sagte er in der ORF-Nachrichtensendung. Es brauche eine starke Wirtschaft, um auf der anderen Seite über den Sozialstaat verteilen zu können. Die Wirtschaft müsse "von der Bürokratie befreit" und entlastet werden. Einer Erbschaftssteuer würde er nur zustimmen, wenn im gleichen Ausmaß der Faktor Arbeit steuerlich entlastet wird.
Die bestehende Regierungskoalition würde er, sollte sein Vorhaben gelingen und er SPÖ-Parteichef werden, nicht verlassen. "Ich stehe zu dieser Regierung", so Zeiler. Die Dreierkoalition habe ein Programm ausgearbeitet, "das noch lange nicht abgearbeitet ist". Als Parteichef würde er auch das Amt des Vizekanzlers in der Regierung bekleiden wollen. Eine Ämtertrennung mache keinen Sinn.
Die einzelnen SPÖ-Regierungsmitglieder wollte er nicht beurteilen bzw. sagen, mit wem er weiter arbeiten wollen würde. Nur eins: Es gebe einen "wirklich fantastischen Finanzminister" (Markus Marterbauer; Anm.). Andererseits würde er sich auch selbst den Finanzminister-Posten zutrauen.
Als (kurzfristige) politische Prioritäten nannte er den Kampf gegen die Inflation sowie Investitionen in Bildung und Gesundheit. Letztere würde er unter anderem durch die Abschaffung von Doppelgleisigkeiten bei Förderungen gegenfinanzieren.
"Sprachlos" lies der TV-Auftritt Zeilers den SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim zurück, wie er in der darauffolgenden ORF-Diskussionsrunde "Das Gespräch" sagte. Er frage sich, "wie das eine Kursänderung sein soll". Als "fahrlässig" bezeichnete er das Vorgehen Zeilers, dem er riet, mit den SPÖ-Parteimitgliedern zu reden statt mit der "Kronen"-Zeitung. Dass Babler sich von sich aus zurückziehe, sei "völlig ausgeschlossen".
In der SPÖ schwelt schon länger, und nicht zum ersten Mal, eine Debatte über den Parteivorsitz. Grund dafür sind vor allem schlechte Umfragewerte, die die Sozialdemokraten bei aktuell rund fünfzehn Prozent sehen. Dass Zeiler dadurch automatisch leichtes Spiel hat, ist aber noch unklar. Bisher halten sich weite Teile der Partei mit öffentlichen Sympathiebekundungen zurück. Zwei Regierungsmitglieder der SPÖ - Ministerin und SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner sowie Staatssekretärin Michaela Schmidt - stärkten Babler sogar eher den Rücken.
Sich öffentlich zu Zeiler bekannt haben sich bisher vor allem einige ehemalige SPÖ-Granden und -Landeshauptmänner. Am deutlichsten wurde der frühere steirische Landeshauptmann Franz Voves. Zeiler sei "eine große, seltene Chance - nicht nur für die SPÖ", sagte er der "Kleinen Zeitung".
Burgenlands Ex-Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ), der selbst Ambitionen für einen Einzug in die Hofburg hegt, sprach sich im Interview mit der "Presse" zwar nicht direkt für Zeiler aus, meint aber, die SPÖ müsse sich angesichts schlechter Umfragewerte "natürlich Gedanken personeller und inhaltlicher Art machen". Zeiler sei "ein Musterbeispiel dafür, was für ein Aufstieg einem durch Leistung gelingen kann" und entspreche "dem Motto von Bruno Kreisky, der gesagt hat: Leistung, Aufstieg, Sicherheit".
Mit Peter Ambrozy traut auch ein ehemaliger Kärntner Landeshauptmann Zeiler den SPÖ-Vorsitz zu. "Gerhard Zeiler ist ein fähiger Mann, nicht nur weil er im ORF war, sondern weil er sich im internationalen Mediengeschäft durchgesetzt hat", so Ambrozy in der "Kleinen Zeitung". Er warnt aber zugleich: "Wenn sich das Klima in der Partei nicht ändert, bringt es auch nichts, dass wir nun eine neue Person in diese Position bringen."
Gegen eine Personaldebatte in der SPÖ hat sich zuletzt Frauenministerin Holzleitner ausgesprochen. Sie würde sich gerne auf ihre Arbeit konzentrieren. Über schlechte Umfragewerte und Personalfragen müsse die Partei intern diskutieren, nicht öffentlich in den Medien, sagte sie am Sonntag gegenüber dem ORF.
Unterstützung für Babler hatte am Samstag dessen Staatssekretärin Michaela Schmidt gegenüber dem ORF geäußert: Babler habe die SPÖ in die Regierung geführt und ein Regierungsprogramm mit stark sozialdemokratischer Handschrift durchgesetzt. "Er ist erst im März mit eindeutiger Mehrheit gewählt worden. Alles andere besprechen wir im Wohnzimmer und nicht am Balkon."
Nicht klar positionieren wollte sich die Vorsitzende der Gewerkschaft GPA und SPÖ-Abgeordnete, Barbara Teiber. In der ORF-Sendung "Hohes Haus" sagte Teiber, sie wolle sich nicht an der Personaldebatte in ihrer Partei beteiligen. Babler sei der gewählte Vorsitzende der SPÖ. Zeilers "Inhalte" kenne sie noch nicht.
Wie es in der SPÖ weiter geht, bleibt unklar. Der nächste reguläre Vorstand ist für November angesetzt, jedoch könnten vier Mitglieder eine vorgezogene Sitzung einberufen lassen. Damit müssten sich dann erstmals Zeiler-Unterstützer deklarieren. Da das Statut einige Grauzonen hat, ist nicht einmal unstrittig, ob es zu der eigentlich vorgesehenen Direktwahl durch die Mitglieder kommen muss. Um zum Beispiel das zu klären würde es wohl dringend einer Sitzung des Vorstands bedürfen.
Der Kandidat selbst scheint es gar nicht so eilig zu haben. Zeiler meint in der "Krone" nämlich: "Der 'rote Oktober' heißt für mich New York, London und hoffentlich eine Woche Urlaub mit meiner Familie".
Gerhard Zeiler (Chairman Warner Bros. Discovery Intl.) am Mittwoch, 23. September 2026, während eines Fireside Chats "Shifting Power in the Digital Age" im Rahmen der 33. Österreichischen Medientage (23.-24.9.) in Wien.