SNB-Chef weist UBS-Kritik an Kapitalregeln zurück

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UBS bezeichnete die Pläne der Schweizer Regierung als inakzeptabel
 © AFP, FABRICE COFFRINI, Apa
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Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Martin Schlegel, hat die Kritik der Großbank UBS an den geplanten strengeren Eigenkapitalvorschriften zurückgewiesen. Die von der Schweizer Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen seien nicht extrem, sondern verhältnismäßig, gezielt und effektiv, sagte Schlegel in einem am Freitag veröffentlichten Interview der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ).

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"Unter Berücksichtigung von Reserven verfügt die UBS heute schon über genügend Eigenkapital, um sämtliche Vorschläge des Bundesrats zu erfüllen", betonte der Notenbankchef. Die vollständige Kapitalunterlegung von ausländischen Beteiligungen sei absolut zentral, um die Widerstandsfähigkeit systemrelevanter Banken zu erhöhen.

Die Großbank hatte die Pläne der Schweizer Regierung zuletzt als inakzeptabel bezeichnet und vor einer Gefährdung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit gewarnt. Auch eine Verlegung des Hauptsitzes ins Ausland könnte für die UBS zu einer Option werden. Schlegel zeigte sich davon unbeeindruckt. Bei der Standortwahl seien Kapitalvorschriften nur ein Faktor unter vielen. Er gehe davon aus, dass die UBS auch dann weiterhin einen wesentlichen Teil ihres Geschäfts in der Schweiz tätigen werde.

Mit Blick auf die Gesamtwirtschaft warnte Schlegel vor den Folgen anhaltend hoher Energiepreise infolge geopolitischer Konflikte. Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft hingen maßgeblich davon ab, wie lange diese Preisaufschläge andauerten. "Die entscheidende Frage ist, wie lange der Konflikt andauert und ob die Energiepreise hoch bleiben", sagte Schlegel. Wenn sich die Preise rasch wieder normalisierten, sei der Einfluss auf Inflation und Wirtschaftswachstum wohl nur vorübergehend. Länger anhaltende Schocks ließen jedoch deutlich größere Auswirkungen erwarten.

Für Aussagen über eine drohende Stagflation - also eine Phase stagnierenden Wachstums bei gleichzeitig steigenden Preisen - sei es noch zu früh. Im Moment sei unklar, ob es sich nur um einen temporären Angebotsschock handle, erklärte der SNB-Chef. Durch solche Schocks könnten Zentralbanken in der Regel hindurchschauen. "Problematisch wird es, wenn sich sogenannte Zweitrundeneffekte und somit Preissteigerungen auf breiter Front abzeichnen", sagte Schlegel. In einem solchen Fall müssten die Zentralbanken handeln.

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