Österreichs Firmen binden 195 Mrd. Euro in Forderungen

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incaseof.law beziffert gebundenes Kapital auf 38 Prozent des BIP
 © dpa-Zentralbild, Patrick Pleul, Apa
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Österreichs Kapitalgesellschaften haben in ihren Bilanzen fast 195 Milliarden Euro an ausstehenden Forderungen stehen. Das entspricht 38 Prozent der gesamten österreichischen Wirtschaftsleistung im Jahr 2025. Zudem werden jährlich mehr als 11 Mrd. Euro an überfälligen Forderungen zwischen Unternehmen nicht professionell eingetrieben. Das geht aus der Registerstudie "Warten aufs Geld" der auf KI-gestütztes Forderungsmanagement spezialisierten Wiener incaseof.law GmbH hervor.

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Die Analyse des Wiener Legal-Tech-Inkassoinstituts basiert auf einer Vollerhebung von 149.916 elektronisch offengelegten Jahresabschlüssen aus dem Firmenbuch für die Geschäftsjahre 2024 und 2025. Der gebundene Forderungsbestand sei dreimal so hoch wie die liquiden Mittel aller ausgewerteten Unternehmen von 65,6 Mrd. Euro. Neben den erhobenen Bilanzdaten beinhaltet die Untersuchung der Autoren Maximilian Kindler und Stephan Holzbach eine Modellrechnung zum Markt für Forderungseinbringung. Demnach entstehen jährlich rund 14 Mrd. Euro an ernsthaft überfälligen, unbestrittenen Forderungen, wovon lediglich ein Fünftel über Kanzleien oder Inkassobüros betrieben werde. Mehr als 11 Mrd. Euro verbleiben laut der Studie unbearbeitet im Mittelstandssegment zwischen 500 und 50.000 Euro.

Die Auswertung zeige eine extrem ungleiche Verteilung: Das oberste Prozent der Unternehmen (1.499 Gesellschaften) halte 61 Prozent des gesamten Forderungsvolumens. Zugleich treffe eine hohe Forderungslast oft auf geringe Eigenkapitalpuffer. Insgesamt würden 21,6 Prozent aller Kapitalgesellschaften ein negatives Eigenkapital ausweisen, sie haben also rechnerisch mehr Schulden und aufgelaufene Verluste als eigenes Vermögen. Bei den Kleinstunternehmen liege dieser Anteil bei 27,9 Prozent. Diese Firmen wirtschaften ohne finanziellen Polster - bei unerwarteten Ausfällen oder Zusatzkosten gibt es kein Erspartes im Betrieb, um diese abzufedern.

9.139 Gesellschaften kombinieren ein negatives Eigenkapital mit einer Forderungsquote von über 50 Prozent ihrer Bilanzsumme - mehr als die Hälfte ihres gesamten Vermögens besteht aus offenen Rechnungen, die Kunden ihnen noch schulden. Bei 45,1 Prozent der Firmen mit Forderungen reiche die Kassa- und Bankliquidität nicht aus, um ein Viertel der offenen Außenstände zu decken.

"195 Milliarden Euro sind keine Randnotiz der Buchhaltung, sondern der größte stille Kreditmarkt des Landes", sagte Studienautor Maximilian Kindler, Gründer und Geschäftsführer der incaseof.law GmbH. "Österreichs Unternehmen finanzieren einander im Umfang von 38 Prozent des BIP, meist unfreiwillig und meist unverzinst. Wer liefert, ist Bank seines Kunden, ob er will oder nicht."

"Wir haben nicht gefragt, wir haben gezählt", betonte Holzbach, "149.916 Jahresabschlüsse, jede Zahl reproduzierbar." Das wirtschaftliche Umfeld erschwere die Situation zusätzlich durch historisch hohe Insolvenzzahlen mit 6.810 Unternehmenspleiten im Jahr 2025. "Am meisten überrascht hat uns die Konzentration: Ein Prozent der Unternehmen hält 61 Prozent des gebundenen Kapitals, während bei den Kleinsten mehr als jede vierte Bilanz ohne Eigenkapitalpuffer dasteht."

SIEVERSDORF - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

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