
von
US-Präsident Donald Trump sieht im stark gestiegenen Ölpreis ein kleines notwendiges Opfer angesichts der Bedrohung durch das iranische Atomprogramm. "Kurzfristige Ölpreise, die schnell wieder sinken werden, wenn die Zerstörung des iranischen Atomprogramms beendet ist, sind ein sehr kleiner Preis, der für Sicherheit und Frieden in den USA und auf der Welt zu zahlen ist, schrieb Trump am Sonntag in seinem Onlinedienst Truth Social. "Nur Narren würden anders denken", fügte er hinzu.
Wegen der Kämpfe im Iran meiden Tanker weiterhin die für den Öltransport wichtige Straße von Hormuz. Der weltgrößte Ölexporteur Saudi-Arabien erhöht zwar seine Lieferungen über das Rote Meer, die Mengen reichen jedoch bei Weitem nicht aus, um die Ausfälle auszugleichen. "Die Weltwirtschaft bleibt abhängig vom Fluss von Öl und Erdgas aus dem Nahen Osten durch die Straße von Hormus", erklärte Bruce Kasman, Chefvolkswirt bei JPMorgan. Ein längerer Konflikt könnte den Ölpreis über 120 Dollar treiben und eine weltweite Rezession auslösen.
An der Wall Street deuteten die Terminkontrakte auf einen schwachen Start hin: Die S&P-500-Futures fielen um 1,6 Prozent, die Nasdaq-Futures um 1,7 Prozent. Die Sorgen der Anleger wurden durch eine Verschärfung des Konflikts geschürt. Investoren flüchteten in den liquiden Dollar, während Währungen von Energieimporteuren wie Japan und vielen europäischen Ländern nachgaben. Der Euro fiel um 0,7 Prozent auf 1,1537 Dollar. Der Goldpreis gab um 0,6 Prozent auf 5140 Dollar je Feinunze nach. Händler spekulierten, dass Anleger Gewinne mitnehmen müssten, um Verluste an anderer Stelle auszugleichen.
Die Börsen in Ostasien haben mit heftigen Verlusten auf den rasanten Anstieg der Ölpreise reagiert. In Tokio stürzte der Nikkei-Index für 225 führende Werte im frühen Handel um mehr als 6 Prozent unter die Marke von 53.000 Zählern. Rund 25 Minuten nach Handelsbeginn notierte der asiatische Leitindex bei einem satten Minus von 3,409,92 Punkten oder 6,13 Prozent bei einem Zwischenstand von 52.210,92 Punkten.
Hohe Verluste verzeichnete auch die Börse in Südkorea. In Seoul verzeichnete der KOSPI nach Handelsbeginn zeitweise ein Minus von 378,55 Punkten - oder knapp 7 Prozent - bei einem Stand von 5.200,17 Zählern.
Die steigenden Ölpreise und der eskalierende Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran haben die Aktien von Fluggesellschaften in Asien am Montag stark belastet. Die Papiere von Qantas, Air New Zealand, Cathay Pacific, Japan Airlines, Korean Air Lines sowie der großen chinesischen Fluggesellschaften China Southern und China Eastern fielen zwischen vier und mehr als zehn Prozent.
Treibstoff ist nach den Personalkosten der zweitgrößte Kostenfaktor für Fluggesellschaften und macht in der Regel ein Fünftel bis ein Viertel der Betriebskosten aus. "Wenn der Rohölpreis um 20 Prozent steigt, steigt der Kerosinpreis noch stärker, da er noch knapper ist", sagte Subhas Menon, Leiter des Verbands der Fluggesellschaften im asiatisch-pazifischen Raum. Dies führe zu erheblichen Mehrkosten. Der unabhängige Luftfahrtanalyst Brendan Sobie erklärte, das Umfeld für die Fluggesellschaften sei bereits vor der Krise im Nahen Osten schwierig gewesen. "Diese bereits hohe Unsicherheit hat nun noch weiter zugenommen", sagte er.
Die Krise hat weitreichende Folgen für den Flugverkehr. Dem Datenanbieter Cirium zufolge wurden zwischen dem 28. Februar und dem 8. März mehr als 37.000 Flüge von und nach Nahost gestrichen. Gestrandete Passagiere zahlen hohe Summen, um die Region zu verlassen. Australien hat die Familienangehörigen von Diplomaten in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgefordert, das Land zu verlassen. Der türkische Verkehrsminister Abdulkadir Uraloglu sagte am Sonntag, Flüge von Turkish Airlines und anderen Gesellschaften in den Irak, nach Syrien, in den Libanon und nach Jordanien seien bis zum 13. März gestrichen worden. Die USA haben nach Angaben des Außenministeriums seit letzter Woche Tausende von US-Bürgern mit Charterflügen ausgeflogen.
Piloten berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Häufung von Konflikten - von der Ukraine über Afghanistan bis hin zu Israel - die psychische Belastung erhöhe. Sie seien gezwungen, mit einem schrumpfenden Luftraum und einer Flut von Militärdrohnen zurechtzukommen.