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"Die Unternehmen schätzen die aktuelle Belebung im laufenden Geschäft als vorübergehend ein", sagte Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf. Die im April begonnene Sonderkonjunktur setzte sich demnach fort: Teile der Branche profitieren von einer höheren Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen infolge der gestörten globalen Lieferketten, die durch den seit Ende Februar währenden Krieg im Nahen Osten ausgelöst wurde. "Die vorübergehende Sonderkonjunktur verschafft der Branche zwar kurzfristig Luft, die strukturellen Kernprobleme bleiben jedoch ungelöst", sagte Wolf.
Aktuell bleibt die Versorgungslage mit Vorprodukten angespannt: 31,1 Prozent der Unternehmen berichteten im Mai über Materialknappheit. Im ersten Quartal waren es nur 7,0 Prozent. Entsprechend kräftig zogen die Preise für chemische Erzeugnisse an. Der Indikator für die Preisentwicklung gegenüber dem Vormonat stieg auf plus 47,5 Punkte, von 32,5 Zählern im April. Die Mehrheit der Unternehmen rechnet demnach mit weiteren Preissteigerungen.
Trotz der Belebung der Nachfrage planen die Unternehmen mit einer geringeren Produktion und einem weiteren Personalabbau. Auch die Exporterwartungen verschlechterten sich deutlich.
Der Chemieverband VCI warnte zuletzt trotz gut gefüllter Auftragsbücher bei einigen Unternehmen vor trügerischen Hoffnungen auf eine Trendwende. Dies sei kein Anzeichen einer nachhaltigen Erholung, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. "Das ist in weiten Teilen ein Ausdruck nackter Panik." Internationale Abnehmer würden aus Sorge vor Versorgungsengpässen wegen des Kriegs im Nahen Osten schlichtweg hamstern. Damit drohe bereits die nächste Inflationswelle. "Das ist ein kleiner Peak in einer strukturellen Krise, die wir haben", betonte Große Entrup.
TOKYO - JAPAN: FOTO: APA/APA/AFP/KAZUHIRO NOGI