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"Europa ist an einer bekannten Kreuzung", so der IWF. Der Schock durch höhere Energiepreise sei ähnlich wie 2022, aber nicht so stark wie damals. Es sei mit einem niedrigeren Wachstum, dafür aber einer höheren Inflation zu rechnen. Für die Euro-Zone rechnet die Finanzorganisation mit Sitz in Washington dieses Jahr mit einem Wachstum von 1,1 Prozent, für die EU werden 1,3 Prozent erwartet. Sollte der Nahost-Krieg länger anhalten, könnte eine Rezession drohen, außerdem eine Inflation Richtung fünf Prozent. In einem positiveren Szenario dürfte die Teuerung in der Euro-Zone dieses Jahr auf 2,6 Prozent steigen.
Die europäischen Länder sind unterschiedlich gut vorbereitet auf die Krise. Dänemark und Schweden haben laut IWF beispielsweise finanzielle Spielräume, um zu reagieren. Diese fehlten in den stark verschuldeten Ländern wie Frankreich oder Italien. Regierungen sollten der Versuchung widerstehen, die Preise einfach ändern zu wollen - mit Preisdeckeln, Entlastungszahlungen oder Steueranpassungen. "Dies sind unkluge Maßnahmen." Sie seien nicht zielgenau genug. Reichere Bevölkerungsschichten würden überproportional profitieren. IWF-Analysen zur Krise 2022 zeigten, eine Kompensation der kompletten Mehrkosten für die einkommensschwächsten 40 Prozent der Haushalte hätte lediglich 0,9 Prozent der Wirtschaftsleistung gekostet. Hilfen mit der Gießkanne seien dagegen teurer.
Der IWF forderte zudem Strukturreformen ein. "Der derzeitige Schock ist kein Grund, die Reformen aufzuschieben. Er ist vielmehr ein Grund mehr, die Reformagenda voranzutreiben." Für Deutschland empfehlen die Experten den Abbau von Bürokratie, Anreize, damit mehr Frauen länger arbeiten, eine Koppelung der Renten an die Inflation sowie den Abbau von Handelshürden innerhalb der EU.