
von
"Ich glaube, dass der Zeitpunkt gekommen ist, dass dieses Unternehmen wieder vollständig in italienische Hände gelangt", sagte der italienische Industrieminister Adolfo Urso laut Medienangaben. Die Regierung sei bereit, die ihr zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen, einschließlich der sogenannten Golden-Power-Regelungen, sollte Volkswagen einen Verkauf beschließen.
Ähnlich äußerte sich der Präsident des italienischen Unternehmerverbands Confindustria, Emanuele Orsini. "Als Land sind wir bereit, uns für Ducati einzusetzen", sagte Orsini. Zunächst müsse jedoch abgewartet werden, "was Volkswagen entscheiden wird". Ziel sei es, die rund 2.000 Arbeitsplätze bei Ducati sowie die mit dem Werk in Bologna verbundene Zulieferindustrie zu schützen.
Das Thema war in den vergangenen Wochen aufgekommen, nachdem Audi-Chef Gernot Döllner bestätigt hatte, dass Ducati Teil der Überprüfung der Aktivitäten des Volkswagen-Konzerns ist. Das deutsche Unternehmen überprüft derzeit Kosten, Strukturen und Beteiligungen. Am Freitag senkte Volkswagen zudem seine Prognose für 2026 und stellte eine operative Marge von höchstens einem Prozent in Aussicht. Ein möglicher Verkauf von Ducati wäre Teil der umfassenderen Umstrukturierung bei Volkswagen. Eine Entscheidung sei allerdings noch nicht getroffen worden. Ducati wird rund 1,25 Milliarden Euro bewertet.
Ducati gehört seit 2012 zum Volkswagen-Konzern und wird vollständig von Audi kontrolliert, das wiederum zu Volkswagen gehört. Die Motorradmarke ist Teil der Markengruppe Progressive, zu der auch Audi, Lamborghini und Bentley gehören. Das Unternehmen ist weiterhin profitabel, bekommt 2026 jedoch die Abschwächung des Motorradmarktes zu spüren. Im ersten Halbjahr verkaufte Ducati 27.876 Motorräder, 7,7 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2025 mit 30.202 Maschinen. Der Umsatz ging um 12,4 Prozent von 558 Millionen auf 489 Millionen Euro zurück. Das operative Ergebnis sank von 53 Millionen auf 29 Millionen Euro, die operative Marge von 9,5 auf 6 Prozent.
2025 hatte Ducati knapp 51.000 Motorräder ausgeliefert und einen Umsatz von 925 Millionen Euro erzielt. Das operative Ergebnis lag bei 52 Millionen Euro, die operative Marge bei 5,6 Prozent. Im Jahr 2024 hatte der Umsatz noch mehr als eine Milliarde Euro betragen, das operative Ergebnis 91 Millionen Euro.
Marc Marquez (ESP/Ducati Lenovo Team) während des Rennens anlässlich des Motorrad Grandprix von Österreich am Sonntag, 17. August 2025, am Red Bull Ring in Spielberg.