IPO-Welle SpaceX, OpenAI, Anthropic - Wo sind die Gewinne?

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SpacX peilt Bewertung von 1,75 Billionen Dollar an
 © AFP, Mario Tama, Apa, Getty
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In den USA steht mit SpaceX, OpenAI und Anthropic die wohl größte Welle an Börsengängen in der Geschichte an. Was die drei Börsenaspiranten noch gemeinsam haben: Sie machen Verluste und sie müssen erst beweisen, dass ihre Geschäftsmodelle profitabel sein können. Ihre Börsengänge werden der wahrscheinlich folgenreichste Test sein für den Hunger der Investorinnen und Investoren auf wachstumsstarke Technologie-Aktien.

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"Sobald wir die anfängliche Begeisterungsphase hinter uns gelassen haben, in der jeder die Aktien haben will, wird es für diese Unternehmen entscheidend sein, genau zu zeigen, wie hoch ihre Gewinne sind", sagt Anthony Saglimbene, Chef-Marktstratege bei Ameriprise. Mit den IPOs der drei könnte der 69 Billionen Dollar (59,0 Bill. Euro) schwere US-Aktienmarkt um weitere drei Billionen wachsen, wie die Analysefirma LPL Financial schätzt.

Was diese drei Börsengänge von anderen unterscheidet, ist die deutliche Kluft zwischen Bewertung und Fundamentaldaten. Sie streben nach Bewertungen, die mit denen von Meta und Palantir konkurrieren, jedoch ohne deren Historie nachhaltiger Gewinne. Allein das Raumfahrt- und KI-Unternehmen SpaceX von Elon Musk peilt eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar an. Das wäre der größte Börsengang aller Zeiten. Der ChatGPT-Entwickler OpenAI strebt Berichten zufolge eine Bewertung von rund einer Billion Dollar an. Der Rivale Anthropic wurde bei einer Finanzierungsrunde im Februar mit 380 Milliarden Dollar (325 Mrd. Euro) bewertet.

Die Crux dabei sind die Gewinne, die es nicht gibt. SpaceX verzeichnete im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von mehr als 18,6 Milliarden Dollar einen Verlust von fast fünf Milliarden Dollar. Dies geht aus Auszügen der vertraulichen Registrierungserklärung hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Der Börsengang ist für Juni geplant. Das Satelliteninternetgeschäft Starlink von SpaceX wird von vielen Investoren als möglicher bahnbrechender Wachstumstreiber angesehen. Gleichzeitig verbrennt der Konzern viel Geld für sein KI-Startup xAI und die Entwicklung wiederverwendbarer Raketen im Rahmen des Starship-Programms.

Auch die auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierten Softwarefirmen OpenAI und Anthropic sind Medienberichten zufolge unprofitabel. Sie stecken noch in früheren Phasen der IPO-Vorbereitung.

Das Trio will vom Appetit der Anleger auf wachstumsstarke Technologien profitieren. Dieser Boom hat bereits einer kleinen Gruppe von Unternehmen zu einem vergleichsweise großen Einfluss auf den US-Aktienindex S&P 500 verholfen. Die "Glorreichen Sieben" - Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia, Meta und Tesla - machen inzwischen etwa ein Drittel der Indexgewichtung aus. Auch beim Gewinnwachstum liegen diese sieben weit vor den anderen Firmen. Sie erzielten 2023 ein Gewinnwachstum von 43,2 Prozent, 2024 und 2025 waren es 36,9 Prozent und 25,3 Prozent, wie Tajinder Dhillon, Experte beim Börsenbetreiber LSEG, erklärt. Die übrigen 493 Unternehmen im Index kamen auf minus 1,3 Prozent, plus 7,0 Prozent und plus 10,9 Prozent.

Gewinne sind zudem entscheidend für die Aufnahme in Aktienindizes. Durch die Aufnahme in einen Index können automatische Käufe in Billionenhöhe ausgelöst werden. S&P Dow Jones Indices verlangt vier aufeinanderfolgende Quartale mit Gewinn und mindestens zwölf Monate Handel, bevor ein Unternehmen für den S&P 500 in Betracht gezogen werden kann. Tesla ging 2010 an die Börse, wurde jedoch erst 2020 in den Index aufgenommen, erst nach Erreichen einer nachhaltigen Profitabilität. Ein ähnlicher Zeitrahmen für SpaceX, OpenAI oder Anthropic würde Jahre ohne die strukturelle Kaufunterstützung bedeuten, die eine Index-Mitgliedschaft bietet.

Einige Analysten warnen, dass eine Index-Aufnahme der großen Börsenneulinge zudem die Dominanz der wenigen, aber gewichtigen Technologiewerte verstärken wird. Rodney Comegys, Chefinvestor bei Vanguard Capital Management, mahnt zur Vorsicht: "Die Geschichte zeigt, dass nicht jeder frühe Marktführer bei einer neuen Technologie am Ende ein langfristiger Gewinner ist."

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