Inflation im Euroraum steigt im Februar auf 1,9 Prozent

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Anstieg der Energiepreise übt Inflationsdruck aus
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Die Inflation im Euroraum hat bereits vor dem Ende Februar ausgebrochenen Nahost-Krieg überraschend angezogen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im vorigen Monat um durchschnittlich 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Dienstag in einer ersten Schätzzahl mitteilte. Experten hatten für Februar mit einer Stabilisierung auf dem Vormonatsniveau von 1,7 Prozent gerechnet.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an, die als optimal für die Wirtschaft im Währungsraum gilt. Als Preistreiber erwiesen sich im Februar Dienstleistungen (plus 3,4 Prozent), während sich Energie verbilligte - und zwar um 3,2 Prozent. Ein längerer Krieg im Nahen Osten kann nach den Worten von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane die Inflation in der Eurozone anheizen und die Wirtschaft ausbremsen. "Ein Anstieg der Energiepreise übt tendenziell Inflationsdruck aus, insbesondere kurzfristig", sagte Lane der "Financial Times". Das könne sich auch negativ auf die Konjunktur auswirken.

Analysten hielten einen Ölpreis von über 100 Dollar (85,49 Euro) für möglich, wenn die Straße von Hormuz faktisch gesperrt bleibt. Der Iran hat die strategisch wichtige Straße von Hormuz für geschlossen erklärt. Die Meerenge ist das Nadelöhr des internationalen Ölhandels. Die Furcht vor einem längeren Ausfall der Lieferungen ließ die Ölpreise zu Wochenbeginn in die Höhe schnellen. Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich jüngst um knapp fünf Prozent auf bis zu 81,55 Dollar je Barrel.

"Insbesondere der höhere Ölpreis wird schnell an die Konsumenten weitergegeben werden und die Kraftstoffpreise bereits im März merklich erhöhen", sagte die KfW-Expertin Stephanie Schoenwald. Ein Grund für überstürztes Handeln der EZB sei das aber nicht. Der Energiepreisschock sei von der Größenordnung nicht vergleichbar mit der Preisexplosion von 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine: "Ob Zinserhöhungen notwendig werden, hängt stark von der noch nicht absehbaren Dauer des Kriegs ab."

Die EZB entscheidet am 19. März wieder über den Leitzins. Die Zentralbank hat ihn angesichts gesunkener Inflationsgefahr von Mitte 2024 bis Mitte 2025 in mehreren Schritten auf 2,0 Prozent halbiert und seither stillgehalten. Am Geldmarkt wird mit einer anhaltenden Zinspause gerechnet. Die Chance auf eine Zinserhöhung bis zum Jahresende wird auf 25 Prozent taxiert.

Trotz der jüngst gestiegenen Energiepreise sieht der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau die Währungshüter nicht unter Zugzwang. "Es wäre ein Fehler, heute voreilig eine mögliche Zinsentwicklung vorherzusagen, und ich erinnere Sie daran, dass wir unsere Entscheidungen nicht allein auf Grundlage momentaner Energiepreise treffen", sagte er vor Reportern. Der griechische Notenbankchef Yannis Stournaras plädierte angesichts der Unsicherheit mit Blick auf die Lage in Nahost für geldpolitische Flexibilität: "Wenn die Verhandlungen morgen beginnen, wird es zu einer Deeskalation kommen", sagte er in einem Telefoninterview: "Wenn sie andauern, wird der Inflationsdruck steigen. Ich schließe beides nicht aus."

EZB-Chefin Christine Lagarde hatte vorigen Donnerstag und damit noch vor Ausbruch des Nahost-Krieges im Europäischen Parlament darauf verwiesen, dass die Inflation seit ihrem Höchststand von 10,6 Prozent im Oktober 2022 deutlich gesunken sei. Die entschlossene geldpolitische Reaktion der EZB habe eine entscheidende Rolle dabei gespielt, die Teuerung wieder auf das Zielniveau zu bringen.

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