Gut 80 Prozent der deutschen Firmen von Iran-Krieg betroffen

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Der Iran-Krieg setzt die deutsche Wirtschaft vor allem bei Kosten und Lieferketten stark unter Druck. Rund 83 Prozent der Unternehmen berichten von negativen Auswirkungen auf ihre Geschäfte, in der Industrie sind es sogar 87 Prozent, wie am Dienstag aus einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter rund 2.400 Betrieben hervorgeht.

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"Die Kostenwelle rollt durch die Unternehmen", sagte DIHK-Chefanalyst Volker Treier. "Der Konflikt schlägt über Energiepreise und Transportkosten direkt auf Produktion und Beschaffung durch."

"Seit sechs Jahren im Krisenmodus"

Im Zentrum stehen steigende Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Am häufigsten nennen die Betriebe demnach gestiegene Fracht- und Transportkosten, gefolgt von höheren Energiezahlungen sowie steigenden Rohstoff- und Materialpreisen. Das alles verschärfe die ohnehin schwierige Situation am Standort Deutschland. Die deutsche Regierung müsse jetzt mit tiefgreifenden Reformen gegensteuern, bekräftigte Treier. "Unsere Wirtschaft befindet sich seit sechs Jahren im Krisenmodus und wir müssen alles dafür tun, um in dieser geopolitischen Gemengelage bestehen zu können." Man müsse etwa Kosten senken, Bürokratie abbauen und Verfahren beschleunigen.

Energie und Logistik trieben die Preise in fast allen Bereichen nach oben und machten Planung fast unmöglich. Rund 50 Prozent der Betriebe versuchen laut DIHK, die Mehrkosten über höhere Preise weiterzureichen. Mehr als jedes dritte Unternehmen verschiebt Investitionen oder Projekte. "Wenn Kosten steigen und Unsicherheit zunimmt, müssen viele Unternehmen eine Art Reißleine ziehen", betonte Treier. "Sie passen Preise an, stellen Investitionen zurück und steuern Risiken enger."

Parallel nehmen Störungen in Lieferketten spürbar zu. Es gebe verschobene oder gestoppte Verschiffungen, umgeleitete Container, wochenlange Verzögerungen sowie fehlende Transportkapazitäten, hieß es. Teilweise würden Waren nicht mehr abgenommen oder könnten gar nicht mehr ausgeliefert werden. Vor allem rohölbasierte Vorprodukte gerieten unter Druck: von Kunststoffen, Folien und Dämmstoffen über Chemikalien bis hin zu Kraftstoffen und Spezialmaterialien. Rund 16 Prozent der Industriebetriebe beklagten Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten. Viele Schlüsselprodukte hingen direkt oder indirekt am Ölpreis, erklärte Treier. "Wenn dort die Preise steigen oder Lieferketten reißen, trifft das ganze Industriezweige." Dies bremse Investitionen. "Wir sehen einen doppelten Schock aus steigenden Kosten und wachsender Unsicherheit", sagte Treier.

Arbeitsplätze in Gefahr

Auch knapp neun von zehn Einzelhändlern rechnen infolge des Kriegs mit weiter steigenden Kosten. Fast drei Viertel der Unternehmen sehen deshalb kurz- und mittelfristig bei sich Arbeitsplätze in Gefahr, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) zu einer anderen Umfrage unter gut 430 Firmen erklärte. "Die Kosten explodieren - bei Energie und Personal hatten wir schon vor dem Iran-Krieg eine mehr als schwierige Situation", sagte HDE-Präsident Alexander von Preen.

Der Einzelhandel kritisierte - wie viele andere Branchen - die von der Bundesregierung geplante steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie von 1.000 Euro an Beschäftigte. Rund 83 Prozent der Befragten sehen die Zahlung einer solchen Prämie als staatliche Angelegenheit an, nicht als Leistung der Arbeitgeber. "Es kann doch nicht sein, dass der Staat den Bürgern Entlastung verspricht und dann die Unternehmen auffordert, das zusätzlich zum normalen Lohn aus ihren Budgets zu bezahlen", monierte von Preen. "Das ist schlicht unredlich."

SANGERHAUSEN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/Hendrik Schmidt

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