
von
Bereits im kommenden Monat könnten beide Konzerne entscheiden, künftig weiter getrennte Wege zu gehen, sagte einer der Insider. Gescheitert seien die Gespräche aber nicht, auch eine Einigung sei noch möglich. Jindal hatte im September 2025 ein unverbindliches Übernahmeangebot für die seit Jahren kriselnde Stahlsparte vorgelegt. Thyssenkrupp betonte, die Gespräche dauerten an.
Das Kaufangebot Jindals stehe "unter dem Vorbehalt, dass alle relevanten Parameter – einschließlich Bewertung, Verpflichtungen und künftige Investitionen – im Rahmen des laufenden Due-Diligence-Prozesses und im Zuge etwaiger Vertragsverhandlungen direkt zwischen den Parteien geklärt werden", fügte ein Thyssenkrupp-Sprecher hinzu. Thyssenkrupp kommentiere keine Aussagen, die "zum jetzigen Zeitpunkt nur einen Zwischenstand widerspiegeln können". Von Jindal Steel International war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Das Stahlgeschäft ist der frühere Kern des deutschen Großkonzerns. Klar ist bereits, dass in den kommenden Jahren bis zu 11.000 der rund 26.000 Stellen der Sparte gestrichen oder ausgelagert werden. In der Vergangenheit waren Versuche zu einem Verkauf des Stahlgeschäfts, einem Stahl-Joint-Venture oder einem Börsengang gescheitert. Ein Scheitern der Gespräche würde einen Rückschlag für die Pläne von Thyssenkrupp-Chef Miguel Lopez bedeuten, der den ehemaligen Traditionskonzern in eine Holding verwandeln will.
Erschwert würden die Gespräche durch Pensionsverpflichtungen in einer Höhe von 2,4 Milliarden Euro, die auf der Stahlsparte lasten, sowie durch Differenzen um den künftigen Investitionsbedarf für das Geschäft, sagten Insider. Auch bereiteten die in Europa auch in Folge des Iran-Kriegs weiter steigenden Energiekosten Jindal Sorgen, sagte eine der mit dem Vorgang vertrauten Personen. Erst in der vergangenen Woche hatte der IG-Metall-Vizechef und stellvertretende Thyssenkrupp-Aufsichtsratsvorsitzende, Jürgen Kerner, beklagt, die Gespräche zögen sich hin. Lopez selbst hatte jüngst gesagt, Fortschritte bei der Neuausrichtung machten Thyssenkrupp Steel wieder attraktiver: "Jetzt machen wir den Stahl fit für die Zukunft – ob mit oder ohne Jindal."