Generikakonkurrenz belastet Novartis - Ausblick bestätigt

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
Novartis mit Gewinnrückgang auch wegen höherer Investitionen
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
Novartis bekommt die Konkurrenz durch billige Nachahmerpräparate in den USA zunehmend zu spüren. Vor allem der Wegfall des Patentschutzes für den Kassenschlager Entresto belastet die Bilanz des Schweizer Pharmakonzerns. Der Nettoumsatz sank im ersten Quartal währungsbereinigt um fünf Prozent auf 13,1 Milliarden Dollar (11,2 Mrd. Euro), wie der Arzneimittelhersteller am Dienstag in Basel mitteilte. Das operative Kernergebnis schrumpfte um 14 Prozent auf 4,9 Mrd. Dollar.

von

Vorstandschef Vas Narasimhan äußerte sich in einer Telefonkonferenz dennoch zuversichtlich: "Unsere Kernmarken setzen ihren starken Wachstumskurs fort und zeigen, dass unser Portfolio auch während des größten Patentablaufs unserer Geschichte weiter wächst." Besonders deutlich zeigte sich der Gegenwind bei Entresto: Der Umsatz mit dem Herzmedikament, das im vergangenen Jahr noch 14 Prozent der gesamten Nettoerlöse ausmachte, brach im ersten Quartal um 42 Prozent ein. Ab November verliert das Mittel zudem in Europa seinen Patentschutz. Neben Entresto stehen auch die Blut- und Krebsmittel Promacta und Tasigna unter Generikadruck. Novartis rechnet damit, dass der Umsatz im laufenden Jahr wegen der Nachahmerprodukte für diese drei Medikamente um vier Milliarden Dollar zurückgehen wird.

Dennoch bestätigte Narasimhan die Prognose: Novartis erwartet für 2026 weiter ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich, während das operative Kernergebnis in ähnlicher Größenordnung sinken dürfte. "Angesichts der Dynamik, die wir in allen Geschäftsbereichen beobachten, sind wir weiterhin auf dem besten Weg, unsere Prognose für das Geschäftsjahr zu erfüllen", sagte Narasimhan. Anleger zeigten sich von den Quartalszahlen enttäuscht: Die Novartis-Aktie fiel im frühen Handel um mehr als vier Prozent.

Um die Einbußen aufzufangen, setzt Novartis auf neue Medikamente und Zukäufe. Wachstumstreiber wie das Brustkrebsmittel Kisqali, das Prostatakrebs-Medikament Pluvicto oder das Multiple-Sklerose-Mittel Kesimpta verzeichneten im ersten Quartal starke Zuwächse. Bei Übernahmen bleibt der Konzern bei seiner bisherigen Linie: "Wir werden unserer M&A-Strategie treu bleiben, die sich auf die Übernahme im Volumen von unter zwei Milliarden Dollar konzentriert", erklärte Narasimhan.

Zuletzt schloss Novartis die Übernahme der US-Biotechfirma Avidity ab und sicherte sich damit drei Medikamente zur Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen. Zudem vereinbarten die Schweizer den Kauf von Synnovation zur Stärkung der Forschungspipeline im Bereich Brustkrebs sowie die Übernahme von Excellergy im Bereich allergischer Erkrankungen. Für die zweite Jahreshälfte stellte Narasimhan mehrere Studienergebnisse in Aussicht, die die mittel- bis langfristigen Wachstumsaussichten verbessern könnten.

Scharfe Kritik übte Narasimhan an den geplanten milliardenschweren Kürzungen im deutschen Gesundheitswesen. "Wir waren von der Ankündigung der Bundesregierung sehr enttäuscht", sagte der Manager. "Solche politischen Maßnahmen senden ein falsches Signal an eine hochinnovative Branche wie unsere, während zugleich die USA und China aktiv in das Biotech-Ökosystem investieren", erklärte Narasimhan. Er forderte ein "völliges Umdenken" bei den Erstattungssystemen in Europa.

Hintergrund ist die Preispolitik von US-Präsident Donald Trump. Dessen Regierung will die Medikamentenpreise auf dem lukrativen US-Markt an die niedrigeren Preise in anderen Ländern, darunter in Europa, koppeln. Viele Pharmakonzerne zögern deshalb derzeit mit Markteinführungen in Europa - aus Sorge, dass die dort niedrigeren Preise zum Maßstab in den USA werden und die Margen schmälern. Europa brauche ein gesundes Ökosystem, betonte Narasimhan. Andernfalls werde es für Unternehmen zunehmend schwieriger, auf dem Kontinent in klinische Studien und Produktionskapazitäten zu investieren.

Über die Autoren

Logo
trend. Abo

Holen Sie sich trend. jetzt im bequemen Jahresabo!