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Dies auch, weil der erst seit Mai amtierende Chef der Federal Reserve, Kevin Warsh, partout keine Fingerzeige geben will, welchen Kurs die Notenbank einschlagen wird. Doch die hartnäckig hohe Inflation mit einer Jahresteuerungsrate von zuletzt 3,4 Prozent dürfte der Fed nun keine andere Wahl mehr lassen, als die Zinsen hochzusetzen. Experten erwarten, dass die Zinsspanne um einen Viertelpunkt auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben wird.
"Die Fed will sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, nicht rechtzeitig reagiert zu haben", meint der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Es seien schlechte Nachrichten für die Notenbank, dass der Teuerungsdruck im August im Monatsvergleich wegen der vom Iran-Krieg getriebenen höheren Energiepreise um 0,4 Prozent zugenommen habe. Insbesondere an der Zapfsäule bekommen die Amerikaner dies zu spüren. "Die Furcht ist, dass sich die höheren Energiepreise in das breite Preisniveau hineinfressen", erläuterte Gitzel. Dies will die Notenbank tunlichst vermeiden, denn Preise und Löhne könnten sich gegenseitig aufschaukeln und die Inflation so immer weiter antreiben. "Alles in allem steigt damit der Druck auf die Notenbank Fed, ihren Leitzins am Mittwoch erstmals seit Sommer 2023 anzuheben", so LBBW-Experte Elmar Völker. Ein Zinsschritt könne zwar nicht als ausgemachte Sache gelten. Aber die Inflationszahlen könnten den Ausschlag geben.
Commerzbank-Ökonom Christoph Balz verweist darauf, dass die Teuerung in den USA schon mehr als fünf Jahre zu hoch sei - sprich über dem Ziel der Fed von 2,0 Prozent liege. "Zwischenzeitliche Hoffnungen der Notenbank auf einen dauerhaften Rückgang auf zwei Prozent haben sich nie bewahrheitet. Alles in allem ist das Inflationsproblem also ungelöst und ruft nach einer Reaktion der Notenbank".
Bereits auf der jüngsten Zinssitzung Ende Juli hatten sich drei von zwölf stimmberechtigten Währungshütern für eine Erhöhung ausgesprochen. Warsh votierte mit den übrigen Notenbankern für eine Zinspause. Er ließ in seiner Rede in Jackson Hole jedoch durchblicken, dass die Notenbank einer weiter über die USA rollenden Inflationswelle nicht tatenlos zusehen würde. Allerdings nannte er keinen Zeitplan für Zinserhöhungen und betonte ausdrücklich, seine Äußerungen seien nicht als "Forward Guidance" zu verstehen: Bewusst grenzte er sich damit von der Praxis seines von US-Präsident Donald Trump immer wieder heftig kritisierten Vorgängers Jerome Powell ab, der den Finanzmärkten eine solche Orientierungshilfe zum Zinskurs lieferte. Warsh will hingegen, dass sich die Anleger an Fundamentaldaten ausrichten und somit ein ungefiltertes und nicht von der Zentralbank gesendetes Signal erhalten.
Mit der anhaltend hohen Inflation und einem Arbeitsmarkt, der sich zuletzt wieder deutlich berappelte, dürften den Gegnern einer Zinserhöhung allmählich die Argumente ausgehen. Allerdings mischt sich US-Präsident Trump immer wieder mit Zwischenrufen in die Arbeit der von politischen Weisungen unabhängigen Notenbank ein, die für stabile Preise und Vollbeschäftigung sorgen soll.
Auf Reporterfragen, ob er für Mittwoch eine Zinsanhebung erwarte, erwiderte Trump am Wochenende am Rande des Golfturniers "Irish Open", das wisse er nicht. Er fügte jedoch hinzu: "Wir sollten die weltweit niedrigsten Zinsen zahlen – ungeachtet von ihren Formeln." Trump ergänzte, die USA hätten die beste Bonität der Welt - was nicht stimmt, zumindest nicht nach den Maßstäben der großen US-Ratingagenturen. Bereits zuletzt hatte Trump den Druck auf die Fed erhöht, die Zinsen zu senken. Er drohte, ansonsten den Handel mit Ländern einzustellen, mit denen die USA ein Defizit haben.
"Eine anziehende Inflation rechtfertigt zwar eine straffere Geldpolitik", sagt Analyst Lloyd Chan von der Bank Mitsubishi UFJ. "Weitere Zinserhöhungen würden aber auch die Kreditkosten der Regierung in einer Zeit in die Höhe treiben, in der Haushaltsdefizite und die Belastung durch den Schuldendienst ohnehin bereits unter genauer Beobachtung stehen." In der Spitze erreichten die Renditen der zehnjährigen US-Anleihen mit 4,992 Prozent jüngst den höchsten Stand seit Oktober 2023. Das sind schlechte Nachrichten für US-Finanzminister Scott Bessent und Trumps Republikaner, die im November bei den Zwischenwahlen um ihre Mehrheit im Kongress bangen müssen. Jüngsten Reuters/Ipsos-Umfragen zufolge könnte eine Zinserhöhung die Sorgen der Wähler mit Blick auf die Lebenshaltungskosten verstärken.