
von
An den Aktienmärkten scheinen die Hoffnungen auf ein rasches Ende des Iran-Kriegs hoch zu sein. "Die meisten haben sich offensichtlich dazu entschieden, die aktuelle Krise ohne große Handelstätigkeit auszusitzen", konstatierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.
Der Blick ist hauptsächlich auf den Iran-Krieg und die damit betroffenen Ölpreise gerichtet. Am Vormittag wurde für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Mai 99,38 US-Dollar bezahlt und damit etwa 2,9 Prozent mehr als am Vortag. Das Hoch lag vor gut einer Woche bei knapp 120 Dollar. Am Montag war der Preis für Rohöl aus der Nordsee zeitweise bis auf 100 Dollar gesunken.
Einen Dämpfer gab es für die Märkte durch gesunkene Konjunkturerwartungen in Deutschland. Der Iran-Krieg lässt Finanzexperten nämlich deutlich pessimistischer für die deutsche Wirtschaft werden. Das Barometer der Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate brach im März um 58,8 Punkte auf minus 0,5 Zähler ein, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 178 Investoren und Analysten mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 39,0 Punkte erwartet. "Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Energiepreise massiv nach oben und sorgt für steigenden Inflationsdruck", erklärte ZEW-Präsident Achim Wambach die Umfrageergebnisse.
Die steigenden Preise für Energie sorgten im DAX für Kursgewinne bei RWE und Eon . Die beiden Versorgeraktien nahmen die Index-Spitze ein, wobei RWE um 1,8 und Eon um 2,8 Prozent stiegen. Rheinmetall gaben dagegen nach der jüngsten Kurserholung der Rüstungsaktie um 2,3 Prozent nach.
Die Fraport-Aktie sprang um 5,7 Prozent hoch. Zwar wird am Frankfurter Flughafen auch 2026 noch nicht wieder das Fluggast-Aufkommen erwartet, das es vor der Corona-Krise gegeben hatte, doch Analysten zeigten sich zufrieden mit den Zahlen und den Zielen des Flughafenbetreibers. Unter anderem wurde der freie Barmittelfluss positiv hervorgehoben, der im Vorjahr erstmals seit 2018 wieder positiv war. "Und damit ein Jahr früher", wie es bei JPMorgan hieß.
Für Totalenergies haben die Experten von Barclays das Kursziel von 78 auf 94 Euro angehoben und die Einstufung auf "Overweight" belassen. Der Krieg im Nahen Osten habe das Angebot in einem ohnehin vor einer mehrjährigen Rally stehenden Ölmarkt zusätzlich verknappt, schrieb Lydia Rainforth. Die Aktien des Energiekonzerns gewann bisher 1,7 Prozent.
Die britische Investmentbank Barclays hat das Kursziel für Vinci von 137 auf 160 Euro angehoben und die Einstufung auf "Overweight" belassen. Die sogenannten Megatrends Elektrifizierung und Digitalisierung beschleunigten sich, schrieb Pierre Rousseau. Die damit verbundenen mittelfristigen Wachstumspotenziale würden nach wie vor übersehen. Vinci-Papiere legten in Paris 1,6 Prozent zu.
LA DÉFENSE - FRANKREICH: FOTO: APA/APA/AFP/THOMAS SAMSON