Europas Leitbörsen unter Druck - Öl- und Gaspreise steigen

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Zyklische Branchen sehr schwach
 © AFP, THOMAS SAMSON, APA
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Inflations- und Konjunktursorgen haben die europäischen Börsen am Donnerstag vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) deutlich unter Druck gesetzt. Die Öl- und Gaspreise stiegen nach Angriffen auf Produktionsanlagen im Zuge des Irankriegs deutlich an.

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Am Vormittag gab der Euro-Stoxx-50 um 2,06 Prozent auf 5.619 Punkte nach. In Frankfurt notierte der DAX um 2,33 Prozent schwächer bei 22.954 Zählern. Außerhalb der Eurozone fiel der FTSE-100 um 1,89 Prozent auf 10.111 Einheiten.

Druck kommt erneut von den Öl- und Gaspreisen, deren Anstiege Konjunktur- und Inflationssorgen schüren. Nach gegenseitigen Angriffen Israels und des Irans auf Öl- und Gasanlagen im Nahen Osten drohte US-Präsident Donald Trump dem Iran mit einer massiven Bombardierung des wichtigen Gasfelds "South Pars".

Aktuell kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wieder rund 118 Dollar und damit über zehn Prozent mehr als am Vortag. Der bisherige Höchststand im Zuge des Iran-Kriegs hatte am Montag der Vorwoche mit fast 120 Dollar auf dem höchsten Stand seit 2022 gelegen. Mittlerweile stiegen auch die Kontrakte für Brent-Lieferungen im Juni und Juli deutlich über 100 Dollar, was zeigt, dass die Marktakteure auch verstärkt Lieferengpässe in den kommenden Monaten einpreisen. Der europäische Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung im April verteuerte sich um mehr als ein Viertel.

Negative Vorgaben brachten zudem die US-Börsen. Die US-Notenbank Fed ließ in dem durch den Iran-Krieg verunsicherten Umfeld ihre Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert. Ein Commerzbank-Experte sprach von einem "falkenhaften Festhalten" am aktuellen Zins. Geldpolitisch setzen die sogenannten "Falken" restriktiv primär auf die Bekämpfung von Inflation durch steigende Zinsen.

Am Berichtstag folgen nun noch die Notenbanken der Eurozone und Großbritanniens mit ihren geldpolitischen Entscheidungen, wobei auch hier keine Zinsanpassungen erwartet werden. Bereits bekannt wurde, dass die Schweizerische Notenbank ihren Leitzins bei 0 Prozent belassen hat. Kernfrage bleibt, ob energiepreisbedingte Inflationsanstiege als vorübergehend angesehen werden können.

Stark unter Druck gerieten konjunktursensible Branchen. Die größten Verluste verzeichneten Rohstoff-, Reise- und Bauwerte. Leichte Gewinne gab es nur im Ölsektor, während Versorger vergleichsweise moderat nachgaben.

Inzwischen neigt sich die Berichtssaison der Unternehmen dem Ende zu. Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern Vonovia hatte im vergangenen Jahr zwar vor allem dank höherer Mieteinnahmen mehr verdient. In dem sehr schwachen Umfeld aber sackten die Aktien mit einem Minus von fast zehn Prozent ans DAX-Ende. Analyst Neil Green von der US-Bank JPMorgan konnte dem Geschäftsbericht zwar einiges Positives abgewinnen. Jedoch stünden aktuell gerade auch die Inflationsrisiken und die daher steigenden Anleiherenditen im Fokus, die den Papieren der Branche üblicherweise Probleme bereiten.

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