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Am Vortag hatten noch Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende im Nahen Osten beflügelt. Laut den Experten der Helaba ist es noch zu früh, um auf nachhaltige Kursgewinne zu setzen. Nach Meinung des Experten Jochen Stanzl von der Consors Bank handelte es sich bei dem Vortagsplus nur um eine "technische Erholung", die noch keinen neuen Trend begründe. Mit einer belastbaren Bodenbildung rechnet er im besten Falle in ein bis zwei Wochen.
Der Energiemarkt bleibt weiter im Fokus für die Konjunktur- und Inflationssorgen der Anleger im Zuge des Iran-Kriegs. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, plant die Internationale Energieagentur (IEA) offenbar die größte Freigabe von Ölreserven ihrer Geschichte, um die Preisturbulenzen zu beruhigen. Auch darin sieht Stanzl aber nur eine "Lösung auf Zeit".
Eine Branchenbetrachtung zeigte alle Sektoren mit Ausnahme des Einzelhandelsbereich im negativen Terrain. Unter den Einzelhändlern zogen Inditex 2,3 Prozent hoch. Die Mode von Zara und Co. ist auch in der Konsumflaute gefragt: Der Mutterkonzern Inditex hat nicht nur zugelegt, sondern ist auch stark ins neue Jahr gestartet. Der Nettogewinn stieg im abgelaufenen Jahr um 6 Prozent auf 6,2 Mrd. Euro, wie der weltgrößte Modekonzern mitteilte. 2025 kletterten die Verkaufserlöse um 3,2 Prozent auf 39,9 Mrd. Euro, währungsbereinigt um 7 Prozent.
Eine Kursschwäche gab es in den Bereichen Immobilien, Industriegüterhersteller, Technologie und Finanzdienstleister zu sehen. Im Euro-Stoxx-50 fielen Rheinmetall mit einem Abschlag von fast fünf Prozent am stärksten. Die weltweiten Krisen und Kriege spielen Rheinmetall in die Karten. Die deutsche Rüstungsschmiede will nach einem Umsatz- und Gewinnplus 2025 auch im laufenden Jahr rasch wachsen. Der Konzernumsatz werde um 40 bis 45 Prozent auf 14,0 bis 14,5 Mrd. Euro zulegen. Die Ergebnisse für 2025 waren durchwachsen, die mittelfristigen Aussichten bleiben jedoch stark", kommentierte ein Experten von der Berenberg Bank.
Fast stabil zeigten sich die Autobauer. Die Porsche-Aktie gewann hier 1,2 Prozent und erholte sich damit etwas von den niedrigen Kursniveaus. Der Sportwagenbauer Porsche AG hat sich nach dem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr für 2026 überraschend wenig Profitabilität vorgenommen. So soll die Umsatzrendite des operativen Ergebnisses im Konzern zwischen 5,5 und 7,5 Prozent liegen. Analysten hatten zuletzt für das neue Jahr im Schnitt fast 8 Prozent auf dem Zettel. Beim Erlös geht das Management um den neuen Chef Michael Leiters von 35 bis 36 Milliarden Euro aus.
Verluste von 2,4 Prozent einstecken mussten die Aktionäre der Lufthansa. Neben den kriegsbedingten Turbulenzen müssen sie sich auf das neue Problem einstellen, dass die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit an diesem Donnerstag und Freitag zu einem Streik aufgerufen hat.
Henkel-Papiere fielen um 3,6 Prozent. Der Konsumgüterkonzern hat 2025 in einem schwierigen Umfeld weniger umgesetzt und im Tagesgeschäft etwas weniger verdient. Für das laufende Jahr zeigt sich das Management weiterhin vorsichtig.
AMSTERDAM - NIEDERLANDE: FOTO: APA/APA (AFP)/JOHN THYS