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Jochen Stanzl, Analyst bei der Consorsbank, schrieb: "Der Wahlverlierer des Tages heißt Donald Trump. Die USA werden in zwei Monaten eine geteilte Regierung bekommen und das verringert das Risiko größerer politischer Veränderungen. Das war in der Vergangenheit positiv für den europäischen Aktienmarkt, da die politischen Unsicherheiten, die damit verbunden sind, nachlassen."
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, sprach angesichts des Triumphs der Demokraten von einem blauen Tsunami. "Ursächlich für die Wahlpleite der Republikaner war die hohe Teuerung, aber auch der Bau von KI-Rechenzentren sorgt zunehmend für Frust in großen Teilen der Bevölkerung."
In einer Branchenbetrachtung in Europa ging es mit Abstand für die Bankenwerten am deutlichsten ins Plus. Bankaktien profitieren laut Börsianern von Umschichtungen aus dem Tech-Bereich und den USA in europäische Substanzwerte. Die Geldhäuser seien zuletzt von den Diskussionen um die immensen Investitionen in KI und ihre Amortisierung zumindest indirekt betroffen gewesen. Zudem seien die EZB-Zinserwartungen zuletzt wieder gestiegen.
Die Aktien der Deutschen Bank konnten sich um 4,4 Prozent verteuern. Die österreichischen Banken Erste Group und Raiffeisen Bank International zogen sogar jeweils mehr als fünf Prozent hoch. In Frankfurt verteuerten sich die Papiere der Commerzbank um vier Prozent.
Gemieden wurden hingegen der Öl- und der Technologiesektor. Unter den Techwerten büßten ASM International 2,5 Prozent ein und beim Schwergewicht AMSL gab es ein Minus von 1,4 Prozent zu sehen. Mit der neuen Stärke der Demokraten in den USA droht der KI-Branche nun mehr Gegenwind, gleichzeitig winkt dem Bereich Erneuerbare Energien mehr Unterstützung.
Der Reifenhersteller Continental hat nach einem guten dritten Quartal seine Jahresprognose für die Profitabilität erhöht. So peilt Conti-Chef Christian Kötz nun eine um Sondereffekte bereinigte Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von 13,4 bis 14,0 Prozent an. Bisher hatten die Hannoveraner 12,0 bis 13,5 Prozent auf dem Zettel. Die Aktie reagierte mit einem Plus von mehr als sechs Prozent.
Ahold Delhaize gewannen trotz negativer Nachrichten um 4,1 Prozent. Die Cyberattacke im Oktober wird den Supermarktkonzern im vierten Quartal belasten. So dürfte der niederländisch-belgische Konzern etwa 200 bis 250 Millionen Euro weniger umsetzen. Die Belastungen für das operative Ergebnis bezifferte das Unternehmen auf 75 bis 100 Millionen Euro.
Die erneute Prognoseerhöhung von Novo Nordisk ist an der Börse gut angekommen. Die Papiere des dänischen Spezialisten für Diabetes- und Abnehmpräparate zogen 4,5 Prozent hoch.
Der Autobauer BMW bekommt die Krise im Chinageschäft weiter zu spüren. Der Umsatz fiel im dritten Quartal um fast 6 Prozent auf 30,5 Milliarden Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern gar um fast 30 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro. Die von Investoren stark beachtete Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern in der Autosparte sackte um 1,8 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent ab. Analysten hatten allerdings mit einem noch schwächeren Abschneiden gerechnet. Die BMW-Aktie reagierte mit plus 2,4 Prozent.
LA DÉFENSE - FRANKREICH: FOTO: APA/APA/AFP/THOMAS SAMSON