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Zum Wochenstart unterstützten in Europa leicht sinkende Ölpreise, diese befinden sich aber weiterhin auf hohem Niveau. Dass im Krieg der USA und Israels gegen den Iran und bei den Ölpreisen keine deutliche Entspannung in Sicht ist, sorgte weiterhin für anhaltende Konjunktur- und Inflationssorgen.
Die Anleger blickten somit weiter Richtung Nahen Osten: Zuletzt hat US-Präsident Donald Trump von NATO-Verbündeten Unterstützung bei der Sicherung von Öltransporten in der wichtigen Straße von Hormuz am Persischen Golf gefordert. Der Schiffsverkehr in der für den internationalen Transport von Öl und Flüssiggas wichtigen Meerenge ist wegen des Krieges stark beeinträchtigt. Allerdings war es am Wochenende mehreren Tankern gelungen, das Nadelöhr zu passieren.
Auf Unternehmensebene standen die Commerzbank und die UniCredit mit Übernahmebestrebungen im Fokus. Unicredit-Titel legten an der Mailänder Börse 0,5 Prozent zu. Die italienische Großbank und Bank Austria-Mutter will ihren Anteil an der Commerzbank weiter erhöhen. Die Bank aus Mailand kündigte ein Angebot in Höhe von 35 Mrd. Euro an, das ihren Anteil am Kapital der deutschen Bank auf über 30 Prozent steigern würde. Zugleich betonte die Unicredit, sie strebe derzeit nicht an, die Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen. Die Pläne der Italiener treffen in Deutschland auf scharfe Kritik. Die Aktien der Commerzbank verteuerten sich um satte 8,6 Prozent.
Gefragt waren in einer Branchenbetrachtung erneut Öl- und Gaskonzerne sowie Telekommunikationstitel. Diese profitierten von ihrem Status als defensiver Sektor, der seine Stärken vor allem in einem verhaltenen Marktumfeld ausspielt. Die Branche sei aber nicht nur eine Anlage für Krisenzeiten, sondern habe seit Anfang 2024 auch höhere Renditen als der Gesamtmarkt abgeworfen, besonders im laufenden Jahr, betonte Analyst Nick Lyall von der Privatbank Berenberg in einer aktuellen Einschätzung.
Weiter verkauft wurden indes vor allem die export- und konjunktursensiblen Autowerte. Auch bei den Reise- und Freizeitaktien setzte sich der Abwärtstrend fort. Am Euro-Stoxx-50-Ende bremste die BMW-Aktie um 2,7 Prozent. "Für die zyklischen Branchen, insbesondere im Chemie-, Luftfahrt-und Autosektor, könnten sich in den kommenden Quartalen massive Bremsspuren in den Bilanzen zeigen", befürchtet Chef-Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets.
Die Aktien von Rüstungsunternehmen schlagen sich in der höchst angespannten geopolitischen Lage weiter recht gut. Rheinmetall gewannen zwei Prozent. Die Papiere des Radarspezialisten Hensoldt legten um 5,4 Prozent auf 82,3 Euro zu. Die Experten von Kepler Cheuvreux gaben am Montag ihre negative Einstufung für Hensoldt auf und votieren beim auf 81 Euro erhöhten Kursziel nun mit "Hold". Relativ gesehen liege die Bewertung nach einem Jahr der Underperformance nun wieder auf Höhe der Branche, hieß es. Der Krieg in Nahost habe die Nachfrage nach Luftverteidigung angeheizt. Die Experten setzen 2027 auf eine Wachstumsbeschleunigung.
Eine Kaufempfehlung der UBS befeuerte die zuletzt ins Stocken geratene Erholung der Aktien von Bayer. Die Papiere der Leverkusener kletterten um fast vier Prozent auf die Spitze im Euro-Stoxx-50.
FRANKFURT - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/AFP/DANIEL ROLAND