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Für Unsicherheit an den Börsen sorgte zum Wochenauftakt weiter die Lage im Nahen Osten. US-Präsident Donald Trump muss nun entscheiden, ob die USA mit Bodentruppen im Iran eingreifen werden. Das würde den Charakter der US-Beteiligung im Krieg, der vor vier Wochen begann, grundlegend verändern. Der Iran wirft Trump vor, Verhandlungsbereitschaft nur zu signalisieren, aber schon heimlich eine Bodenoffensive vorzubereiten.
Auch die Rohölpreise legten zum Wochenstart weiter zu. Der Preis für ein Fass der Referenzsorte Brent stieg zuletzt zeitweise auf rund 119 Dollar je Fass, kam dann aber wieder etwas zurück. Die Ölpreise fungierten zuletzt als Gradmesser für die Konjunktur- und Inflationssorgen der Anleger.
Gut gesucht waren angesichts der hohen Rohölpreise die Aktien großer Öl- und Energiekonzerne. In London legten die Aktien des Ölriesen BP 1,5 Prozent zu. Im Euro-Stoxx-50 fanden sich die Titel von TotalEnergies, Enel und ENI mit Gewinnen zwischen 1,5 und 2,1 Prozent unter den größten Gewinnern.
Bei Totalenergies kam zur allgemein guten Branchenstimmung eine Meldung der "Financial Times" über einen Rekordgewinn aus einer Ölwette. Laut der Zeitung dominierte das Unternehmen im März den physischen Ölmarkt im Nahen Osten. Es habe einen Gewinn von über einer Milliarde US-Dollar erzielt, nachdem es alle im Mai zur Verladung vorgesehenen Rohölladungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman aufgekauft habe.
Gut nachgefragt waren auch die Aktien des britischen Bergbaukonzerns Rio Tinto und lagen mit einem Plus von 3,6 Prozent ganz oben im FTSE. Der Konzern hatte gemeldet, dass drei wegen eines Zyklons geschlossene Eisenerzanlagen ihren Betrieb wieder aufgenommen haben.
Unter starken Verkaufsdruck kamen in Frankfurt die Aktien von Süss Microtec und büßten 9,0 Prozent ein. Zeitweise gaben die Titel bis zu knapp 19 Prozent ein, grenzten das Minus dann aber ein. Der Margenausblick des Halbleiterindustrie-Zulieferers auf 2026 habe enttäuscht, während die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 besser als erwartet ausgefallen seien, kommentierte ein Händler. Jefferies-Analyst Janardan Menon sprach von einem Übergangsjahr mit sinkenden Einnahmen sowie höheren Kosten und erwartet 2027 eine bessere Lage.
Mit Spannung erwartet werden an den Börsen angesichts der kursierenden Inflationssorgen auch die zum Wochenstart anstehenden Daten zur Preisentwicklung in Deutschland und der Eurozone. In Deutschland wurden im Vormittagsverlauf bereits Zahlen aus einzelnen Bundesländern veröffentlicht. Die durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Ölpreise schlagen hier schon deutlich auf die Verbraucherpreise durch.
In Bayern schnellte die Inflationsrate im März auf 2,8 Prozent nach oben, nachdem sie im Dezember noch bei 1,9 Prozent gelegen war. In Nordrhein-Westfalen kletterte sie von 1,8 auf 2,7 Prozent, in Niedersachsen von 1,9 auf 2,6 Prozent und in Baden-Württemberg von 1,8 auf 2,5 Prozent. Um 14 Uhr werden dann die gesamtdeutschen Zahlen veröffentlicht. Die Analysten der Helaba erwarten angesichts der jüngsten Benzinpreisanstiege einen Sprung der Inflationsrate in Richtung 3 Prozent. Am Dienstag stehen dann Inflationsdaten für die Eurozone an.
Angesichts der vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisanstiege mehren sich an den Märkten die Ängste vor Inflation und damit auch gegensteuernden Zinserhöhungen der Notenbanken. Zuletzt hatten aber mehrere EZB-Vertreter mit ihren Aussagen die Zinsängste etwas gedämpft. Das französische EZB-Ratsmitglied François Villeroy de Galhau hat die Spekulation auf eine schnelle Zinserhöhung wegen des Ölpreisschocks in einem Interview als verfrüht bezeichnet. Neben Villeroy de Galhau hat sich auch EZB-Direktorin Isabel Schnabel zuletzt eher zurückhaltend zur Möglichkeit einer schnellen Zinserhöhung gezeigt.
FRANKFURT - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/AFP/DANIEL ROLAND