Europas Börsen wegen Iran-Krieg und Ölpreisrally tiefrot

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
Euro-Stoxx-50 büßt nach Eskalation im Nahen Osten 2,47 Prozent ein
 © APA/APA/AFP/DANIEL ROLAND
©APA/APA/AFP/DANIEL ROLAND
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
Die europäischen Börsen haben am Montag mit deutlichen Abgaben geschlossen. Der Angriff der USA und Israels auf den Iran und dessen Vergeltungsschläge haben die Aktienmärkte zum Wochenauftakt stark belastet. Die Öl- und Gaspreise sind wegen des Krieges deutlich gestiegen und drückten damit auf die Aktienkurse, nicht zuletzt wegen vermeldeter Produktionsausfälle im wichtigen Lieferland Katar.

von

Der Euro-Stoxx-50 verlor zum Sitzungsende 2,47 Prozent auf 5.987,02 Punkte. In Frankfurt rutschte der DAX um 2,56 Prozent tiefer auf 24.638,00 Zähler. Außerhalb der Eurozone fiel der FTSE-100 um 1,20 Prozent auf 10.780,11 Einheiten.

Am Samstag hatten Israel und die USA den Iran attackiert und dabei unter anderem das iranische Staatsoberhaupt, den Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei, getötet. Teheran reagierte mit Angriffen auf Ziele in Israel sowie auf mehrere US-Militärstützpunkte in der Golfregion. Die libanesische Hisbollah-Miliz feuerte in der Nacht Raketen auf Israel ab und griff damit an der Seite Teherans in den Kampf gegen den Erzfeind ein.

Aus Sicht der Deutsche Bank Research werden die geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten weiter im Fokus stehen, auch mit Blick auf eine Unterbrechung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormuz. Sie sei eine der wichtigsten Routen für den Transport von Erdöl und LNG, so die Analysten. Die Dauer und eine potenzielle Ausweitung des Konflikts dürften die Risikowahrnehmung bestimmen und könnten somit auch an den Finanzmärkten zu höherer Volatilität führen.

Betroffen von massiven Verlusten waren vor allem die Reise- und Touristikbranche. Die Werte von TUI verloren fast zehn Prozent, die Aktie der AUA-Mutter Lufthansa gaben um mehr als fünf Prozent nach. Auch Papiere von Flughäfen wurden verkauft. Die Anleger sorgen sich um Flugstreichungen, operative Behinderungen, steigende Ölpreise und eine möglicherweise geringere Nachfrage.

Der starke Ölpreisanstieg belastete zudem Papiere aus dem Chemiesektor. So sanken BASF 2,8 Prozent. Höhere Kosten für Öl drohen die Gewinne zu schmälern. Auch Bankenwerte zeigten sich tief in der Verlustzone, so etwa die Deutsche Bank (minus 3,5 Prozent) oder die BNP Paribas (minus 3,6 Prozent).

Von der deutlich gestiegenen geopolitischen Unsicherheit konnten Rüstungswerte profitieren. Die Papiere der britischen BAE Systems sprangen um sechs Prozent auf einen neuen Rekord. Experten rückten sie in den Fokus, weil sie die Infrarot-Zielerfassung der Lenkflugkörper im THAAD-Raketenabwehrsystem der US-Armee liefern. In den ersten Angriffen gegen den Iran im Juni 2025 seien Medienberichten zufolge zwischen 15 und 25 Prozent des gesamten THAAD-Arsenals gebraucht worden, um iranische Raketen gegen Israel abzufangen, schrieb David Perry von JPMorgan. Nun dürfte das Verschleißtempo weitaus höher liegen.

Ölwerte profitierten hingegen vom starken Anstieg der Ölpreise. Am Aktienmarkt konnten dies vor allem die Anleger von Eni (plus 3,6 Prozent) und TotalEnergies (plus 3,1 Prozent) ummünzen, für die JPMorgan eine Empfehlung aussprach. Bei Eni vollzog Experte Matthew Lofting sogar eine Kehrtwende nach bisher negativer Einstufung. Durch die Straße von Hormuz, deren Verkehr der Iran nun einschränkt, gingen zwischen 20 und 30 Prozent der globalen Öl- und Gasversorgung, so Lofting. Die Sicherheit dieser Transporte stehe nun ganz klar im Fokus. Die Anleger sollten im Energiebereich insbesondere auf Unternehmen mit hohem Ölpreis-Hebel setzen. Eni-Aktien seien bei Ölpreisen von 70 Dollar und mehr je Barrel im Branchenvergleich wieder günstig.

FRANKFURT - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/AFP/DANIEL ROLAND

Über die Autoren

Logo