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Im Frühhandel stützten noch kurzfristig vage Hoffnungen auf ein schnelleres Ende des Nahost-Krieges. Im Verlauf sorgten jedoch wieder deutlich steigende Ölpreise für eine erneute Belastung, zudem startete die Wall Street tief im Minusbereich in den Handel.
Die Öl- und Gaslieferungen vom Golf werden wegen des Iran-Kriegs nach Einschätzung von Experten noch für Monate massiv gestört sein. Der Geschäftsführer der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, sagte der britischen "Financial Times", der Krieg sei "die größte Bedrohung für die globale Energiesicherheit in der Geschichte." Politiker und Märkte unterschätzten das Ausmaß der Ausfälle.
Der Euro-Stoxx-50 schloss mit einem satten Abschlag von 2,0 Prozent auf 5.501,28 Punkten, daraus resultierte ein beachtlicher Wochenverlust von mehr als vier Prozent. In Frankfurt gab der DAX zum Wochenausklang in einem ähnlichen Ausmaß um 2,01 Prozent auf 22.380,19 Zähler nach. Der britische FTSE-100 ermäßigte sich um 1,44 Prozent auf 9.918,33 Punkte. Er steht damit erstmals seit Anfang Jänner wieder unter der 10.000-Punkte-Marke.
"Nächste Woche drohen die Datenstunden der Wahrheit - denn erstmals wird eine Reihe von Konjunkturzahlen die Folgen des Iran-Kriegs widerspiegeln", so Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Die Einkaufsmanagerindizes dürften sich im März spürbar eingetrübt haben.
Eine Branchenbetrachtung in Europa zeigte alle Sektoren merklich in der Verlustzone. Die Bereiche Technologie, Industriegüter, Banken, Öl- und Gas sowie Werte aus dem Luftfahrt- und Reisebereich standen am deutlichsten unter Verkaufsdruck.
Im Euro-Stoxx-50 markierten die Aktien von SAP, Hermes, Safran und UniCredit mit Abschlägen von bis zu 4,9 Prozent die untersten Plätze. ASML büßten 4,5 Prozent an Kurswert ein. Siemens und Rheinmetall gaben mehr als drei Prozent ab.
Unilever-Papiere steigerten sich hingegen um 0,5 Prozent. Der Konsumgüterkonzern kommt bei seinen Bemühungen um die Trennung vom Lebensmittelgeschäft voran. Der Konzern sei derzeit in Gesprächen mit dem US-Gewürzhersteller McCormick & Co zum Verkauf der Sparte und habe ein Angebot erhalten, bestätigte Unilever entsprechende Berichte. Ein Abschluss sei aber ungewiss.
UBS verbilligten sich nach Verlaufsgewinnen zum Sitzungsende um 0,7 Prozent. Die Schweizer Großbank kann ihr Geschäft in den USA nach dem Erhalt einer nationalen Banklizenz ausbauen. Die US-Bankenaufsicht Office of the Comptroller of the Currency (OCC) habe die entsprechende Genehmigung erteilt.
Im Pharmasektor verbuchten Novartis in dem negativen Umfeld ein Minus von 1,1 Prozent. Der Schweizer Pharmakonzern übernimmt vom US-Biotechunternehmen Synnovation Therapeutics ein Krebsforschungsprogramm rund um den Wirkstoff SNV4818. Dazu erwirbt Novartis die Tochtergesellschaft Pikavation Therapeutics für zwei Milliarden US-Dollar. SNV4818 ist ein oral verabreichter Wirkstoff, der derzeit in einer Phase-I/II-Studie zur Behandlung von Brustkrebs und anderen fortgeschrittenen soliden Tumoren untersucht wird.
FRANKFURT - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/AFP/DANIEL ROLAND