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Die Folgen des Iran-Kriegs und die stark gestiegenen Energiepreise hatten die Konjunktur zunächst deutlich belastet. Die deutsche Wirtschaft habe sich aber als widerstandsfähiger erwiesen als erwartet, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Als Grund für das Wachstum werden vor allem Exporte sowie staatliche Investitionen und höhere Verteidigungsausgaben genannt.
Der deutsche Außenhandel konnte demnach zeitweise sogar von weltweiten Engpässen profitieren: Käufer stockten ihre Lagerbestände mit energieintensiven Gütern auf, die in Deutschland produziert wurden.
Auch im kommenden Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft weiter wachsen. Für 2027 rechnet die Bundesregierung mit einem Plus von 1,1 Prozent. Bisher war sie von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen. Allerdings hänge die weitere Entwicklung wesentlich vom Verlauf der geopolitischen Konflikte im Nahen Osten und der Ukraine ab. Für 2028 prognostiziert die Bundesregierung ein Wachstum von nur 0,6 Prozent.
Ende September hatten bereits führende Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognose für Deutschland auf 1,3 Prozent angehoben. Im Frühjahr hatten die Institute noch vor einem "Energiepreisschock" gewarnt. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs blieben jedoch geringer als zunächst befürchtet. Der Aufschwung stehe dennoch auf einem schmalen Fundament, hieß es.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte am Tag vor der Veröffentlichung der sogenannten Herbstprojektion die Notwendigkeit von Strukturreformen betont. Die CDU-Politikerin sagte im Bundestag, das Wachstum stehe noch auf wackligen Beinen. "Die Lage bleibt fragil." Deutschland werde von externen Krisen wie dem Iran-Konflikt belastet. "Aber wir haben vor allem auch Hausaufgaben zu machen."
Es müssten Fesseln gelöst werden, sagte Reiche. Sie nannte flexiblere Arbeitszeiten, eine Stabilisierung der Sozialabgaben, weniger Bürokratie und wettbewerbsfähige Energiepreise. Die schwarz-rote Koalition steht vor wegweisenden Wochen. Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt und die geplante Rentenreform sind politisch umstritten.
Trotz der optimistischeren Prognosen von Bundesregierung und Wirtschaftsforschungsinstituten sieht der Außenhandelsverband BGA die Erholung in Deutschland bisher nicht gefestigt. Laut einer Verbandsumfrage hat sich die Geschäftslage der Unternehmen verbessert. Die Firmen hätten ihre Beschaffungs- und Vertriebswege diversifiziert und sich an die Krisen angepasst. "Die Unternehmen sehen wieder Licht am Ende des Tunnels, fahren aber weiter mit angezogener Handbremse", sagte BGA-Präsident Dirk Jandura.
Obwohl der Export als Grund für die erhöhte Prognose genannt werden, zeichnete sich im August bereits eine Abschwächung ab. Der Wert der Exporte sank nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes kalender- und saisonbereinigt um 0,8 Prozent auf 137,6 Milliarden Euro.
"Die Entwicklung der Exporte bleibt ohne eigene Dynamik. Handelspolitische Unsicherheiten und strukturelle Standortnachteile bremsen die Exportwirtschaft schon wieder aus", beklagte der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier. Der jetzige Rückgang zeige, dass die Exportbelebung "nur ein laues Lüftchen" gewesen sei.
DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov warnte: "Dieser Aufschwung ist teuer erkauft." Er beruhe vor allem auf steigenden Ausfuhren in den EU-Binnenmarkt sowie auf schuldenfinanzierten Staatsausgaben. "Ohne substanzielle wirtschaftspolitische Reformen hat dieser Aufschwung nur ein kurzes Haltbarkeitsdatum." Es brauche niedrigere Kosten, weniger Bürokratie, schnellere Verfahren und modernere Infrastruktur.
dpatopbilder - 20.06.2024, Schleswig-Holstein, Havighorst: Eine Deutschlandflagge hängt an einem Haus. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.