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Die meisten deutschen Unternehmen erwarten ein moderates Wachstum zwischen zwei und fünf Prozent. Gleichzeitig trübt die US-Handelspolitik die Stimmung. Fast die Hälfte der deutschen Firmen erwartet für 2026 negative Folgen und ist damit pessimistischer als direkt nach Beginn des Konflikts. "Angesichts des Handelskriegs und der Eskalation im Nahen Osten sind geopolitische Unsicherheiten (67 Prozent) wenig überraschend erneut das Top-Risiko, das deutsche Exporteure um den Schlaf bringt, gefolgt von Lieferkettenrisiken", sagte Konjunktur-Fachmann Björn Griesbach von Allianz Trade. Fast die Hälfte der deutschen Exportunternehmen rechnet zudem mit einer schlechteren Zahlungsmoral (47 Prozent) und mehr Zahlungsausfällen (40 Prozent).
Die Unternehmen haben sich demnach auf die Unsicherheiten als "neue Normalität" eingestellt. Seit Beginn des Handelsstreits haben 80 Prozent der deutschen Firmen ihre Handels- und Lieferkettenrouten angepasst. Als Reaktion setzen viele auf eine stärkere Konzentration auf geopolitisch verbündete Länder, das sogenannte "Friendshoring" (52 Prozent), sowie die Entwicklung neuer Produkte (51 Prozent). Um Lieferkettenschocks abzufedern, bauen 60 Prozent der Betriebe ihre Lagerbestände laut Umfrage aus und mehr als die Hälfte (55 Prozent) sucht nach neuen Lieferanten. "Seit dem Handelskrieg ist Hamstern wieder angesagt", sagt Griesbach.
Der Handelskonflikt hat die globalen Handelsströme bereits verschoben. So haben die USA als Exportmarkt an Attraktivität verloren: Nur zwölf Prozent der deutschen Firmen sehen dort noch einen Wachstumsmarkt. Europa und Asien stehen dagegen stärker im Fokus für zukünftige Geschäfte. Chinas Anziehungskraft als Investitionsstandort ist zwar weltweit gesunken, deutsche Firmen zeigen sich mit 28 Prozent aber etwas interessierter als der globale Durchschnitt. Gleichzeitig planen 14 Prozent der deutschen Unternehmen einen aktiven Rückzug aus der Volksrepublik.
Für die Studie wurden im Februar und März rund 6.000 Unternehmen in 13 Märkten befragt.