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Dazu trug ein starkes erstes Halbjahr bei, das durch einen Sondereffekt begünstigt wurde: Durch die Umstrukturierung eines größeren Unternehmens im Internet- und Versandhandel kamen bisher in Deutschland nicht erfasste Umsätze hinzu. Branchenkennern zufolge handelt es sich dabei um den Amazon. Dadurch legten die Einnahmen in den ersten sechs Monaten real um 3,8 Prozent zu, im zweiten Halbjahr dann nur noch um 1,1 Prozent.
"Insofern ist das noch keine solide Grundlage, um das Jahr 2025 für den Einzelhandel und seine Umsätze einzuordnen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, angesichts des Sondereffektes. Er verwies zudem auf Erfahrungen, wonach die vorläufigen Daten später oftmals noch nach unten korrigiert würden. "Klar ist auf jeden Fall, dass 2025 für viele Handelsunternehmen ein eher schwieriges Jahr war", sagte Genth. "Die Konsumstimmung machte keine Fortschritte und konnte nie die Werte der Vor-Corona-Zeit erreichen." Die Bundesregierung könne einen Stimmungsumschwung schaffen - etwa durch die Senkung der Stromsteuer für alle, eine Deckelung der Sozialabgaben und eine Entlastung von Haushalten mit mittleren Einkommen.
Zuletzt zeigte der Trend nach unten: Im November, der den Auftakt für das wichtige Weihnachtsgeschäft bildet, nahm der Umsatz um 1,1 Prozent zum Vormonat ab. Inflationsbereinigt fiel das Minus mit 0,6 Prozent etwas kleiner aus. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet. Viele Händler hatten sich unzufrieden mit dem Verlauf des Weihnachtsgeschäfts gezeigt. Im November und Dezember machen die Geschäfte im Schnitt fast ein Fünftel ihres Jahresumsatzes.
"Es fehlt an Dynamik, der Umsatz tritt seit mehr als einem halben Jahr auf der Stelle", sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger. "Wegen Arbeitsplatzsorgen und politischer Unsicherheit wird Geld lieber gespart."
Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief im November uneinheitlich. So legte der Handel mit Nicht-Lebensmitteln real um 0,3 Prozent zu. Der Internet- und Versandhandel verzeichnete sogar ein Plus von 0,9 Prozent. Dagegen sank der Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel um 1,9 Prozent.
Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland hat sich zum Jahreswechsel überraschend eingetrübt. Das Barometer für das Konsumklima für Jänner sank um 3,5 Punkte auf minus 26,9 Zähler, wie die GfK-Marktforscher und das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) ermittelten. Einen niedrigeren Wert gab es hier zuletzt im April 2024. Grund für den Dämpfer sind sinkende Einkommenserwartungen und eine stark gestiegene Sparneigung der Menschen. Letztere kletterte auf den höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise im Juni 2008.