Delivery-Hero-Großaktionär Aspex reißt der Geduldsfaden

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Mehr Tempo bei Unternehmensverkäufen bei Delivery Hero gefordert
 © dpa-Zentralbild, Britta Pedersen, APA
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Einer der größten Aktionäre von Delivery Hero fordert einen Rückzug des Essenslieferdienstes aus ganzen Regionen und droht dem Vorstand um Firmengründer Niklas Östberg andernfalls mit Konsequenzen. Der Hongkonger Vermögensverwalter Aspex Management, der 9,2 Prozent an Delivery Hero hält, fordert in einem der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorliegenden Brief an das Management eine "rasche glaubwürdige strategische Neuausrichtung, die Wert schafft".

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Delivery Hero habe es nicht geschafft, sich den veränderten Branchentrends anzupassen. Ein Rückzug aus nur wenigen der 68 Länder, in denen Delivery Hero aktiv ist, oder der Verkauf von Minderheitsanteilen wäre dabei "kein glaubwürdiges oder akzeptables Ergebnis" der Überprüfung.

Delivery-Hero-Chef Östberg erklärte, die strategische Überprüfung des Portfolios zusammen mit den Investmentbankern von JP Morgan stehe derzeit für das Management an erster Stelle. Es gebe auch bereits zahlreiche Prozesse und Verhandlungen, mit denen man aber behutsam umgehen müsse. Wie weit diese Maßnahmen reichen, ging aus der Stellungnahme nicht hervor. Aspex wollte sich zu dem Brief nicht weiter äußern.

Östberg hatte schon im Dezember eine "Prüfung strategischer Optionen" angekündigt, etwa strategische Partnerschaften oder auch Verkäufe für ausgewählte Ländergesellschaften. Das war offenbar auch eine Reaktion auf einen vorherigen Brief von Aspex, auf den sich der Aktionär bezieht. Doch seither sei nichts Wesentliches passiert, kritisieren die Hongkonger.

Aspex ist nach eigenen Angaben seit 2020 an Delivery Hero beteiligt und nach LSEG-Daten der drittgrößte Aktionär hinter der Internetholding Prosus (knapp 27 Prozent) und der Fondssparte von Goldman Sachs. Prosus muss allerdings nach der Übernahme des Konkurrenten JustEat Takeaway nach Auflagen der EU seine Beteiligung bis zum Herbst auf weniger als zehn Prozent reduzieren, die Stimmrechte liegen bei einem Treuhänder. Aspex wirft Östberg und seinem Team "Wertvernichtung" vor. Delivery Hero habe an der Börse an Glaubwürdigkeit verloren. Nach einem Höhenflug der Aktie während der Corona-Pandemie haben die Delivery-Hero-Aktien seit Anfang 2022 mehr als drei Viertel ihres Wertes verloren.

Dass Delivery Hero zwar in 53 der 68 Länder nach eigenen Angaben die Nummer eins auf dem Markt für Essens- und Lebensmittel-Lieferdienste sei, aber im Vergleich zu den großen Konkurrenten Uber, Grab, Doordash und Meituan die niedrigsten operativen Renditen aufweise, zeige, dass das Unternehmen entweder dort nicht der richtige Eigentümer sei oder das Geschäftsmodell nicht funktioniere, heißt es in dem Brief von Aspex. Analysten hielten die Nahost-Tochter Talabat, die auch an der Börse in Dubai gelistet ist, das Geschäft in Südkorea und in Lateinamerika für die wertvollsten Teile von Delivery Hero.

Für den Fall, dass sich Delivery Hero nicht bald zu solchen Schritten bekenne, werde Aspex alle rechtlich möglichen Maßnahmen prüfen. Dabei attackieren die Hongkonger auch Östberg selbst: "Dazu gehören vor allem Schritte, die letztlich auf Änderungen in der Führung des Unternehmens abzielen und damit eine rasche Umsetzung der strategischen Veränderungen und eine Überprüfung von Managementfehlern sicherstellen", schließt das Schreiben. Dazu gehören nach Ansicht des Großaktionärs auch rechtliche Risiken. Delivery Hero drohten Strafen und Geldbußen von 1,4 Mrd. Euro, deutlich mehr als bei der Konkurrenz. In Spanien und Italien etwa gibt es juristische Auseinandersetzungen darum, ob die dortige Tochter Glovo ihre Fahrer fest anstellen muss oder nicht.

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