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Das Barometer für die Geschäftserwartungen fiel auf minus 30,7 Punkte, von minus 15,3 Punkten im März. "Die Iran-Krise belastet die ohnehin geschwächte Autoindustrie zusätzlich", sagt Ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl. Seit Freitag kommt ein neuer Belastungsfaktor hinzu. US-Präsident Trump hat angekündigt, die Einfuhrzölle für Fahrzeuge aus der Europäischen Union schon in dieser Woche von 15 auf 25 Prozent heraufzusetzen. "Die Kosten durch diese zusätzlichen Zölle wären für die deutsche sowie europäische Automobilindustrie in ohnehin sehr herausfordernden Zeiten enorm, hätten aber wahrscheinlich auch Auswirkungen auf die Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA", sagte die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller.
In der deutschen Autoindustrie machten sich erste Anzeichen von Materialknappheit bemerkbar. Bei 9,3 Prozent der Unternehmen fehlten im April wichtige Vorprodukte, im März waren es noch knapp ein Prozent. "Die Iran-Krise beeinträchtigt etwa die Produktion und Lieferung von Helium", sagt Wölfl. Dieses Edelgas sei direkt und indirekt für die Automobilproduktion wichtig. Helium wird zum Beispiel in der Chipproduktion, für Airbags, bei der Metallbearbeitung und der Leckortung von Batterien verwendet. Die EU bezieht mit etwa 40 Prozent einen bedeutenden Anteil ihres Heliumbedarfs aus Katar, verwies das Ifo-Institut auf Daten der Deutschen Rohstoffagentur.
Die Forscher verwiesen zudem auf indirekte Wirkungen des Iran-Kriegs, die sich in den gesunkenen Geschäftserwartungen niederschlagen würden: Die generelle Unsicherheit bei Unternehmen und Haushalten steigt. "Zusammen mit den hohen Energiepreisen könnte dies für Kaufzurückhaltung beim Kauf von Neuwagen sorgen", so das Ifo-Institut.