Bundesbankchef Nagel: Zinserhöhung im April "eine Option"

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Zinserhöhung "eine Option, aber eben nur eine Option"
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Trotz eines Hoffnungsschimmers für eine Waffenruhe in Nahost ist eine Zinserhöhung der EZB im April laut Deutschlands Bundesbankchef Joachim Nagel eine Option. "Die Lage bleibt delikat, unübersichtlich und wird getrieben von der sehr erratischen Nachrichtenlage", sagte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei schwierig einzuschätzen, ob es eine Verhandlungslösung geben werde.

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In den vergangenen Wochen sei es eher zu weiteren Eskalationen gekommen. Derzeit nehme man seitens der USA eher Entspannungstendenzen wahr. Bis zur Zinssitzung im April lägen der EZB belastbarere Informationen vor: "Wir wissen dann auch möglicherweise, was aus dieser Verhandlungsoption geworden ist - ob sich das dann tatsächlich stabilisiert." Eine Zinserhöhung sei im April "eine Option, aber eben nur eine Option".

Bemühungen um Deeskalation

Für Erleichterung bei den Anlegern sorgten jüngst die Bemühungen der USA um eine Deeskalation am Golf. Einem hochrangigen iranischen Vertreter zufolge hat Pakistan einen Vorschlag der USA an den Iran übermittelt. Zuvor hatten Medien berichtet, Washington habe dem Iran einen 15-Punkte-Vorschlag unterbreitet.

"Ich glaube, wir hoffen alle darauf, dass der Krieg bald zu Ende ist - weil das natürlich allen helfen würde, die Marktsituation zu beruhigen und das Inflationsbild deutlich entspannter zu machen", sagte Nagel. Es scheine sich aber abzuzeichnen, dass es selbst bei einem Kriegsende Wochen und möglicherweise Monate dauern werde, bis sich die mit dem Konflikt einhergehenden Lieferengpässe wieder auflösen würden. Man sehe dies bereits bei chemischen Vorprodukten, bei denen es wegen der Blockade der Straße von Hormuz eine Verknappung gebe.

EZB muss "für Preisstabilität sorgen"

Die EZB müsse die Situation ernst nehmen. "Wir müssen an unser Mandat denken. Wir müssen für Preisstabilität sorgen", betonte Nagel. Die Europäische Zentralbank sei mit einer Situation konfrontiert, bei der die Inflationsgefahren angesichts des weiter tobenden Irankrieges mit jedem Tag zunähmen. "Das, was uns geldpolitisch besonders interessiert, ist, wie sich die mittelfristigen Inflationserwartungen weiterbilden werden", sagte das EZB-Ratsmitglied. Und die Lage werde stark durch die Kriegswirren bestimmt: "Je früher dieser Krieg endet, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir geldpolitisch etwas tun müssen."

Der EZB würden im April voraussichtlich schon genug Daten vorliegen, um einordnen zu können, ob sie handeln müsse oder abwarten könne: "Wir dürfen jetzt nicht davor zurückschrecken, weil wir glauben, es ist noch zu früh. Der April, denke ich, wird uns schon ein genaueres Lagebild liefern", fügte er hinzu. Zugleich riet er von Panikmache ab: "Es wäre das Falsche an der Stelle. Da warne ich auch davor."

Man sehe bereits starke Anstiege bei den Energiepreisen, bei den Rohstoffpreisen. "Für uns wird entscheidend sein, wie wir dann zu einer Einordnung kommen, was die Zweitrundeneffekte angeht." Von Zweitrundeneffekten sprechen Ökonomen, wenn zeitweise höhere Preise zu steigenden Löhnen und dann zu Preiserhöhungen von betroffenen Unternehmen führen. Man müsse im April beurteilen, ob sich das Inflationsbild womöglich verfestigt habe: "Davon werden wir unsere Entscheidung abhängig machen."

BANFF - KANADA: FOTO: APA/APA/AFP/COLE BURSTON/

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