Corona bremst den Immobilien-Investmentmarkt aus

Die Nachfrage nach Gewerbe-Immobilien ist in der Corona-Krise massiv zurückgegangen. Das ist auch am Wiener Immobilienmarkt ablesbar. Wohn-Immobilien und Büroobjekte in Top-Lagen sind hingegen äußerst begehrt

Der Immobilienmarkt reagiert auf die Corona-bedingten Nachfrage-Änderungen. In Wien hat sich das Investoren-Interesse deutlich verlagert..

Der Immobilienmarkt reagiert auf die Corona-bedingten Nachfrage-Änderungen. In Wien hat sich das Investoren-Interesse deutlich verlagert..

Geld in Immobilien zu investieren gilt unter Anlegern schon seit etlichen Jahren als sichere und lukrative Methode zur Geldvermehrung. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 international extrem niedrigen Zinsniveaus haben sich Immobilien als gute Assets mit guten Renditen erwiesen.

Die Corona-Pandemie hat Investoren allerdings jetzt dazu bewegt, ihre Investments wieder umzuschichten. Nicht jedes Betongold glänzt so strahlend wie zuvor. Bei Gewerbeimmobilien ist die Nachfrage im Lauf des letzten Halbjahres deutlich zurückgegangen.

Das zeigt sich auch in Wien. Internationale Anleger aus Asien und den USA sind den Analysen von EHL Immobilien zufolge weitgehend aus dem Wiener Markt verschwunden. Auch weil die Anreise zu Besichtigungen erschwert ist. Die Folge: Das Transaktionsvolumen bei Gewerbe-Immobilien wird heuer gegenüber 2019 von sechs Milliarden auf bestenfalls vier Milliarden Euro zurückgehen, so die Erwartung der Marktexperten von EHL.

Eklatanter Rückgang nach Allzeit-Hoch

"2019 hatten wir ein Allzeithoch - wenn wir gut sind, schaffen wir heuer vier Milliarden Euro, aber da muss noch einiges passieren, derzeit sind wir bei knapp 2,2 Milliarden Euro", berichtete der Geschäftsführer der EHL Investment Consulting GmbH, Markus Mendel, am Dienstag in einer Videokonferenz. "Da fehlen die ganzen internationalen, nicht-deutschsprachigen Investoren", hielt der Immo-Spezialist fest. "Das wird in den nächsten Monaten so bleiben." Gleichzeitig hätten deutsche Investoren ihre Aktivitäten aber massiv verstärkt.

2019 kam mit einem Anteil von 47 Prozent noch der Großteil des Transaktionsvolumens von Österreichern und 23 Prozent von Deutschen; heuer in den ersten drei Quartalen drehte sich das Investment-Szenario auf nur noch 38 Prozent aus heimischer Hand und 48 Prozent aus deutscher. Im dritten Quartal seien volumenmäßig sogar 60 Prozent aller Gewerbeimmo-Investments in Wien von deutschen Anlegern getätigt worden.

Nachfrage verschiebt sich

"Es ist extrem viel Geld im Markt unterwegs", betonte Mendel. Doch die Investoren konzentrierten sich auf die "Topsegmente, die coronaresistent sind". Dazu gehörten Wohnimmobilien, Top-Büroobjekte in sehr guten Lagen und mit Mietern hoher Bonität sowie Logistikimmobilien. "Da gibt es eine sehr hohe Nachfrage." Amazon habe gerade seinen dritten Standort in Wien. "Der Online-Handel nimmt zu und die ganzen Packerln müssen verteilt werden", erklärte der EHL-Geschäftsführer. Von der Krise sehr stark betroffen seien hingegen viele Hotels und Einzelhandelsimmobilien. "Da werden wir den einen oder anderen Notverkauf sehen."

"Das Segment, das derzeit am heißesten läuft, ist das Wohnsegment", strich Mendel hervor. Da gebe es eine "sehr starke Nachfrage" von Investoren wie etwa Pensionskassen und Versicherungen. Knapp dahinter folgten die Top-Büroimmobilien und das Thema Logistik, fasste er die drei Bereiche zusammen, die für "sicherheitsorientierte Anleger attraktiv" seien, da hier die Preise noch weiter nach oben gehen würden.

Wer nicht genug Bares hat, wird geduldiger werden müssen. "Das Thema Finanzierung wird schwieriger werden", ist sich Mendel sicher. Die Kosten für die Investoren würden höher. "Die Bank braucht deutlich länger, weil sie genauer hinschaut - das zieht die Transaktionsprozesse in die Länge."

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