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SIGNA-Insolvenz: Medienbeteiligung und weitere Assets werden abgestoßen

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Insolvenz der SIGNA Holding: Das Sanierungsverfahren bleibt in Eigenverwaltung.

©Elke Mayr
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Im milliardenschweren Insolvenzverfahren rund um die SIGNA Holding wurde am Wiener Handelsgericht die erste Gläubigerversammlung und Berichtstagsatzung abgehalten. Im Zuge der Insolvenz sollen nun auch die Beteiligungen an der "Kronen Zeitung" und "Kurier" und das Chrysler Building in New York abgestoßen werden.

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In der ersten Gläubigerversammlung und Berichtstagsatzung in der Milliarden-Insolvenz der SIGNA Holding haben die Sanierer Erhard Grossnigg und Arndt Geiwitz und Sanierungsverwalter Christof Stapf einen wichtigen Erfolg eingefahren. Das Insolvenzgericht sah nach der ausführlichen Berichterstattung durch Sanierungsverwalter Stapf keine Gründe, die Eigenverwaltung zu entziehen. Somit kann das Verfahren als Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung fortgeführt werden.

Stapf hat die gesamte Geldgebarung an sich gezogen und mit der Datenanalyse begonnen. Zudem werden Assets aus dem bröckelnden SIGNA-Imperium verkauft. Nach dem letzte Woche bekannt gewordenen Verkauf des "Meinl-Hauses" am Graben in Wien soll nun auch das Chrysler Building in New York und die Medien-Beteiligungen der Holding, sprich der 25-Prozent-Anteil an der "Kronen Zeitung" und an "Kurier" verkauft werden. Auch der Privatjet der SIGNA wird abgestoßen.

René Benko soll für die Medienbeteiligung im November 2018 rund 80 Millionen Euro gezahlt haben. Im Insolvenzantrag der SIGNA Holding sollen die Anteile allerdings nur noch mit 45 Millionen Euro bewertet sein.

Für den beschleunigten Verkauf von Beteiligungen und Vermögen wurde ein Verwertungsplan in Gang gesetzt. Nicht zwingend notwendige Bestandsverträge werden und wurden bereits laut Sanierungsverwalter aufgelöst - so etwa für die Liegenschaft des Firmensitzes im Palais Harrach und Palais Ferstel in der Wiener Innenstadt. Eine Ablöse der getätigten Investitionen in Gebäude und Inventar werde geprüft.

SIGNA-Sanierung bleibt in Eigenverwaltung

Die Kosten für den Fortbetrieb der SIGNA Holding sind laut KSV1870 vorerst gedeckt. Dazu hat auch René Benko selbst mit einer Garantieerklärung über drei Millionen Euro zur Sicherung des Fortbetriebes einen Beitrag geleistet. Bisher wurde zur Sicherung des Fortbetriebes bereits mehr als eine Million Euro bezahlt.

Die Sanierung der Holding bleibt damit auch vorerst in Eigenverwaltung. "Der Entzug der Eigenverwaltung ist in der Insolvenzordnung genau geregelt. Derzeit liegt für das Insolvenzgericht kein Grund für die Entziehung vor", sagt Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenz des Kreditschutzverband von 1870. Götze betont aber auch, dass das Insolvenzgericht die Entscheidung jederzeit wieder revidieren kann: "Ein Entzug ist weiterhin in jedem Stadium des Insolvenzverfahrens möglich.“

Komplexer Sanierungsfall

Mit 18. Dezember hat das Insolvenzgericht einen Gläubigerausschuss installiert, den auch KSV-Insolvenzchef Götze gefordert hatte. „Mit der Einrichtung eines Gläubigerausschusses wurde ein wichtiger Schritt für eine transparente Abwicklung des Sanierungsverfahrens gesetzt. Diese ist umso mehr erforderlich, da das Sanierungsverfahren weiter in Eigenverwaltung geführt wird“, begrüßt Götze die Entscheidung des Insolvenzgerichts.

Als Österreichs größter Gläubigerschutzverband gehört auch der KSV1870 dem Gläubigerausschuss an. Über den KSV1870 können Gläubiger noch bis zum 15. Jänner 2024 ihre Forderungen anmelden. Bisher haben 43 Gläubiger Forderungen in Höhe von rund 1,13 Mrd. Euro angemeldet. Es bleibt abzuwarten, ob die im Eigenantrag von der Signa Holding festgehaltenen, potenziellen Verbindlichkeiten in Höhe von 5 Milliarden Euro tatsächlich durch die Gläubiger angemeldet werden.

Die Prüfungstagsatzung wurde für den 29. Jänner 2024 angesetzt, die für die Gläubiger entscheidende Sanierungsplantagsatzung wurde für den 12. Februar.

SIGNA bietet den Gläubigern eine Sanierungsplanquote von 30 %, zahlbar binnen 2 Jahren ab Annahme des Sanierungsplans an. Dessen Prüfung wird das Insolvenzgericht und die Gläubiger allerdings noch einiges an Nerven kosten. Götze: "Die Prüfung der Angemessenheit des Sanierungsplanvorschlages innerhalb von 90 Tagen bleibt eine Herkulesaufgabe. Allein die Tatsache, dass das vorläufige Organigramm der „SIGNA-Gruppe“ insgesamt 46 Seiten im A3-Format umfasst, spricht Bände."

Allein die insolvente Signa-Dachgesellschaft Signa Holding GmbH verfügt laut Eigenangaben über 53 direkte Beteiligungen an Gesellschaften und mittelbare Beteiligungen an mehreren hundert weiteren Gesellschaften.

Um sich leichter einen Überblick über die Vorgänge im komplizierten Firmengeflecht zu verschaffen, hat sich der Insolvenzverwalter das Consultingunternehmen Deloitte als unabhängigen Berater an Bord geholt. Die vom Gericht aufgetragene Datensicherung "gestaltet sich als schwierig", sei aber nunmehr mit erheblicher Verzögerung begonnen worden. Die externen Sachverständigen von Deloitte sollen bei der finanziellen Aufarbeitung des Falles unterstützen und seien mit der ergänzenden Analyse der Liquiditätsplanung, der Analyse des Beteiligungsportfolios und der Unterstützung bei der Abwicklung und Durchführung von Verkaufsprozessen betraut worden.

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