
Der ab Herbst 2024 als neuer Post-Boss agierende WALTER OBLIN spricht am liebsten über Digitalisierung. Er will, dass die altehrwürdige Post als Technologiekonzern und eines der größten IT-Unternehmen im Land wahrgenommen wird. Bis dahin ist es aber noch ein Stück des Wegs.
"Amazon gilt als IT-Konzern, obwohl nur acht Prozent des Personals mit IT befasst sind“, stellt Walter Oblin fest, der im September den Chefsessel in der Österreichischen Post AG erklimmen wird: „Bei uns sind es sechs Prozent. So weit liegen wir also nicht zurück.“
Ein gewagter Vergleich. Aber nicht völlig aus der Luft gegriffen. Der Großteil der Mitarbeiter kümmert sich hier wie dort um die Logistik. Börsenbewertungen wie bei dem US-Giganten sind für die altehrwürdige heimische Post trotzdem weit außer Reichweite. Amazon ist am Kapitalmarkt ca. den dreifachen Jahresumsatz wert, die börsennotierte Post kommt auf einen Faktor von 0,8.
Ungeachtet dessen scheint der künftige CEO Oblin fest entschlossen, die Post ebenfalls stärker als Technologiekonzern ins Bewusstsein zu rücken: „Wäre unsere IT ein Unternehmen, wäre es in Österreich eines der größten der Branche. Wir haben rund 1.000 IT-Experten.“ 500 davon sind direkt in der Post beschäftigt, die andere Hälfte in diversen Töchtern von der bank99 über Shöpping bis zu Agile Actors in Griechenland.
Letztere wurde vor gut einem Jahr zu 80 Prozent übernommen, weil hierzulande nicht mehr ausreichend Talente zu finden waren. Oblin: „Wir haben das weniger aus Kostengründen gemacht, sondern wollten ein Angebotsproblem lösen.“
Die Zahl der Mitarbeiter, die in Griechenland exklusiv für die Post arbeiten, soll bald dreistellig sein. Daneben wird die neue Tochtergesellschaft als Dienstleister für Softwareentwicklung und Data Engineering auch weiterhin für Dritte tätig sein.
2020 stockte die Österreichische Post AG ihren Anteil an der türkischen Aras Cargo, mit der man seit 2013 Paketgeschäft betreibt, ebenfalls auf 80 Prozent auf.
Mittlerweile wurden über 75 Prozent Marktanteil und zuletzt hohe Umsatzzuwächse erreicht. Gleichzeitig wird auch eine Menge IT-Talent in der Türkei rekrutiert. Die gesamte Entwicklung des Paket-Logistik-Systems für alle Osteuropatöchter wurde dort gebündelt.
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