
EVELINE PUPETER war Eigentümerin der Emporia Telecom und mit ihrem beherzten Auftreten auch Botschafterin für die Digitalisierung von älteren Menschen, die sich mit neuen Technologien etwas schwerer tun.
©Lukas IlgnerUnternehmerin Eveline Pupeter machte das Seniorenhandy europaweit zum Millionenerfolg. Mit dem Verkauf von Emporia Telecom endet eine der großen österreichischen Erfolgsgeschichten der Telekombranche.
Dieser Frau fliegen die Herzen zu. Bei Zugfahrten wird sie angesprochen, am Firmenparkplatz mit Komplimenten für ihr Unternehmen bedacht, und wird sie im Gastgarten gesichtet, gibt regelmäßig jemand ein Bier aus. Eveline Pupeter hat vielen ihrer Kunden offenbar mehr verkauft als ein Handy. Neben liebevoll getexteten Bedienungsanleitungen gab es tollen Service, kostenlosen Akkutausch und viel Wertschätzung. Sie hat Millionen ältere Menschen in ganz Europa ins mobile Zeitalter geholt – denn das Linzer Unternehmen Emporia Telecom gilt als Erfinder des Seniorenhandys. Ende Mai hat die 65-jährige Eigentümerin mit dem Verkauf eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte in der Telekombranche abgeschlossen.
Den Verkaufsprozess mit dem von ihr favorisierten norwegischen Unternehmen Xplora hatte sie im März eingeleitet. „Interessenten hatte es immer gegeben. Aus China hatten wir Angebote, auch welche von größeren Herstellern, die mit uns mergen wollten“, sagt Pupeter, „aber mir war eine europäische Lösung wichtig, mit der börsennotieren Xplora haben wir eine Wachstumsperspektive.“ Gezogen hat sich der Poker über Monate, Pupeter behielt die Nerven: „Gut zu verhandeln, war mir wichtig. Unsere Trümpfe im E-Commerce oder in der Produktentwicklung wollte ich nicht verscherbeln.“ Die Norweger investieren mit der Übernahme von Verbindlichkeiten knapp zehn Millionen Euro in das Unternehmen. Neben Hardware wollen die Norweger künftig auch Mobilfunkverträge verkaufen und ihre Domäne mit Kinder-Smartwatches in Österreich ausbauen. „Für die Kunden wird sich nicht viel ändern“, versichert Pupeter.
Der erfahrene Telekommanager Boris Nemsic hat Pupeter und ihren einstigen Mitgründer Albert Fellner kurzzeitig beraten und blieb ihr auch danach freundschaftlich verbunden. Nemsic zollt der Unternehmerin großen Respekt für den Deal: „Der Schritt, mit jemandem aus der Branche zusammenzugehen, lag nahe. Es geht aber nicht nur darum, den optimalen Partner zu finden, sondern den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Das hat sie geschafft“, sagt Nemsic. „In einem Business, in dem eigentlich nur Economy of Scale zählt, das so lange zu schaffen, ist eine große Leistung. Sie haben auch das Aufkommen der Smartphones – eine Herausforderung – gemeistert und eine eigene Lösung entwickelt, die für ihre Zielgruppe gut gepasst hat.“
In einem Business, in dem eigentlich nur Economy of Scale zählt, das so lange zu schaffen, ist eine große Leistung.
Zwei Frauen erobern Europa
Entwickelt hatte die Seniorengeräte Anfang der Nullerjahre initial ihr heutiger Ex-Mann Albert Fellner. „Er ist der Typ Pionier und Tüftler“, sagt sie, „meine ersten Aufgaben waren Trainings, Seniorenstammtische, und Bedienungsanleitungen zu schreiben.“ Bald war sie als sympathisches Gesicht der Marke im TV und auf Handymessen präsent und trieb ab 2003 als Geschäftsführerin die Expansion in ganz Europa voran. „Von 2008 bis 2010 hatten wir einen echten Lauf“, erinnert sie sich an die Hochzeiten. „Binnen kürzester Zeit haben meine Vertriebsleiterin Karin Schaumberger und ich ganz Europa aufgerollt, von Belgien bis Polen. Das hat sogar Boris Nemsic beeindruckt.“ Zwei Frauen schließen laufend Verträge mit den großen Mobilfunkanbietern ab, gewinnen europäische Handelspartner wie Media-Markt-Saturn und verkaufen selbstverständlich auch via Amazon. In 15 europäischen Märkte ist Emporia präsent, und sogar Testballons für die Märkte USA und Russland wurden gestartet.
Mit dem Ausstieg von Fellner übernahm Pupeter vor zehn Jahren die alleinige Geschäftsführung, der in Hagenberg ausgebildete Harald Obereder koordiniert als CTO die Leitung des lokalen Entwicklungsteams und die Koordination mit der Fertigung in Shenzhen. Mitte der Zehnerjahre gelang auch noch die technische Übersetzung der Emporia-Philosophie ins Smartphonezeitalter mit eigenem Android-Betriebssystem und großen Kacheln statt großer Tasten. Robert Hartlauer, einer der ersten Emporia-Partner in Österreich, ist beeindruckt von ihrer Beharrlichkeit und Konsequenz: „Eveline Pupeter war sehr viel in China unterwegs und hat immer neue Quellen gefunden.“ Denn als vergleichsweise kleines Unternehmen gute Lieferanten zu finden, ist kein leichtes Unterfangen.
Durchbeißen in den Krisen
In den vergangenen Jahren mehrten sich wie überall in der Wirtschaft auch bei Emporia die Krisen. „Der erste Lockdown bescherte uns einen schlimmen Umsatzeinbruch, eine Katastrophe“, erinnert sich Pupeter. „Eine noch größere brachte der Ukrainekrieg. Weil wir alles in Dollar einkaufen, wurde die Beschaffung mit einem Schlag 20 Prozent teurer – bei unseren Margen ein Wahnsinn.“ Durch den KI-Boom sind zuletzt die Speicherpreise auch für Smartphones explodiert. „Wir müssen für Massensmartphones 150 statt 30 Dollar für Speicher ausgeben. Das können wir nicht an die Kunden weitergeben“, seufzt sie.
Im letzten Jahr zog Pupeter mit dem Unternehmen noch die Umsetzung einer EU-Verordnung durch. Für das sogenannte „Ecolabel“ wurde das gesamte Gerätesortiment komplett überarbeitet, neu designt und zertifiziert. „Ein Kraftakt für ein kleines Unternehmen wie das unsere. Die Umsetzung hat uns zwei Millionen gekostet“, sagt Pupeter. Dafür haben Verbraucher aber eine bessere Reparaturfähigkeit und Software-Updates für einen längeren Zeitraum garantiert.
Mühlviertler und Mongolen
Aufgeben war für Pupeter nie eine Option: „Ich bin eine Kämpferin. Das zeichnet Frauen in Führungspositionen aus. Wir sind einfach zach. Du musst einmal mehr aufstehen, als du hingefallen bist“, sagt sie. „Die letzten Jahre brachten mir schon viele schlaflose Nächte. Aber wenn es schwierig wird, geht man nicht weg.“
Daran haben sie ihre 100 Mitarbeiter immer wieder erinnert, die sie als „das Wichtigste für den Unternehmenserfolg“ betrachtet, die sie entwickelt und mit Verantwortung betraut hat und die aus 30 Nationen stammen. „Mühlviertler und Mongolen“, lacht sie und erzählt die Geschichte zweier Mongolinnen. Die eine sei von der Fertigungsstraße zur Chefbuchhalterin aufgestiegen und für eine zweite, die heute chinesische Buchhaltung und Kooperationen betreut, konnte Pupeter mithilfe einer Anwältin ein Bleiberecht erwirken. „Wir haben alle geweint, als das geglückt ist.“
Für die Mitarbeitenden ist der Verkauf eine Zäsur. Die Zeit mit einer besonderen Chefin, die Souveränität und Sicherheit ausstrahlt, ist vorbei. „Die waren nicht begeistert“, sagt Pupeter. „Aber wir mussten schauen, dass wir mithalten können sowie neue Möglichkeiten und Liquidität bekommen.“ Für ihr Leben danach hat sie noch keinen Plan, aber viele Ideen: „Ich brauche keinen Posten, ich brauche nur spannende Herausforderungen, kulturell oder sportlich. Mich interessieren auch Projekte im Sozialbereich mit geflüchteten Frauen oder Alleinerziehenden. Und ich gehe auf alle Fälle an die Kepler-Uni studieren.“ Bevor der neue Lebensabschnitt beginnt, ginge es jetzt erst einmal darum, „leer zu werden“, wie sie sagt, und die Verantwortung gut abzugeben.
Ich bin eine Kämpferin. Das zeichnet Frauen in Führungspositionen aus. Wir sind einfach zach.
Die Emporia Telecom Gruppe
Albert Fellner begann vor 35 Jahren mit dem Verkauf von Handyzubehör, Fax, Walkie-Talkies, ab 2003 entwickelte er ein erstes seniorengerechtes Handy. Eveline Pupeter wechselte aus der Verlagsbranche ins Unternehmen und wurde Geschäftsführerin der Emporia, seit 2014 war sie Alleineigentümerin. Das Unternehmen hat 100 Mitarbeitende. Das Sortiment umfasst einfache Handys, Smartphones, Tablets, Smartwatches und Zubehör, über die Jahre wurden 20 Millionen Stück verkauft. Die Popularität der Klappgeräte ist groß, auch auf den Zweitmärkten wie Willhaben oder eBay. Die norwegische Xplora-Gruppe hat Emporia und zuvor bereits den Mitbewerber Doro übernommen und baut damit ihre Präsenz im Seniorenmarkt aus.
Der Artikel ist in der Ausgabe trend.PREMIUM vom 12. Juni 2026 erschienen.
