
Der Boom rund um Künstliche Intelligenz hat weltweit eine neue Welle der Begeisterung für Technologieaktien ausgelöst. Momentan häufen sich Berichte über Anleger, die hohe Risiken eingehen, um an schnellen Kursgewinnen teilzuhaben. Ein aktuelles Beispiel liefert Südkorea.
Dort erreichen Kündigungen kapitalbildender Lebensversicherungen Rekordwerte. Parallel dazu hat sich das Volumen von Wertpapierkrediten innerhalb kurzer Zeit verdoppelt. Mehr als 60 Prozent dieses Anstiegs entfallen auf Anlegerinnen und Anleger über 50 Jahre. Das zusätzliche Kapital fließt vielfach direkt an die Börse.
Konzentration statt Streuung
Viele Investoren setzen dabei auf lediglich zwei heimische Technologiekonzerne: Samsung und SK Hynix. Die Hoffnung auf hohe Renditen ist groß – das Risiko allerdings ebenso.
Mit einer solchen „Strategie“ -tatsächlich ist es keine Strategie- lassen sich eventuell zwar kurzfristig beachtliche Gewinne erzielen. Sie ist jedoch sehr riskant, weil das Vermögen von der Entwicklung weniger Unternehmen und eines einzigen Marktes abhängt.
Drei Grundprinzipien erfolgreicher Geldanlage
Seit Jahrzehnten gelten drei zentrale Bausteine als Grundlage eines langfristig erfolgreichen Vermögensaufbaus:
Diversifikation
geringe Korrelation der Anlagen zueinander
ein langer Anlagehorizont ("Time in the Market")
Diese Prinzipien sollen helfen, Risiken zu reduzieren und die Wahrscheinlichkeit nachhaltiger Erträge zu erhöhen.
Was Diversifikation bedeutet
Diversifikation beschreibt die möglichst breite Verteilung eines Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen. Dazu zählen unter anderem Aktien, Anleihen, Immobilien, Gold oder Private Equity.
Doch auch innerhalb jeder einzelnen Anlageklasse spielt Streuung eine entscheidende Rolle. Statt auf wenige Titel zu setzen, wird das Kapital auf zahlreiche Unternehmen, Emittenten oder andere Investments verteilt.
Wie ein Portfolio zusammengesetzt ist, hängt von mehreren Faktoren ab – etwa von der persönlichen Risikobereitschaft, dem Anlageziel und dem geplanten Investmentzeitraum. Während wachstumsorientierte Anleger häufig einen höheren Aktienanteil wählen, bevorzugen sicherheitsorientierte Investoren meist eine defensivere Gewichtung.
Streuung innerhalb des Aktienportfolios
Eine breite Aktienanlage umfasst idealerweise verschiedene Regionen, Branchen und Unternehmensgrößen. Ebenso wichtig ist die Gewichtung der einzelnen Positionen.
Auf diese Weise verteilt sich das Vermögen nicht nur auf unterschiedliche Wirtschaftssektoren, sondern auch auf verschiedene Währungsräume und Konjunkturzyklen. Entwickelt sich ein Markt schwächer, können andere Regionen oder Branchen dies zumindest teilweise ausgleichen oder gänzlich kompensieren.
Die begleitenden Grafiken zeigen exemplarisch die regionale und sektorale Verteilung eines Aktienfonds
Diversifikation bei Anleihen
Auch Anleiheportfolios profitieren von einer breiten Streuung. Fondsmanager achten dabei unter anderem auf unterschiedliche
Laufzeiten,
Währungen,
Emittenten sowie
Bonitäten.
Dadurch wird das Risiko einzelner Schuldner, Zeit- und Währungsräume reduziert.
Warum Korrelation wichtig ist
Neben der Diversifikation spielt die Korrelation der einzelnen Anlagen eine wesentliche Rolle. Sie beschreibt, wie stark sich verschiedene Investments gleichzeitig in dieselbe Richtung bewegen.
Das Ziel besteht darin, Vermögenswerte zu kombinieren, die sich möglichst unterschiedlich entwickeln. Dadurch können Kursschwankungen im Gesamtportfolio abgefedert werden.
Ein einfaches Alltagsbeispiel verdeutlicht den Unterschied: Wer Babynahrung kauft, greift häufig auch zu Windeln – beide Produkte weisen eine hohe Korrelation auf. Laufschuhe und ein Schnitzel stehen dagegen in keinem erkennbaren Zusammenhang. Ähnlich sollte ein Portfolio möglichst unterschiedliche wirtschaftliche Einflussfaktoren vereinen.
Zeit schlägt Timing
Der dritte Erfolgsfaktor ist Geduld. Langfristiges Investieren zählt historisch zu den wirksamsten Strategien beim Vermögensaufbau.
Qualitativ hochwertige Unternehmen konnten ihren Wert über Jahrzehnte vielfach erheblich steigern. Bereits eine durchschnittliche Rendite von sieben Prozent pro Jahr führt aufgrund des Zinseszinseffekts langfristig zu einem deutlichen Vermögenswachstum. Ein Investment verdoppelt sich rechnerisch etwa alle zehn Jahre, vervierfacht sich nach rund zwanzig Jahren und wächst über längere Zeiträume entsprechend weiter.
Wer beispielsweise 20.000 Euro für ein Enkelkind in wachstumsorientierte Unternehmen investiert und mehrere Jahrzehnte investiert bleibt, kann – abhängig von der tatsächlichen Marktentwicklung – ein erheblich höheres Vermögen aufbauen. Historische Renditen sind allerdings keine Garantie für zukünftige Erträge.
Was das alles mit dem 18. Jahrhundert zu tun hat
Die aktuelle Begeisterung vieler koreanischer Anleger für wenige KI- und Technologieaktien erinnert an zahlreiche Spekulationsphasen der Vergangenheit. Immer wieder konzentrieren Investoren ihr Vermögen auf einzelne Branchen oder vermeintliche Zukunftsgewinner und vernachlässigen dabei grundlegende Regeln der Risikostreuung.
Historische Beispiele reichen von der niederländischen Tulpenmanie über den Eisenbahnboom des 19. Jahrhunderts bis zum Goldrausch oder der Euphorie rund um den Neuen Markt zur Jahrtausendwende.
Die konkreten Auslöser unterscheiden sich, das Muster bleibt ähnlich: Überzogene Erwartungen führen häufig dazu, dass Diversifikation und Risikomanagement in den Hintergrund treten. Langfristig haben sich hingegen breit aufgestellte Portfolios und ein disziplinierter Anlageansatz als erfolgreich erwiesen.
Warum machen Anleger immer wieder den gleichen Fehler?
Die Gründe dafür liegen in der Natur des Menschen und lassen sich in zwei einfachen Sätzen zusammenfassen:
Diesmal ist alles anders.
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