
Der trend-Traveller ist wieder einmal in London gewesen und hat sich umgesehen, was Besucher in diesen Tagen in der britischen Hauptstadt erwartet. Ein Update.
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Wieder einmal London. Es gab ja einmal eine Zeit, da fuhr der trend-Traveller nirgendwo lieber hin als in diese Metropole. Das ist inzwischen schon das eine oder andere Jahrzehnt her. Für alle, die sich für Kultur, Popkultur, Kino, Mode und für Lifestyle ganz im Allgemeinen interessieren, war London damals der Mittelpunkt der Welt. Kaum ein Trend, der nicht hier seinen Ursprung hatte. Die Musik spielte in den Straßen von Soho, Covent Garden oder Camden Town. Wer damals Zeit in der Stadt verbrachte, ist seiner Zeit voraus gewesen.
Und heute? Heute ist London vor allem satt und reich. Paris ist wieder einmal die Welthauptstadt in Sachen Kultur und Lifestyle, und kreative Impulse kommen aus allen möglichen Winkeln der Welt, aber immer seltener aus London. Heute sind es ganz andere Sachen, die London attraktiv machen. Hier sind einige Beobachtungen, die der trend-Traveller von seiner Reise mitgebracht hat – und einige nützliche Hinweise.
Long live the Queen
Charles ist jetzt König, und seine Popularitätskurve, so wird dem Besucher versichert, zeige stetig nach oben. Die Queen aber lieben und verehren alle immer noch. Das beweist die Ausstellung „Queen Elizabeth II. Her Life in Style“, die in der King’s Gallery im Buckingham Palast zu sehen ist. Ursprünglich sollte sie bis November gezeigt werden, weil alle Slots aber schnell komplett ausgebucht waren, wurde sie bis April verlängert. Sie zeigt die Königin als Modeikone und macht das auf eine sehr sehenswerte Art.
Der berühmteste Teppich der Welt
Um die Eintrittskarten haben sich die Engländer schon im Vorfeld gerauft. Es ist auch nicht irgendein Teppich, der bis 1. Juli im British Museum gezeigt wird, sondern der vermutlich berühmteste der Welt: der Teppich von Bayeux, der nun für einige Monate aus der Normandie nach London gebracht wird. Für Engländer hat das 70 Meter lange Stück eine nahezu mythische Bedeutung. Er erzählt die Geschichte der Schlacht von Hastings im Jahr 1066 und die anschließend Eroberung der Insel durch die Normannen. Für alle Engländer wird das die Ausstellung des Jahrzehnts sein.
Das unterschätzte Jahrzehnt
Die von Edward Enninful, dem ehemaligen Chefredakteur der britischen Ausgabe der Modezeitschrift „Vogue“, kuratierte Schau „The 90s: Art and Fashion“ beleuchtet die 1990er-Jahre als prägendes Jahrzehnt für Kunst, Design, Mode und Musik (bis 14. Februar 2027).
Eine Bar mit Aussicht
Einen wunderbaren Ausblick über London hat man von der Bar am Dach des The Chancery, des neuen Hotels der Rosewood-Gruppe, das in jenem Gebäude untergebracht ist, das einst die amerikanische Botschaft beherbergte. Die Bar selbst gewinnt vermutlich keinen Sympathiewettbewerb, der Blick von der Terrasse aber reicht über die Dächer von Mayfair bis zu den Kränen der Docklands.
Ein wiedererweckter Klassiker
„Simpson’s on the Strand“, das legendäre Traditions-Restaurant, ist wieder zurück. Hier gibt es die Klassiker der englischen Küche besser als irgendwo anders. Der ideale Ort also für den „British Roast“.
Ein Upgrade
Die einen nennen es Placemaking, die anderen Gentrifizierung. Wie auch immer: Der etwas verschlafen-biedere Stadtteil Bayswater erlebt gerade eine Verjüngungskur, die von Gabriel Chipperfield, dem Sohn des berühmten Architekten David Chipperfield, angeführt wird. Neuer Hotspot ist die Leinster Terrace mit zwei Lokalen, die der trend-Traveller an dieser Stelle empfehlen möchte: „Foreign Exchange“ und „Sol“.
You're not alone
Im Lightroom in King’s Cross ist noch bis 10. Jänner eine immersive 360-Grad-Multimedia-Show mit Performances, Interviews und anderem audiovisuellem Material mit David Bowie zu sehen.
Immer wieder
Am liebsten flaniert der trend-Traveller nach wie vor durch Marylebone. Vor allem entlang der Chiltern Street und der Marylebone High Street reihen sich Cafés, Boutiquen und Restaurants aneinander. Hier befindet sich mit Daunt Books die Lieblingsbuchhandlung des trend-Travellers.
Black Cabs vs. Robotaxis
Ab Herbst dürfen Uber und Wayve in London mit selbstfahrenden Taxis unterwegs sein. Die Betreiber der traditionellen Black Cabs rüsten zum Widerstand. Es wird ein spannendes Duell werden.
Go East
Im nordöstlichen Stadtteil Stratford, dort, wo 2012 das Zentrum der Olympischen Spiele war, ist mit dem Queen Elizabeth Olympic Park ein Kunst- und Freizeitareal entstanden, mit Museen, dem Sadler’s Wells Tanztheater, mit dem London College of Fashion, mit Studios der BBC, mit dem Schwimmstadion von Zaha Hadid und dem Olympiastadion, das jetzt als Heimstätte für den Fußballverein Westham United genutzt wird. Vom V&A East Storehouse, einer Filiale des Victoria & Albert Museums, war der trend-Traveller schwer beeindruckt. Dem Storehouse liegt eine brillante Überlegung zu Grunde: Wie kann man das gigantische Depot des Museums dem Publikum zugänglich machen? Das amerikanische Architekturbüro Diller Scofidio & Renfro hat die Idee genial umgesetzt. Ein Highlight im Storehouse: das David Bowie Centre, das Bowies immense Sammlung von Artefakten (mehr als 90.000 Stück) archiviert und präsentiert. Einige Hundert Meter weiter hat das Victoria & Albert Museum eine weitere Filiale eröffnet: Im V&A East Museum ist zur Zeit die Ausstellung „The Music Is Black. A British History“ zu sehen So ist also die Popkultur von der Straße ins Museum gekommen. Der Eintritt kostet 25 Pfund.
Der Artikel ist im trend.PREMIUM vom 4. September 2026 erschienen.