Wirtschaftsaufstand gegen E-Auto-Steuerpläne

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Die Regierungspläne zum Aus der Steuerbefreiung privat genutzter E-Dienstwagen könnte bisherige Nutznießer jährlich bis zu 2.000 Euro kosten.

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Nach einer mehrtägigen Schrecksekunde regt sich in der Wirtschaft heftiger Widerstand gegen die geplanten neuen Steuerregeln für Elektro-Dienstautos. Künftig soll die Steuerbefreiung für Privatnutzung entfallen.

Über 3.700 Unterstützer:innen innerhalb der ersten zwei Tage: Die von Biogena-Gründer und -CEO Albert Schmidbauer initiierte Onlinepetition zum Fortbestand der Sachbezugsbefreiung von privat genutzten E-Autos trifft offensichtlich einen Nerv. Arbeitgeber wie Arbeitnehmer stoßen sich an der geplanten Sparmaßnahme der Regierung. Schließlich wurden in den vergangenen Jahren in unzähligen Unternehmen Fuhrparks umgestellt, Ladeinfrastruktur aufgebaut, Leasingverträge abgeschlossen und Mitarbeitende mit dem Steuervorteil zum Umstieg motiviert. Nun soll das E-Auto-Privileg dem Budgetdruck zum Opfer fallen, E-Autos sollen wie herkömmliche Verbrenner als Sachbezug versteuert werden?

Für bisherige Nutznießer der Steuerbefreiung könnte das jeweils jährliche Einbußen am Lohnzettel von bis zu 2.000 Euro bedeuten (je nach Steuerbemessungsgrundlage und Automodell). Dazu kommen noch Mehrbelastungen aus der Sozialversicherung – auch hier gibt es bisher Ausnahmen. Die Bundesregierung erhofft sich umgekehrt im ersten Jahr 75 Millionen Euro an Mehreinnahmen, 2028 soll das Budgetplus schon 160 Millionen Euro betragen.

Bei viel Applaus in sozialen Netzwerken fordert Schmidbauer einen Bestandsschutz für alle bis Ende des Jahres abgeschlossenen Verträge. Für Unternehmen würde das Regierungsvorhaben einem Vertrauensbruch gleichkommen, so Schmidbauer. „Das ist ein Rattenschwanz von Blödheiten, die da kommen können, die alle kontraproduktiv sind“, meint Henning Heise, Obmann des Fuhrparkverbands Österreich.  

Sicht der Autobranche

Kritik kommt aus so gut wie allen nachgelagerten Branchen. Etwa von Schnellladenetzanbieter Smatrics. CEO Hauke Hinrichs: „Es ist das falsche Signal zur falschen Zeit. Fällt die Steuerbefreiung weg, wird der E-Mobilitäts- Hochlauf unnötig verlangsamt. Zumal die aktuelle Spritpreisbremse in Österreich ein völlig konträres Signal setzt.“

Besonders empört sind Autohersteller wie Polestar, die stark auf das Fuhrparkgeschäft setzen. „Gerade jetzt braucht es klare und konsistente Anreize, um den Umstieg auf emissionsfreie Mobilität weiter zu beschleunigen und Planungssicherheit zu schaffen. Eine ‚Licht an, Licht aus‘-Taktik ist absolut kontraproduktiv, sie bremst den Wandel“, ärgert sich Matthias Schabesberger, Geschäftsführer von Polestar Österreich. 

Ähnlich der chinesische Konkurrent BYD. Das Fuhrpark-Business habe in den vergangenen zwölf Monaten spürbar an Fahrt aufgenommen, klagt etwa Danijel Dzihic, Managing Director in Österreich, und die Aufhebung der Steuerbefreiung sei ein „herber Schlag“, der den Prozess rasch einbremsen könnte. 

Naturgemäß wenig begeistert ist auch der E-Auto-affine Teil des Autohandels: „Es ist ein Frontalangriff auf die E-Mobilität, die Planungssicherheit ist weg, das Vertrauen ist weg, und noch ist nicht einmal genau definiert, für wen das alles gelten soll“, so etwa Händler Harald Kaufmann aus Zell am See. 

Immerhin: Gänzlich gleichgestellt mit Verbrennern sollen E-Dienstwägen auch künftig nicht werden. Der Sachbezugswert soll mit monatlich 0,75 Prozent des Anschaffungswerts unter den 1,5 bis zwei Prozent von Verbrennern liegen. Emissionsfreie Fuhrparks bleiben damit die etwas günstigere Variante. 

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