
Wifo-Chef Gabriel Felbermayr und IHS-Chef Holger Bonin (v.l.)
©APA/Roland SchlagerÖsterreichs Wirtschaft soll trotz Iran-Krieg und Energiepreisschock heuer um 0,8 Prozent (IHS) bzw. 0,9 Prozent (Wifo) wachsen.
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Das Wifo bestätigte am Donnerstag die BIP-Prognose für 2026, das IHS erhöhte die Wachstumsaussichten um 0,3 Prozentpunkte. „Das ist nicht stürmisch, das ist ganz passabel angesichts der Krisen“, kommentierte Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr die Wachstumszahlen. Für IHS-Direktor Holger Bonin ist die Wirtschaft „noch einmal davongekommen“.
Die Iran-USA-Verhandlungen über ein dauerhaftes Kriegsende haben zuletzt die Öl- und Spritpreise wieder stark sinken lassen. Die Unsicherheit sei aber weiter hoch, sagte Felbermayr bei der Präsentation der Konjunkturprognose am Donnerstag in Wien. Die heimische Inflation soll heuer 3,0 Prozent (IHS) bzw. 3,2 Prozent (Wifo) betragen.
Als Glücksfall für das Wachstum bezeichnete der Wifo-Chef die Datenrevision der Statistik Austria Anfang Juni. Die Statistiker revidierten das Wirtschaftswachstum im Jahr 2025 von 0,6 auf 0,8 Prozent nach oben. Dadurch steige die Wachstums- und Steuerbasis auch für das laufende Jahr. „Fundamental hat sich wenig geändert“, sagte der IHS-Chef mit Blick auf die verbesserten Wachstumsaussichten 2026.
„Nur leichte Wachstumsdelle“ wegen Iran-Krieg
Sollte der Iran-Krieg final zu einem Ende kommen, dann werde es nur „eine leichte Wachstumsdelle“ geben, so der IHS-Direktor. Der Energie-Preisschock sei „nach derzeitigem Stand nicht so heftig ausgefallen wie beim Ukraine-Krieg“. Mit dem Rückgang der Energiepreise werde die Konjunktur ab der zweiten Jahreshälfte wieder an Schwung gewinnen, schreibt das Wifo in seiner aktuellen Konjunkturprognose. Das Institut für Höhere Studien (IHS) rechnet im zweiten und dritten Quartal 2026 noch mit einer Stagnation der österreichischen Wirtschaftsleistung, die heimische Wirtschaft soll erst gegen Jahresende wieder an Fahrt gewinnen.
Die Realeinkommen in Österreich schrumpfen heuer aufgrund der hohen Inflation. Dies dämpft die Konsumausgaben der privaten Haushalte. Wegen des schwachen Wachstums der Konsumausgaben wird für den Handel im laufenden Jahr nur ein leichtes Plus erwartet.
Aufwärtstrend für Österreichs Industrie und Exportwirtschaft
Für das kommende Jahr erhöhten die IHS-Wirtschaftsforscher ihre Wachstumsprognose für das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Die Wifo-Ökonomen erwarten für 2027 nun ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent, um 0,2 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Prognose im April. Österreichs Industrie und Exportwirtschaft dürften bis Ende 2027 wieder am weltweiten Aufschwung teilhaben, erklärten die Wirtschaftsforscher. Die heimische Industrie wächst wieder seit Anfang 2025, aber Felbermayr verwies auf sinkende Gewinnmargen für die Industriebetriebe.
Bauwirtschaft als Problemzone
Österreichs Bauwirtschaft ist laut dem Wifo-Chef bereits das achte Jahr „im Abschwung“. Nachdem sich die Bundesregierung im Vorjahr und heuer intensiv mit der Industriestrategie beschäftigt habe, müsse man sich nun dem Bausektor zuwenden. Felbermayr empfiehlt Bund, Ländern und Gemeinden, den Budget-Sparstift nicht vor allem bei den Bauinvestitionen anzusetzen. Dies würde in der Bauwirtschaft zu weniger Kapazitäten und höheren Preisen führen. Bei der Komplettsanierung von Altbau-Häusern kann sich der Wirtschaftsforscher vorstellen, diese Immobilien aus dem Anwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes (MRG) auszunehmen und damit freie Mieten zu ermöglichen. Auch Bonin wünscht sich eine „Generalüberholung“ des fragmentierten Mietrechts in Österreich. Ein Widerspruch sei die schwache Bauaktivität hierzulande und die wachsende Bevölkerung in Österreich.
Scharfe Kritik an Umsetzung der Mehrwertsteuer-Senkung
Der Iran-Krieg und die gestiegenen Rohöl- und Erdgaspreise haben heuer von März bis Mai die Inflation in Österreich sprunghaft erhöht und die Unternehmens- und Verbraucherstimmung gedämpft. Seit Mitte Mai sinken die Öl- und Spritpreise wieder und näherten sich zuletzt dem Vorkrisenniveau wieder an. IHS und Wifo gehen im kommenden Jahr von einem Rückgang der Inflation um 0,7 bzw. 0,8 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent bzw. 2,4 Prozent aus.
Um die Teuerung zu dämpfen, hat die Regierung die Senkung der Mehrwertsteuer bei ausgewählten Grundnahrungsmitteln von 10 auf 4,9 Prozent ab 1. Juli beschlossen. Als teilweise Gegenfinanzierung wurde eine Paketsteuer auf den Weg gebracht. Generell den ermäßigten Steuersatz von 10 Prozent zu senken, sei „eigentlich eine gute Idee“, so der Wifo-Chef. Die Umsetzung der Mehrwertsteuersenkung durch die Regierung bezeichnete Felbermayr als „enttäuschend“ und „ein Riesendesaster“, er selbst hätte für eine umfassendere Senkung der Steuer plädiert. Die Gegenfinanzierung habe er sich nicht gewünscht.
Arbeitslosenzahlen sollen 2027 sinken
Die schwache Wirtschaftsentwicklung in den vergangenen Jahren belastet den Arbeitsmarkt. Seit Frühjahr 2023 steigen die Arbeitslosenzahlen. Die nationale Arbeitslosenquote stieg von 6,3 Prozent im Jahr 2022 bis auf 7,4 Prozent im Jahr 2025. Im laufenden Jahr erwarten Wifo und IHS noch einen Anstieg der Arbeitslosenrate auf 7,5 Prozent. Im Jahr 2027 soll die Arbeitslosenquote dann auf 7,3 Prozent sinken.