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Scholl wurde zum geschäftsführenden Vorstandsmitglied bestellt, Ganner zum 2. Geschäftsführer ernannt. Vorangegangen war die frühzeitige, einvernehmliche Auflösung der Verträge von Pig. "Nach zehn erfüllenden und erfolgreichen Jahren an der Spitze der APA freue ich mich sehr, den Führungsstab innerhalb des etablierten Managements der österreichischen Nachrichtenagentur-Gruppe weiterzugeben", wurde der designierte ORF-Chef zur neuen interimistischen Führung in einer Aussendung zitiert. APA-Vorstandsvorsitzender Hermann Petz und Aufsichtsratsvorsitzende Ingrid Thurnher dankten Pig für die "erfolgreiche Führung der APA in den vergangenen zehn Jahren" und freuen sich "auf die Zusammenarbeit mit Maria Scholl und Klemens Ganner, die das Unternehmen bestens kennen und damit eine nahtlose Übergangsphase gewährleisten".
Scholl, geboren am 25. Oktober 1984, steht seit 2023 an der Spitze der APA-Redaktion. Die 41-jährige Wienerin studierte vergleichende Literaturwissenschaft und Psychologie und promovierte zu Methoden der Leseforschung. Sie ist bereits seit 2007 und damit bald 20 Jahre für die APA tätig. Ab 2010 war sie Redakteurin für Kultur und Wissenschaft, nahm ab 2018 regelmäßig die Funktion der Newsmanagerin/Chefin vom Dienst wahr und stieg 2019 zur stv. Chefredakteurin auf. Dabei verantwortete sie u.a. zentrale Struktur- und Technologieprojekte für die Redaktion. 2025 wurde Scholl zudem zur Präsidentin des Vereins der Chefredakteurinnen und Chefredakteure gewählt.
Ganner, geboren am 18. Mai 1976, studierte in Wien und Illinois Betriebswirtschaft und trat 2003 in die APA ein. Er betätigte sich in seiner Anfangszeit etwa im Business Development und Key Account Management. 2009 übernahm der 50-jährige gebürtige Wiener die Geschäftsführung der Bildagentur PictureDesk - heute: APA-Images - und wurde 2016 zum Geschäftsführer des Tochterunternehmens APA-DeFacto - heute: APA-Comm - ernannt. Seit 2019 ist er zudem Prokurist der Austria Presse Agentur. 2023 übernahm er zusätzlich zur APA-Comm-Geschäftsführung die Rolle des Chief Operating Officer (COO) der APA-Gruppe.
Der APA-Redaktionsbeirat begrüßte die Entscheidung, Scholl interimistisch mit dem Vorsitz der Geschäftsführung zu betrauen. Sie habe als Chefredakteurin bewiesen, dass "für sie journalistische Exzellenz, faktenbasierte Berichterstattung und Unabhängigkeit von jeglichen Einflüssen an oberster Stelle stehen", hieß es in einer Aussendung. Ihre Ernennung erachte man als "Bekenntnis der APA-Eigentümer zu Stabilität, Verlässlichkeit und Unabhängigkeit". Auch dem neuen zweiten APA-Geschäftsführer Ganner und dem scheidenden APA-CEO Pig wünschte der Redaktionsbeirat viel Erfolg. "Wir hoffen, dass es ihm gelingen wird, den ORF in ruhigere Fahrwasser zu führen und die Unabhängigkeit seiner Redaktionen zu verteidigen."
Indes freue man sich auf die Zusammenarbeit mit Katharina Schell und Christian Kneil. Die beiden stv. APA-Chefredakteure werden die APA-Chefredaktion interimistisch führen, während sich Scholl aus der operativen Führung der Redaktion zurückzieht. "Wir begrüßen diesen Schritt, in dem wir ebenfalls ein Bekenntnis zur Unabhängigkeit der Redaktion erkennen", so der APA-Redaktionsbeirat, der an "die gute Übung von Besetzungen der Führungspositionen aus dem Kreise der Redaktion" erinnerte. Er pochte darauf, dass dies auch bei künftigen Bestellungen der Fall sein solle.
Das vergangene Geschäftsjahr ist für die APA positiv verlaufen. Der Konzernumsatz ging 2025 zwar um 2,8 Mio. Euro auf 77,5 Mio. Euro zurück, was jedoch auf den Verkauf des Tochterunternehmens Gentics Software GmbH zurückzuführen ist. Bereinigt um diesen Effekt steigerte die APA-Gruppe ihren Umsatz um 0,9 Prozent. Das operative Ergebnis (EBIT) erhöhte sich auf 5,5 Mio. Euro nach 3 Mio. Euro im Vorjahr. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) belief sich auf 3,8 Mio. Euro nach 2,3 Mio. Euro im Jahr 2024. Der Personalstand nach Vollzeitäquivalenten sank von 516 auf 474, wobei 26 der Stellen aus dem Verkauf von Gentics resultieren.
Am Mittwoch wurden zudem Änderungen in den APA-Gremien vorgenommen. Ingrid Thurnher (ORF) wechselt vom Vorstand in den Aufsichtsrat der APA und übernimmt dort den Vorsitz. Im Vorstand wurde Alexander Mitteräcker ("Standard") zum stv. Vorsitzenden gewählt. Harald Kräuter (ORF) und Oliver Pokorny ("Kleine Zeitung") treten neu in den Vorstand ein. Hubert Patterer ("Kleine Zeitung") scheidet aus diesem aus. Das Präsidium des APA-Vorstands setzt sich damit aus Hermann Petz ("Tiroler Tageszeitung") als Vorsitzendem, Eugen A. Russ ("Vorarlberger Nachrichten") und Mitteräcker als stv. Vorsitzende sowie Maria Scholl (APA) als geschäftsführende Vorständin zusammen. Das Präsidium des Aufsichtsrats bilden Thurnher als Vorsitzende sowie Richard Grasl ("Kurier") und Markus Mair (Styria) als ihre Stellvertreter.
Die APA legte 2025 u.a. einen Fokus auf die Entwicklung des neuen Redaktionssystem "FIRST by APA". Mit "Agenda" wurde mittlerweile ein erstes Modul implementiert. Die hauseigene Bildagentur firmiert seit November unter dem Namen APA-Images, und der Bildbestand wurde in die zentrale Recherche- und Planungsplattform APA-NewsDesk integriert und um semantische KI-Suche für Bilder sowie partielle KI-Gesichtserkennung ergänzt. Die Gesellschaften APA-OTS und APA-DeFacto wurden im Vorjahr rechtlich unter dem Dach der APA-Comm GmbH zusammengeführt.
2026 steht im Zeichen der Entwicklung eines Strategieupdates für die Jahre 2027 bis 2030. Im laufenden Jahr legte die APA mit dem Programm "APA[2]AI" bereits die nächste Evolutionsstufe ihrer KI-Strategie vor. Sie umfasst das gesamte Leistungs-, Produkt- und Serviceportfolio der APA-Gruppe. Herzstück ist die Aufbereitung des APA-Nachrichtenstroms als vertrauenswürdige Basis für agentische Verwendung durch KI-Infrastruktur in Kundennewsrooms. Im März wurde mit "AustroBERT" in Kooperation mit der AI Factory Austria AI:AT ein selbst entwickeltes KI-Modell realisiert, welches als Grundlage für die Kategorisierung von Medientexten dient.