ORF-Bewerber absolvierten drei Präsentationsrunden

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Höfer, Breitenecker, Totzauer, Pig, Larcher, Moderatorin Wallner
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Am Ende eines langen Schaulaufens der Anwärter auf den am 11. Juni zu vergebenen ORF-Chefsessel meinte Lisa Totzauer am Dienstagabend, man habe bereits erwogen, zusammenzuziehen. Vier der Kandidatinnen und Kandidaten absolvierten im Funkhaus auf Einladung des NEOSLab nämlich bereits die dritte Frage- und Vorstellungsrunde des Tages. Und wie zuvor war man sich auch hier einig: Österreich zuerst, Kooperation statt Konkurrenz, Vertrauen wiederherstellen statt weiterwurschteln.

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Den Anfang machte in der Früh eine Runde auf Einladung des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft in der Wirtschaftskammer. Eingeladen waren APA-CEO Clemens Pig, der Ex-Geschäftsführer von ProSiebenSat.1Puls4 Markus Breitenecker, Johannes Larcher, der primär im Ausland große Unternehmen wie HBO MAX und Hulu managte, ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer, ORF III-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz sowie "Exxpress"-Herausgeberin Eva Schütz. Sie zählen wohl zu den aussichtsreichsten jener 13 Kandidatinnen und Kandidaten, denen die Findungskommission des ORF-Stiftungsrats attestiert hatte, die Ausschreibungskriterien zu erfüllen und somit für die Wahl nominierbar zu sein.

Österreichische Filmproduzenten stellen rund 40 Prozent des ORF-Programms her. Nach den Diskussionsteilnehmern könnte das durchaus noch mehr werden. Sie eint, dass sie einen Fokus auf österreichische Inhalte legen und verstärkt auch jüngere Leute ansprechen wollen. Den Produzenten sichern sie mehr Planungssicherheit zu. Der Fokus müsse zudem auf regionaleres Programm gelegt werden, betonte Larcher. "Da kann kein HBO, kein Netflix mit", meinte er und outete sich als Fan der vom Medienministerium in Aussicht gestellten Streamingabgabe, die internationale Giganten u.a. zu Investitionen in den heimischen Markt verpflichten soll. Eva Schütz würde auch österreichischer Musik mehr Raum bieten, Totzauer den Österreich-Anteil auf Ö3 um zehn Prozent erhöhen.

Die zweite Etappe absolvierte das Sextett bei der Aufzeichnung von "Breaking Media Spezial", das am Dienstagabend um 22.20 Uhr auf Puls 4 und Joyn zu sehen ist. Diesmal ging es mitunter auch hitzig zu, etwa als Larcher im Laufe der Diskussion Pig als "Systemkandidaten" bezeichnete, da er Zuspruch aus der Politik erhalten habe. Diesen Zuspruch habe er sich nicht ausgesucht, konterte Pig und nannte es eine "bodenlose Frechheit", ihn so zu bezeichnen. Er sei sein ganzes Leben politisch unabhängig gewesen, so Pig, der wie auch etwa Larcher oder Breitenecker zu Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) zu einem Gespräch über den Medienstandort und den ORF eingeladen war. Larcher bezeichnete dieses als "freundlich, gut". Dass er zu wenig Einblick in den österreichischen Medienmarkt habe, da er die vergangenen Jahrzehnte im Ausland tätig war, verneinte er. Er habe Österreich immer sehr aufmerksam verfolgt und sich wiederholt in neue Märkte eingearbeitet.

Breitenecker betonte, er sei vor rund zehn Jahren einer der ersten gewesen, die aufgrund des massiven Drohpotenzials durch internationale Giganten auf Kooperation von öffentlich-rechtlichen mit privaten Sendern gepocht habe. Totzauer und Zierhut-Kunz betonten ihre langjährige und umfassende ORF-Kenntnis, die von Vorteil sei, Schütz will u.a. Stringenz in die Gehaltspyramide bringen. Sparpotenzial orteten alle sechs - und gespart werden muss angesichts der von der Regierung angekündigten Sparpläne zweifellos.

Die abendliche Schlussrunde ganz ohne Flaggen oder Karten als Hilfsmittel, dafür mit der Gelegenheit zu einführenden vierminütigen "Pitches" absolvierte dann eine Fünfer-Runde. Neben Breitenecker, Larcher, Pig und Totzauer war Ex-ORF-Managerin Petra Höfer eingeladen, die sich trotz vergangener Rechtsstreitigkeiten mit dem ORF beworben hat, weil ihr das Unternehmen "am Herzen liegt". Themen wie Unabhängigkeit, Glaubwürdigkeit, das Zurückgewinnen junger Zielgruppen, wirtschaftliche Stärke, eine neue Unternehmenskultur und regionales Programm erwiesen sich als Schwerpunkte, auf die kaum einer verzichten mochte.

Kritik brachte Larcher an manchen Infosendungen des ORF - etwa bei der "ZiB2" - an: Da gebe es "Grauzonen"-, wo nicht mehr klar sei, ob es sich um Meinung oder reine Info handle. ORF 1 sei wahrscheinlich "größtes Sorgenkind" der Senderflotte. Dort müssten mehr Experimente stattfinden, um ein wesentlich jüngeres Publikum anzusprechen. Der TV-Sender müsste stärker auf Unterhaltung zugeschnitten werden, sagte er.

Breitenecker will den ORF raus aus einer "Teufelsspirale der schlechten Stimmung" holen. Eine neue unternehmerische Vision sei gefragt. "Sparen ja, aber das ist nicht alles", sagte er. Man müsse neue Erlösquellen generieren. Das große Studio im ORF-Zentrum könne man etwa auch kommerziell nutzen. Die volle Konzentration will er auf ORF ON legen, um die Anschlussfähigkeit bei jüngeren Zielgruppen zu wahren.

Totzauer konfrontierte ihn damit, dass unter ihm als P7S1P4-Geschäftsführer vielfach kritisierte Sendungen wie "Geschäft mit der Liebe" zu sehen waren. "'Geschäft mit der Liebe' ist eine furchtbare Sendung", sagte Breitenecker. Sie sei aber nicht von ihm erfunden worden.

Pig betonte, die Redaktion und deren Qualität wie ein "Bollwerk" schützen zu wollen. "Ich weiß, was Interventionen sind und weiß, wie man damit umgeht", sagte er nach zehn Jahren an der Spitze der Nachrichtenagentur APA. Er gilt schon seit vielen Wochen als Favorit - nicht zuletzt aufgrund von Äußerungen aus der Politiksphäre. Wie will er beweisen, dass er niemandem etwas schuldet? Pig nannte eine "moderne Direktionsstruktur" und die Personalauswahl als Gradmesser dafür.

Zunächst aber treffen die 35 Stiftungsräte ihre Wahl. Wer am 11. Juli letztlich in die Endrunde kommt, muss von mindestens einem Mitglied des Stiftungsrates nominiert werden. Medienberichten zufolge kommen dafür neben den sieben, die sich am Dienstag öffentlich präsentieren durften, auch der Ex-ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger, der deutsche Medienmanager Torsten Prenter, Unternehmensberater Ernst Primosch, die beim Schweizer SRF in der Unternehmensentwicklung tätige Kathrin Ruther, Ex-ORF-Journalistin Sonja Sagmeister und der ehemalige "Universum"-Chef Andrew Solomon, in Frage. Zumindest erfüllen sie laut der Findungskommission des ORF-Stiftungsrats die Ausschreibungskriterien.

(v.l.) Ex-ORF-Managerin Petra Höfer, Ex-ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer, APA-CEO Clemens Pig, Ex-HBO-MAX-Manager Johannes Larcher und Moderatorin Anna Wallner (Die Presse) im Rahmen einer öffentlichen Präsentation der Bewerber:innen zur ORF-Generaldirektoren-Wahl am Dienstag, 2. Juni 2026, in Wien.

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