Großes Interesse für die ORF-Generaldirektion

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Dutzende Personen haben sich für die ORF-Generaldirektion beworben
 © HARALD SCHNEIDER, Themenbild, Apa
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Lange hat es gedauert, bis sich mit ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer Mitte Mai eine erste Bewerberin für die ORF-Generaldirektion aus der Deckung gewagt hat. Bis Bewerbungsschluss in der Nacht auf Freitag haben sich laut APA-Informationen Dutzende Personen für den Spitzenjob beworben. Öffentlich kundgetan hatten dies bereits erfahrene Medienmanager wie APA-CEO Clemens Pig, Ex-ProSiebenSat.1Puls4-Chef Markus Breitenecker und Johannes Larcher, der schon bei HBO MAX Manager war.

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Wie viele der Bewerberinnen und Bewerber die Ausschreibungskriterien erfüllen und zu einem Hearing eingeladen werden, entscheidet sich am Montag, wenn eine Findungskommission des ORF-Stiftungsrats zusammentritt. Folgende Personen können wohl damit rechnen, dass sie von einem ORF-Stiftungsrat oder einer ORF-Stiftungsrätin nominiert werden:

Clemens Pig wird schon seit Wochen als heißester Anwärter auf den Topposten im öffentlich-rechtlichen Medienhaus gehandelt. Der 51-jährige gebürtige Tiroler steht seit 2016 an der Spitze der APA - Austria Presse Agentur, die er wirtschaftlich erfolgreich führte. Er gilt als Verbinder, der mit beinahe allen größeren Medien im Land regelmäßig zu tun hat, ist die APA doch eine Genossenschaft im Eigentum des ORF und vieler österreichischer Tageszeitungen. Pig tritt zudem als vehementer Befürworter von Kooperationen am heimischen Medienmarkt auf, um mit sauberen Informationen gegen die Big-Tech-Giganten und deren Plattformen zu bestehen. In den vergangenen Wochen wurde kolportiert, dass Pig die Unterstützung der Regierung bzw. ihr nahestehender Stiftungsräte hat. In einem Interview mit dem "Standard" zeigte er sich am Donnerstag "bass erstaunt, in welcher Geschwindigkeit man schubladisiert wird". Das sei ihm in 30 Berufsjahren noch nie passiert. "Mein ganzes Berufsleben ist von Unabhängigkeit geprägt, und das wird auch so bleiben", sagte Pig und stellte klar: "Ich habe keine Zusage für die Funktion des ORF-Generals. Weder von der Kanzlerpartei, noch von anderen Regierungsparteien, noch von einer Oppositionspartei, auch nicht vom lieben Gott."

Viel Erfahrung aus dem Privatfernsehsektor bringt Markus Breitenecker mit. Er baute Österreichs größte Privatsendergruppe ProSiebenSat.1Puls4 maßgeblich mit auf und lieferte sich lange Zeit hitzige Debatten mit dem damaligen ORF-Chef Alexander Wrabetz. Vor etlichen Jahren schwenkte er aber um und betonte fortan die "Power of Cooperation". Er ging auch immer wieder Kooperationen mit dem ORF ein und startete die Streamingplattform Joyn als Sammelbecken Dutzender Sender - darunter auch ORF und ServusTV. Breitenecker betätigte sich bis vor rund einem halben Jahr beim deutschen Mutterkonzern von ProSiebenSat.1Puls4 als Chief Operating Officer (COO), wobei er u.a. für den Entertainmentbereich zuständig war. Nach einer Machtübernahme durch den italienischen Medienkonzern MFE ging der 57-jährige Wiener allerdings von Bord und dockte seitdem bei keinem neuen Unternehmen an.

Lisa Totzauer hat schon Erfahrung mit Bewerbungen für die ORF-Generaldirektion. Die Mittfünfzigerin ritterte bereits 2021 um den Chefsessel und kam damals auf fünf der 35 Stimmen im ORF-Stiftungsrat. Monate später wurde sie zur ORF-TV-Magazinchefin bestellt. Zuvor betätigte sie sich in ihrer 30-jährigen ORF-Karriere u.a. als Channelmanagerin von ORF 1. Sie will bei den Stiftungsräten mit einem "tiefen Verständnis" vom ORF sowie Reformdrang punkten und positioniert sich als unabhängige Kandidatin.

Johannes Larcher war vor seiner Bewerbung hierzulande nur absoluten Kennern ein Begriff. International managte er aber bereits einige gewichtige Unternehmen. Darunter die Streamingplattform Hulu und den arabischsprachigen Streamer Shahid. Von Gerhard Zeiler, Österreichs erfolgreichsten Medienmanager im Ausland, wurde er 2020 zu Warner Media geholt. Dort kümmerte sich Larcher für zwei Jahre als Head of HBO MAX Global darum, dass der Streamingdienst in weitere Teile der Welt ausgerollt wurde. Aber auch den ORF hat Larcher schon kennengelernt - wenn auch vor rund 35 Jahren: Er arbeitete als Produzent an der Sendung "Kunst-Stücke".

Kathrin Zierhut-Kunz ist wohl ebenso für ein Hearing gesetzt. Die ORF III-Co-Geschäftsführerin betätigt sich seit über 15 Jahren im öffentlich-rechtlichen Medienhaus, wobei sie primär mit Finanzen und Personal zu tun hatte - etwa als Leiterin der ORF-Abteilung für Personalentwicklung oder seit 2022 als Kaufmännische Leiterin von ORF III. Sie kenne die Herausforderungen des Hauses und wolle nun für einen "modernen, effizienten und glaubwürdigen" ORF sorgen, hielt sie zu ihrer Bewerbung fest. Vor rund 30 Jahren betätigte sie sich für die FPÖ als Bezirksrätin in Wien.

Überschaubare Chancen bei der Wahl werden Eva Schütz eingeräumt. Die 52-Jährige ist Herausgeberin des umstrittenen Online-Boulevardmediums "Exxpress", das u.a. immer wieder mit Attacken gegen den ORF auffällt. Schütz hat sich vor dem Start von "Exxpress" im Jahr 2021 etwa als Leichtathletin, Rechtsanwältin und im Kabinett des ÖVP-geführten Finanzministeriums der ÖVP-FPÖ-Regierung unter Sebastian Kurz betätigt.

Wohl auch in einer klaren Außenseiterposition befindet sich Robert Altenburger, der frühere Chefredakteur von ServusTV, der seit zehn Jahren nach eigenen Angaben als freiberuflicher Konsulent für verschiedene Programmdirektionen der ARD tätig ist. Dazu bringt er ein Vierteljahrhundert ORF-Erfahrung (Leitung Programmentwicklung und Programmplaner) mit. Als Vorhaben nennt Altenburger u.a. den Ausbau von Programmen aus den Bundesländern, einen verstärkten Online-Fokus und neue non-lineare Programmangebote für Unter-30-Jährige.

Ebenfalls bekannt, aber wohl chancenlos ist Sonja Sagmeister. Die Journalistin wurde vor mehreren Jahren vom ORF gekündigt und ging daraufhin gegen das öffentlich-rechtliche Medienhaus vor. Im Vorjahr stellte das Oberlandesgericht Wien (OLG) fest, dass die Kündigung unrechtmäßig erfolgte. Öffentlich gemacht hat seine Bewerbung auch Ernst Primosch. Der Unternehmensberater aus Klagenfurt führt gegenwärtig die Geschäfte der BOC Gruppe. Ob er zu einem Hearing eingeladen wird, ist fraglich.

Definitiv keine Stimmen wird die gegenwärtige ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher am 11. Juni bei der Wahl erhalten. Sie reichte keine Bewerbung ein und begründete das damit, so bis Jahresende mehr Freiheit zu haben, um mit Missständen im ORF aufzuräumen.

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