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Der Medienmanager Clemens Pig galt schon seit Wochen als Favorit im Rennen um den ORF-Chefsessel. Mit der Abgabe seiner Bewerbung, die unter dem Motto "Ein ORF, dem Österreich vertraut" steht, habe er die APA-Eigentümer ersucht, seinen Geschäftsführer-Vertrag aufzulösen. "Das soll einerseits die Integrität der APA wahren und gleichzeitig mein Commitment zum ORF zum Ausdruck bringen", stellte er klar. "Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen", sagte Pig. "Es gibt zwei Institutionen in Österreich, die vom Geschäftsmodell her auf Public Value ausgerichtet sind - das ist der ORF im öffentlich-rechtlichen Auftrag und die APA im privaten Auftrag." Der ORF-Chefposten sei mit "wesentlich mehr Kompetenz verbunden als die eines klassischen Medien- oder TV-Managers, sondern es geht insbesondere darum, auch mit persönlicher Glaubwürdigkeit, Integrität und Leib und Seele diesen Public Value Gedanken glaubhaft zu repräsentieren und dafür einzustehen - und das nehme ich aus der APA mit."
"Der ORF steht vor der Herausforderung, den Gürtel enger zu schnallen und trotzdem den gesetzlichen Programmauftrag zu erfüllen", so Pig im APA-Gespräch. "Das ist eine Herkulesaufgabe. Dafür braucht es einen kühlen Kopf, eine klare Hand und ganz bestimmt jemanden, der weiß, wie man Medienunternehmen in die Zukunft transformiert, aber auch jemanden, der weiß, wie Kooperation geht." Dies glaube er, aus der APA mitzubringen. "Der ORF ist ein tolles Unternehmen mit ausgezeichneten und hoch qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es gibt jetzt finanzielle Themen, die zu bewerkstelligen sind, es gibt aber auch Vertrauensthemen. Der ORF muss jetzt mit Vertrauen und Vision in diese Erneuerung gehen, und dabei stehen neue Formate für das Publikum neben einer unabhängigen faktenbasierten Berichterstattung ganz zentral im Zentrum meiner Bewerbung."
"Ich habe keine Zusage für die Funktion des ORF-Generals. Weder von der Kanzlerpartei, noch von anderen Regierungsparteien, noch von einer Oppositionspartei, auch nicht vom lieben Gott", erklärte Pig im Interview mit dem "Standard". "Ich bin wirklich bass erstaunt, in welcher Geschwindigkeit man schubladisiert wird, wenn man für eine Position im ORF genannt wird. Das ist mir in 30 Berufsjahren und auch privat noch nie passiert. Mein ganzes Berufsleben ist von Unabhängigkeit geprägt, und das wird auch so bleiben." Er gehe davon aus, "dass alle qualifizierten Kandidatinnen und Kandidaten zum Hearing eingeladen werden".
Darüber wird eine Findungskommission des ORF-Stiftungsrats entscheiden, die am Montagnachmittag zusammentritt, um zu beurteilen, welche der Bewerberinnen und Bewerber die Ausschreibungskriterien erfüllen. Wer hier besteht, muss von einem der 35 Stiftungsräte nominiert werden, um bei der ORF-Wahl am 11. Juni zur Auswahl zu stehen. Neben Pig und Breitenecker könnte dies auch Johannes Larcher sein. Der Österreicher ist hierzulande den Wenigsten ein Begriff, hat aber international bereits einige gewichtige Unternehmen gemanagt. Er betätigte sich etwa bei der Streamingplattform Hulu, dem arabischsprachigen Streamer Shahid und bei HBO MAX in der Führungsetage. Beim ORF war er Anfang der 90er-Jahre kurz als Produzent tätig. Sein heute abgegebenes Konzept trage das Motto "Ein ORF dem Österreich vertraut. Unabhängig. Zukunftsorientiert. Effizient.", ließ er wissen: "Der ORF braucht echte Erneuerung - keine Schönheitskorrekturen."
Zierhut-Kunz begründete ihre Bewerbung damit, dass "ich das Unternehmen aus langjähriger Führungsverantwortung und genauer Kenntnis seiner Strukturen, Abläufe und Potenziale kenne", heißt es in einem der APA übermittelten Statement. "Mein Ziel ist ein moderner, effizienter und glaubwürdiger ORF, der seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag mit Qualität, Relevanz und Verantwortung erfüllt". Als Geschäftsführerin von ORF III kenne sie die Herausforderungen des Hauses aus operativer Verantwortung. "Mit meiner Kandidatur verbinde ich den Anspruch, den ORF strukturell weiterzuentwickeln und die journalistische Qualität nachhaltig zu stärken."
Journalistin Sonja Sagmeister, die in den vergangenen Jahren nach einer Kündigung juristisch gegen den ORF vorgegangen war und dabei vom Oberlandesgericht Wien (OLG) in zweiter Instanz Recht bekam, tritt in ihrer Bewerbung "gegen Einfluss von außen und für unabhängigen Journalismus" ein: "Je mehr Kandidaten/innen sich bewerben, desto besser, da es die Bedeutung des ORF stärkt und Menschen zum Diskutieren anregt, wohin der öffentlich-rechtliche Sender mit mehr als einer Milliarde Budget gehen soll." Auch der Publizist Manfred Greisinger (Edition Stoareich) reichte auf den letzten Metern seine Bewerbungsunterlagen ein. Wie groß das Feld der Kandidatinnen und Kandidaten tatsächlich ist, steht erst um Mitternacht fest. Dann endet die Bewerbungsfrist.
Eine nahm sich am Donnerstag aus dem Rennen: ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher gab bekannt, sich nicht für die Periode ab 2027 zu bewerben. In einem der APA vorliegenden Schreiben an die ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter begründete Thurnher ihre Entscheidung damit, dass ihr in der verbleibenden Zeit so mehr Freiheit bleibe, um Missstände aufzuarbeiten, die richtigen Weichen zu stellen und das Vertrauen in den ORF zu stärken. "Ich muss nicht taktieren, ich muss nicht tun, was opportun ist", schrieb Thurnher.