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Konkret wurde zwischen den Gewerkschaften GPA und vida und der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) paktiert, dass ab April 2026 IST-Gehälter um 2,4 Prozent steigen, KV-Mindestgehälter, Zulagen und Lehrlingsgehälter um 2,6 Prozent erhöht werden. Ab Jänner 2027 wurde eine einheitliche Steigerung von zumindest 2,3 Prozent vereinbart. Zusätzlich einigte man sich auf einen Korridor zur Inflationsabsicherung zwischen 2,3 und 2,7 Prozent, in dem die Inflation jeweils zur Hälfte abgegolten werden soll.
Darüber hinaus ist man übereingekommen, einen Anspruch auf Erhöhung des Wochenstundenausmaßes für Teilzeitbeschäftigte einzuführen. Für Eltern von Kindern mit Behinderung soll es eine ausgebaute Pflegefreistellung geben. Zivildienst und Präsenzdienst werden als Vordienstzeiten anerkannt und die Altersteilzeit wird den neuen gesetzlichen Regelungen angepasst.
Die am Montag startende, bereits fünfte Verhandlungsrunde stand unter der Streikdrohung der Arbeitnehmer. Dafür hatte die Gewerkschaft bereits vorsorglich einen entsprechenden Streikbeschluss gefasst. Wäre es zu keinem Abschluss gekommen, hätten von 28. bis 30. Jänner österreichweit "ausgedehnte Streiks" stattgefunden. Bereits im Dezember hatte es Warnstreiks gegeben.
Die Verhandlungen hatten bereits im Oktober begonnen. Seitdem beharrte die Gewerkschaft auf einer Lohnerhöhung in Höhe von vier Prozent und diverse Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Die Arbeitgeberseite zeigt prinzipiell Verständnis, verwies aber wiederholt auf die schlechten Rahmenbedingungen. Am Montag signalisierten die Gewerkschaften, eventuell von der kategorischen Forderung nach vier Prozent Gehaltsplus abzurücken.
Mit dem Zweijahresabschluss zeigten sich nun beide Seiten zufrieden. Für GPA-Verhandlerin Eva Scherz bedeutet dieser "gute Fortschritte im Rahmenrecht, ist auf der Einkommensseite aber ein harter Kompromiss". Ohne die starke Mobilisierung in zwei Streikrunden wäre kein Abschluss möglich gewesen, betonte die Arbeitnehmervertreterin. vida-Verhandlerin Michaela Guglberger bedankte sich bei Tausenden Beschäftigten, "die mit ihrem Engagement in Betriebsversammlungen und Streiks nach fünf Verhandlungsrunden endlich Bewegung bei den Arbeitgebern erzeugen konnten". "Angesichts der wirtschaftlichen Situation ist dieser Abschluss das Maximum, das erreicht werden konnte", so Guglberger.
Aus Sicht der Sozialwirtschaft Österreich sichert die "verantwortungsvolle Einigung" Arbeitsplätze und gewährleistet die Versorgungssicherheit. In einer budgetär äußerst angespannten Situation sei es den Sozialpartnern gelungen, eine tragfähige Einigung zu erzielen, hieß es gegenüber der APA. "Dieser Abschluss war nur möglich, weil alle Beteiligten die außergewöhnlich schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen anerkannt und Verantwortung übernommen haben", betonte SWÖ-Chefverhandlerin Yvonne Hochsteiner.
Streikende und Gewerkschaftsvertreter während eines Warnstreiks anl. der Kollektivvertrags-Verhandlungen der Sozialwirtschaft am Dienstag, 02. Dezember 2025, in Thal bei Graz.