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Sie könne sich noch "sehr gut" an das Besetzungsverfahren erinnern, schilderte Scharf. Vom Erstangeklagten - dem Vorsitzenden der Begutachtungskommission - habe sie sich vor dem Hearing nie ungerecht behandelt gefühlt. Aber im Mitarbeitergespräch habe er sie gefragt, ob sie sich als Vorständin bewerben werde. Als sie bejaht habe, habe er gesagt: "Ach so, wer soll denn dann Deine Funktion übernehmen?" Ihr Fazit: "In dem Moment wusste ich, dass ich nicht erwünscht bin" und es sei ihr klar geworden, "dass da was läuft". Später habe sie auch über den "Flurfunk" gehört, dass es jemand anderen gebe, der offenbar den Job bekommen solle.
Scharf hatte das Finanzamt Braunau zum Zeitpunkt des Hearings bereits längere Zeit interimistisch geführt - zur Zufriedenheit, wie sie betonte. In der Hearingkommission sei der Erstangeklagte ihr gegenüber dann aber sehr "forsch und angriffig" aufgetreten. Sie habe das Gefühl gehabt, dass er sie mit seinen Fragen "rausprüfen" wollte. "Er musste mich schlecht aussehen lassen", sagte sie, weil ja offenbar jemand anderer vorgesehen gewesen sei als sie - wer das war, habe sie zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst. Ihre Präsentation im Hearing sei aus ihrer Sicht jedenfalls perfekt" gewesen. Sie hat letztlich alle Kommissionsmitglieder wegen Amtsmissbrauchs angezeigt.
Den Posten bekam schließlich ein ÖVP-Bürgermeister. Laut Wöginger habe ihn der Ortschef in seiner Abgeordneten-Sprechstunde aufgesucht und um Unterstützung bei seiner Bewerbung gebeten. Er will aber nur die Bewerbungsunterlagen des Mannes an den damaligen Generalsekretär im Finanzministerium, Thomas Schmid, "zur Prüfung" weitergeleitet haben. Ein Chatverlauf zeigt, dass Schmid zumindest versucht hat, auf ein ebenfalls angeklagtes Mitglied der Hearingkommission Einfluss zu nehmen. Die unterlegene Bewerberin Scharf wurde später gemäß einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts wegen Diskriminierung entschädigt.
Am Nachmittag wurde der Bürgermeister als Zeuge einvernommen. Wöginger kenne er seit ca. 2014 oder 2015 vom ÖAAB, sagte er. Das Verhältnis sei "mittel bis gut" gewesen, aber "ich habe ihn nicht so oft getroffen, dass ich ihn so gut gekannt hätte". 2016 habe er ihm bei einem Sommerfest von seinem Interesse an einem Finanzamts-Vorstandsposten erzählt. "Es war vermutlich die schlechteste Idee, die ich jemals gehabt habe", sagte er. "Es beschäftigt mich, warum ich das getan habe, und ich finde keine Lösung. Es tut mir leid für alle, die da involviert sind, auch für Christa Scharf, die ich immer sehr geschätzt habe." Er würde sich gerne bei einem Kaffee mit ihr aussprechen, sagte er.
In Wögingers Sprechstunde sei er "wegen dem Flüchtlingsthema" gewesen, schilderte er, und "ich habe ihm dort gesagt, dass ich mich für Braunau-Ried Schärding bewerben möchte." Er habe Wöginger auch gefragt, "ob er mich unterstützen, ein gutes Wort einlegen kann." Die Richterin hinterfragte die parteipolitische Motivation dieser Bitte um Hilfe: "Haben Sie sich an Herrn Wöginger gewandt, weil das ein Parteifreund war?" Im Ermittlungsverfahren hatte der Bürgermeister gesagt: "Als Roter wäre ich nicht zu ihm gegangen". Das sei in dem Sinn gemeint gewesen, "als Roter wäre ich nicht zu ihm gegangen, weil ihn gar nicht gekannt habe", versuchte der Zeuge zurechtzurücken. "Kennen Sie keine Menschen, die SPÖ-nahe sind?", wunderte sich die Ersatzrichterin. "Doch sicher", er sei sogar mit welchen befreundet.
Die Richterin wollte vom Zeugen wissen, wie ihn Wöginger seiner Ansicht nach bei einem öffentlichen Bewerbungsverfahren unterstützen könne. "Mein Gedanke war: Es kann nicht schaden." Die Richterin stieß nach: "Wissen Sie nicht, wo man die Bewerbungsunterlagen einbringt?", fragte sie. "Doch, natürlich", er habe nur gehofft, "dass er mich unterstützt". Ob er glaube, dass Wöginger Einfluss im Ministerium nehmen könne? "Ja, vielleicht." Er habe sich gedacht, "er wird schon wissen, wo er es hinträgt", schließlich habe er gute Kontakte. Dennoch will er nicht damit gerechnet haben, dass die Sache am Tisch von Thomas Schmid landet. Als er dessen Chats dazu dann in den Medien gesehen habe, habe er nur gedacht: "Oh, Gott." Thomas Schmid ist für Montag geladen und dürfte dann in aller Ausführlichkeit dazu befragt werden.