Höheres Pensionsantrittsalter für Wifo-Chef unvermeidlich

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Das Wifo sieht Notwendigkeit einer Pensionsreform
 © HANS KLAUS TECHT, Themenbild, Apa, APA/APA/THEMENBILD/HANS KLAUS TECHT
©HANS KLAUS TECHT, Themenbild, Apa, APA/APA/THEMENBILD/HANS KLAUS TECHT
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
Eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters von 65 auf 67 Jahre ist für Wifo-Chef Gabriel Felbermayr dringend geboten. Österreich könne sich von den Trends in den OECD-Ländern "nicht komplett abtrennen", sagte er am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". Zugleich hält es Felbermayr für notwendig, dass bis zum Antrittsalter gearbeitet wird. Dem Vorschlag von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) für ein Zukunftsdepot sieht er positiv, dieser könnte aber "ambitionierter" sein.

von

Wenn mehr Menschen in Arbeit stehen, würden auch mehr Sozialversicherungsbeiträge gezahlt und auch mehr Geld in die Pensionskassen gespült, lautet Felbermayrs bereits bekannte Argumentation für ein höheres Antrittsalter. Ebenso bekräftigte der Wifo-Chef seine Position, das Antrittsalter automatisch an die immer höher werdende Lebenserwartung zu koppeln. Eine entscheidende Rolle spiele dabei auch der Vertrauensschutz.

Nicht zuletzt sieht Felbermayr in seinen Vorschlägen für eine nachhaltige Reform des Pensionssystems auch die Arbeitgeber-Seite gefordert. Man müsse nicht nur Anreize schaffen, dass Menschen länger arbeiten, sondern auch, dass Jobs tatsächlich existieren. Einem Bonus-Malus-System für Betriebe, für das sich etwa Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) einsetzt, hält der Wifo-Chef daher für eine "insgesamt gute Idee". Allerdings dürfe dies nicht zu einer Benachteiligung von jüngeren Unternehmen führen.

Stockers Vorschlag, die Pensionen mittels eines durch Dividenden aus Staatsbeteiligungen gespeisten Fonds abzusichern, kann Felbermayr durchaus etwas abgewinnen. "Die Frage ist, wie weit man da kommt", meinte er aber. Nach derzeitigem Vorschlag soll rund die Hälfte der jährlichen Ausschüttungen in diesen "Zukunftsfonds" fließen. Mit dieser Größenordnung würde man laut dem Wifo-Chef aber "nicht wahnsinnig weit" kommen - "ich verstehe nicht, warum man nicht alle ÖBAG-Gewinne nimmt". Derzeit fließen die Gelder ins Budget, werden also insgesamt dringend gebraucht.

Nicht ganz einig war man sich bei den beiden kleineren Koalitionsparteien bezüglich der Aussagen über die Aussagen Felbermayrs: "Mit der SPÖ wird es keine Erhöhung des Pensionsalters geben", schrieb SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim in einer Aussendung. NEOS-Sozialsprecher Johannes Gasser begrüßte hingegen die Forderung. "Angesichts der demografischen Entwicklung darf diese Frage kein politisches Tabu sein."

Auch die stellvertretende FPÖ-Klubchefin Dagmar Belakowitsch erteilte Forderungen nach einem höheren Antrittsalter eine "klare Absage". Für ihre Partei sei es "inakzeptabel, dass die Lebensleistung der älteren Generation durch derartige Pläne entwertet" werde.

Ein Nein kam auch aus dem ÖGB. Der Fokus müsse darauf liegen, "dass Menschen überhaupt gesund bis zum bestehenden Pensionsalter arbeiten können", meinte Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth in einer Aussendung. Positiv bewertete sie Felbermayrs "vorsichtige Offenheit" gegenüber einem Bonus-Malus-System für die Beschäftigung Älterer.

Auch Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec (ÖVP) freute sich über die Aussagen zum Bonus-Malus-System und das Drängen darauf, das faktische an das gesetzliche Pensionsantrittsalter anzupassen. "Dafür müssen Menschen aber auch tatsächlich länger gesund in Beschäftigung bleiben können", gab Korosec zu bedenken. Birgit Gerstorfer (SPÖ), Präsidentin des Pensionistenverbands (PVÖ), meinte: "Eine höhere Zahl ins Gesetz zu schreiben, ohne dass die Menschen überhaupt bis dorthin gesund und ungehindert arbeiten können, geht an der Realität älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vorbei."

Felbermayr hatte zuvor auch eine weitere Maßnahme gelobt, die Stocker auf den Tisch gebracht hatte: Mittels "Zukunftsdepot" sollen für jedes Kind jährlich bis zu 5.000 Euro angelegt werden können, und zwar ohne dass Kapitalertragssteuer fällig wird. "Ich finde die Idee gut", meinte Felbermayr dazu, er sieht darin einen "hohen pädagogischen Wert". Offen sei allerdings die Frage nach den Auswirkungen der KESt-Befreiung auf das Budget. Auch sieht der Wifo-Chef im aktuell vorgeschlagenen Modell "ein Programm für die besser Verdienenden, das ist gar keine Frage." Felbermayr würde es daher begrüßen, wenn das maximal einzahlbare Kapital nicht bei 5.000 Euro läge, sondern bei einer kleineren Summe.

Über die Autoren

Logo
trend. Newsletter

Die wichtigsten Wirtschaftsthemen des Tages